Karlsruhe - Vor dem wegweisender Derby des Karlsruher SC gegen den 1. FC Kaiserslautern (zur Vorschau) äußert sich KSC-Goalgetter Rouwen Hennings über den bisherigen Saisonverlauf der Badener und erklärt, warum ein Südwest-Nachbarschaftsduell auch für ihn als Norddeutschen etwas Besonderes ist

bundesliga.de: Herr Hennings, wenn der Karlsruher SC am Sonntag auf den 1. FC Kaiserslautern trifft, ist das ein echtes Spitzenspiel. Sind Sie selbst überrascht, dass der KSC solch eine starke Saison spielt?

Rouwen Hennings: Nicht unbedingt. Wir wussten schon vor der Saison, dass wir eine starke Mannschaft beisammen haben, die durchaus Qualität hat. Umso schöner ist es natürlich, sich jetzt im Derby beweisen zu können.

"Haben uns weiterentwickelt"

bundesliga.de: Am Etat kann es nicht liegen, dass der KSC in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga mitmischt...

Hennings: Nein, eher nicht. Ich habe kürzlich mal eine Aufstellung der Gesamtetats aller Zweitligisten gesehen, da lagen wir in etwa im Mittelfeld. Wenn man das zum Maßstab nimmt, muss hier schon einiges richtig gemacht worden sein.

bundesliga.de: Zum Beispiel?

Hennings: Die Transfers passten, die Neuen haben sich gut integriert, mancher von den Etablierten hat noch mal einen Schritt gemacht. Und als Team haben wir uns in Sachen Ball- und Spielkontrolle sowieso weiterentwickelt.

"Spielweise und Personal passen zusammen"

bundesliga.de: Trainer Markus Kauczinski hätte wohl nichts dagegen, vorne einen echten Sturmtank als Alternative zu haben. Da der fehlt, werden die Spitzen eben ins Kombinationsspiel eingebunden. Sie allein haben schon zehn Treffer erzielt. Klingt simpel...

Hennings: Simpel ist das nicht, aber tatsächlich passt unsere Spielweise optimal zum vorhandenen Personal. Mir persönlich mit meinen 1 Meter 81 liegt Kombinationsspiel natürlich sowieso deutlich eher als wenn die Bälle hoch und weit durch die Gegend fliegen. 

bundesliga.de: Auch der 1. FC Kaiserslautern ist allerdings eine Mannschaft, die übers Spielerische kommt.

Hennings: Absolut, Kaiserslautern gehört mit Sicherheit zu den spielstärksten Mannschaften der Liga. Die wollen Fußball spielen und werden sich wohl eher nicht auf Mauerfußball beschränken. Das dürfte also ein spannendes, vielleicht sogar ein attraktives Spiel werden.

"...sie haben das behauptet"

bundesliga.de: Merkt man im Training dieser Tage eine besondere Anspannung?

Hennings: Man will als Spieler natürlich jedes Spiel gewinnen, auch das gegen den 14. der Tabelle in 500 Kilometer Entfernung. Trotzdem merkt man, dass alle heiß sind und dem Sonntag entgegenfiebern. Ein Derby macht auch jedem Spieler besonders viel Spaß.

bundesliga.de: Sie haben in der Jugend jahrelang für den HSV gespielt, sind dann zu St. Pauli gewechselt. War das ein Problem?

Hennings: Nun ja, meine Heimatstadt Bad Oldesloe ist schon echtes Rothosen-Territorium, da wurde der Wechsel schon registriert. Aber zumindest in meinem Freundeskreis sind alle HSVer dann auch mit halbem Herzen für St. Pauli gewesen, wenn ich gespielt habe. Zumindest haben die das immer behauptet.

Das Gespräch führte Christoph Ruf