Köln - Der 1. FC Nürnberg will in der Hinrunde dort weitermachen, wo er in der Hinserie aufgehört hat. Sollte das gelingen, muss der Wiederaufstieg keine Utopie sein.

Am Montag sind die Spieler des 1. FC Nürnberg aus dem Trainingslager zurückgekehrt und wohlbehalten in Franken gelandet. Dass die Laune im Team allgemein als gut beschrieben wird, überrascht dabei nicht weiter. Schließlich zeigt beim Club die Leistungskurve schon seit dem Trainerwechsel im November nach oben – mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Laune. Zur Erinnerung: Der geschasste Valérien Ismaël erreichte 14 Punkte aus 13 Spielen, Nachfolger René Weiler holte dann aus sechs Partien einen Punkt mehr als der französische Ex-Nationalspieler.

Kerk tut gut

Allerdings waren die Ergebnisse in Belek eher durchwachsen. Niederlagen gegen den VfB Stuttgart (0:2) und den österreichischen Erstligisten SCR Altach (1:2) zu Beginn des Trainingslagers folgten dann aber immerhin noch zwei Siege: Gegen Jeju United FC, einen Verein aus Südkorea, siegte man 3:1 und agierte dabei ebenso dominant wie beim 2:0-Sieg gegen den ehemaligen Verein von Coach Weiler, den FC Aarau.

Die Formkurve zeigte also auch im Trainingslager nach oben – auch dank Winter-Neuzugang Sebastian Kerk, der in Freiburg nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinauskam, sich im Fränkischen aber schnell aufgedrängt hat. Sehenswert seine genau getimte Vorlage zum 1:0 gegen Aarau durch Niclas Füllkrug. Sehenswert auch die Standards und das Passspiel. Es scheint, als habe Weiler die erhoffte Alternative im Offensivbereich gefunden. Dem Nürnberger Kombinationsspiel, das auch im zweiten Abschnitt der Hinrunde noch oft lahmte, tut ein technisch gut ausgebildeter Spieler wie Kerk zudem ausgesprochen gut.

Mössmer und Hovland harmonieren

Also eitel Sonnenschein in Franken? Nicht nur, schließlich verdichtet sich der Eindruck, dass der Kader in der Breite Defizite hat. "Auf gewissen Positionen müsste der Konkurrenzkampf höher sein", sagte Weiler den "Nürnberger Nachrichten" und traf damit den Nagel auf den Kopf. In den vergangenen Wochen zeigte sich erneut, dass viele Youngster aus dem eigenen Nachwuchs noch Zeit brauchen, ehe sie im Profibereich Fuß fassen können, Zudem konnten einige Neuzugänge wie Daniel Candeias, Peniel Mlapa oder Willi Evseev – zum Teil auch verletzungsbedingt – bisher noch nicht helfen.

Für Dave Bulthuis, eigentlich als Stammkraft für die linke Abwehrseite geholt, scheint es in Nürnberg sowieso keine Zukunft mehr zu geben. Sollte ein Interessent zugreifen wollen, würde man dem rustikalen Niederländer wohl keine Steine in den Weg legen. Ganz anders sieht es in der zentralen Defensive aus, wo Keeper Patrick Rakovsky mittlerweile die unangefochtene Nummer eins ist und sich ein Innenverteidigerduo gefunden hat, das zu den besten der Liga gehört: Jürgen Mössmer und Even Hovland harmonieren prächtig. 

Quälende Monate vergessen?

Es ist dann also auch kein Wunder, dass vor dem Rückrundenstart gegen den FSV Frankfurt beim 1. FC Nürnberg die Zuversicht dominiert. Spieler wie Niclas Füllkrug ("sechs Punkte sind nichts") haben in Interviews sogar schon laut ausgesprochen, was intern auch offen thematisiert werden dürfte. Sollte der Club ähnlich erfolgreich in die Rückrunde starten, wie er die Vorrunde zu Ende gebracht hat, greift man automatisch wieder ins Rennen um den sofortigen Wiederaufstieg ein. Vergessen wären dann die quälenden Monate von August bis Oktober, in denen der FCN seine treuen Anhänger von einer Geduldsprobe in die nächste zwang.

Christoph Ruf