Karlsruhe - Durch einen ärgerlichen individuellen Fehler verliert der Karlsruher SC das "Endspiel" um Platz drei gegen Darmstadt 98. Das Rennen um den Relegationsplatz will Trainer Markus Kauczinski aber noch nicht aufgeben.

Markus Kauczinski hätte einiges darum gegeben, hätte er nach der 0:1-Niederlage gegen Darmstadt 98 die Zeit zurückdrehen können. Eine einzige Intervention in der 66. Minute hätte ihm vollauf gereicht. Er hätte sich dann wohl kurz seinen Spieler Manuel Torres zur Seite genommen und ihm erklärt, dass man ohne Absicherung keine riskanten Pässe spielt. Genau das tat der talentierte Spanier allerdings fatalerweise, als er nach eigenem Eckball ohne jede Not den Ball vertändelte, was Darmstadts Marcel Heller zu einem spektakulären Spurt über 50 Meter verhalf –Tobias Kempe erzielte den einzigen Treffer des Abends.

"Ich habe heute einen kleinen Unterschied zwischen beiden Mannschaften gesehen", sagte Kauczinski über die spielentscheidende Szene. "So ein Ballverlust passiert Darmstadt nicht." Auch die Mitspieler haderten noch lange nach Schlusspfiff mit dem Verlauf einer an sich ausgeglichenen Partie: "Ich bin sprachlos", sagte Reinhold Yabo. "Wir machen einen blöden Fehler und fangen uns so ein Gegentor."

Niederlage mit weitreichenden Folgen

Der Ärger im KSC-Lager war verständlich. Schließlich hätte selbst ein 0:0 alle Optionen für die letzten beiden Spieltage offen gehalten. Und das trotz der 1:3-Niederlage, die man sich in der Vorwoche in Aue leistete. So aber ist Darmstadt bei zwei ausstehenden Spielen um vier Zähler enteilt, der Rückstand auf Kaiserslautern, das derzeit den Relegationsrang belegt, beträgt zwei Punkte. Und am nächsten Sonntag könnte Braunschweig mit einem Sieg gegen die Badner sogar noch vorbeiziehen – keine Frage, die Niederlage gegen die Lilien hat weitreichende Folgen.

Wie hoch er die Chancen einschätze, dass der KSC doch noch aufsteigen könne, wurde Rouwen Hennings angesichts dieser Ausgangslage gefragt. Der zögerte kurz und wich aus: "Ich habe eigentlich jetzt keine Lust zu rechnen." Dass seinem Team im Saison-Endspurt die Pause ausgehen könnte, glaubt der Torjäger allerdings nicht: "Klar ist man nach solch einer Niederlage enttäuscht. Aber mit unserer Fitness haben wir ganz sicher kein Problem." So sah es auch Daniel Gordon, der in der fünften Minute die größte Chance für die Badener hatte, als sein wuchtiger Kopfball mit Karacho an die Querlatte krachte: "Man sieht, wie verrückt die Liga ist. Aber heute haben wir einfach nicht unsere optimale Leistung gebracht."

"Hier kann richtig etwas entstehen"

Sportdirektor Jens Todt war am Montag Abend dann auch der Erste, der versuchte, den möglicherweise entscheidenden Rückschlag im Aufstiegsrennen zu relativieren. Dass die Spieler mit tosendem Applaus verabschiedet wurden und sich minutenlang von den Fans auf der Gegengerade feiern ließen, hatte nicht nur den Ex-Nationalspieler beeindruckt. "Natürlich sind wir enttäuscht. Aber wenn man das gerade gesehen hat, bin ich mir sicher, dass hier richtig etwas entstehen kann."

Tatsächlich haben die Badener ja eine überragende Saison gespielt und sich mit einem Etat, der im Mittelfeld der Zweiten Liga liegt, lange Zeit gut im Aufstiegsrennen behauptet. Platz zwei hat man derweil abgeschrieben: "Darmstadt hat jetzt vier Zähler Vorsprung, ich glaube nicht, dass es realistisch ist, da noch einmal herankommen zu wollen", sagte Kauczinski. "Aber Platz drei ist noch möglich."

Aus Karlsruhe berichtet Christoph Ruf