Bielefeld - Zwei Jahre nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga geht es für Arminia Bielefeld runter in die 3. Liga. In einer von großen Finanz- und Personalsorgen geprägten Saison blieb auch nach dem Trainerwechsel der sportliche Erfolg aus. Bereits nach dem 30. Spieltag war der Klassenerhalt rechnerisch nicht mehr möglich.

Der hoch verschuldete Verein hatte zuvor Hilfe aus dem Sicherungsfond der DFL in Anspruch genommen. Dadurch trat automatisch ein Dreipunkte-Abzug in Kraft. Beim letzten Heimspiel wurde trotzdem noch einmal groß gefeiert.

Nur vier Punkte für Ziege

Schon nach 11 Spieltagen trennten sich die Ostwestfalen von ihrem zu Saisonbeginn verpflichteten Trainer Christian Ziege. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Arminia magere vier Punkte auf dem Konto und stand bereits seit vier Wochen auf dem letzten Tabellenplatz. Lediglich am vierten Spieltag gelang ein 1:0-Heimsieg gegen den FC Ingolstadt. Danach folgten acht sieglose Partien nacheinander.

Nur ein 0:0 am 9. Spieltag bei 1860 München konnte auf der Habenseite verbucht werden. Nach dem 0:3 beim FC Augsburg musste Ziege, der nach dem Abgang vieler Leistungsträger (Michael Lamey, Oliver Kirch, Jonas Kamper, André Mijatovic) den Neuaufbau beim Siebten der Vorsaison vorantreiben sollte, seinen Hut nehmen.

Lienen kommt in die Heimat

Nun ging es nur noch darum, den Absturz zu verhindern. Dafür wurde Ewald Lienen verpflichtet, von 1974 bis 1977 und 1981 bis 1983 selbst als Profi für Bielefeld aktiv. "Arminia ist für mich eine Herzensangelegenheit", hatte der 57-Jährige bei seinem Amtsantritt im November noch gesagt. "Ich kehre in meine Heimat zurück und möchte in dieser Notsituation helfen".

Tatsächlich schien es so, als ob der "Trainerfuchs" sein neues Team wieder auf Kurs bringen könnte. Gleich im ersten Spiel unter seiner Regie kehrte das Glück auf die "Alm" zurück. Gegen den VfL Osnabrück gelang beim 2:1 ein Befreiungsschlag. Die Gastgeber drehten dabei einen 0:1-Rückstand und siegten letztlich durch ein Eigentor des Gegners in der 88. Minute.

Neuville verabschiedet sich

Torwart Dennis Eilhoff hielt zudem beim Stand von 1:1 einen Elfmeter von Osnabrücks Nicky Adler. "Diese Mannschaft lebt noch", sagte Lienen nach der Partie. Bielefeld gab durch diesen Erfolg sogar vorübergehend die "Rote Laterne" an den FC Ingolstadt ab.

Doch statt den Schwung aus diesem richtungsweisenden Spiel mitzunehmen, verabschiedete sich Bielefeld mit fünf weiteren Niederlagen in Serie, insgesamt nur sieben Zählern und elf Punkten Rückstand auf Platz 15 als Tabellenletzter in die Winterpause, in der Routinier Oliver Neuville, der als großer Hoffnungsträger aus Mönchengladbach geholt worden war, seine Karriere beendete.

Neue Spieler für die Wende

Trotz der schwierigen finanziellen Situation wurden im Winter sieben neue Spieler verpflichtet. Unter anderem sollten Dario Vidosic (1. FC Nürnberg), Eke Uzoma, Sandro Kaiser (beide 1860 München), Josip Tadic (Grenoble Foot) und Daré Nibombé (FC Baku) für die Wende sorgen. Doch Bielefeld blieb in der Rückrunde weitere sieben Spiele ohne dreifachen Punktgewinn. Dem 1:1 zu Hause gegen Frankfurt folgte ein 1:2 in Cottbus, ein 1:3 gegen Hertha BSC und ein 0:1 beim Abstiegskonkurrenten Ingolstadt.

Erst gegen den VfL Bochum gelang in der Schüco-Arena beim 2:2 wieder ein Punktgewinn. Marcel Appiah gelang in der 89. Minute der umjubelte Ausgleich gegen den Aufstiegskandidaten. Dem 0:3 in Aue folgte ein 1:1 gegen Paderborn. Zu wenig, um noch einmal ernsthaft Hoffnung zu schöpfen.

Lienen bleibt bei Abstieg nicht

Erst am 25. Spieltag durften die Arminen wieder einen Sieg bejubeln. Ausgerechnet beim Pokalfinalisten MSV Duisburg gelang ein 2:1-Erfolg. Sebastian Heidinger sorgte in der 87. Minute für den späten Siegtreffer. Der Rückstand zum Relegationsplatz betrug zu diesem Zeitpunkt aber immer noch 11 Punkte.

Der Trainer teilte unterdessen mit, dass er im Abstiegsfall nicht mehr als Coach zur Verfügung stehen würde. "Die Entscheidung tut weh, ist aber endgültig", so Lienen, der die nötigen Voraussetzungen für eine Fortsetzung seiner Arbeit nicht gegeben sah. Bielefeld ergab sich danach langsam in sein Schicksal. Von Verletzungssorgen geplagt folgten weitere sieben Spiele ohne Sieg.

Die Fans sorgen für Party-Stimmung

Immerhin sprangen drei Remis (2:2 bei Union Berlin, 0:0 in Osnabrück und 3:3 gegen Oberhausen) heraus. Am vorletzten Spieltag verabschiedete sich die Arminia auf der heimischen Alm mit einem 2:1-Sieg gegen den KSC von über 24 000 Zuschauern, die noch einmal für Party-Stimmung sorgten.

"Wahnsinn, was die Zuschauer hier veranstaltet haben. Ich bin mir sicher, dass Arminia zurückkommen wird", macht der scheidende Trainer Lienen den Fans Mut. Zum Abschied holte seine couragiert kämpfende Mannschaft am letzten Spieltag noch ein 1:1 bei Alemannia Aachen.

Markus Hoffmann