Nürnberg - Der 1. FC Nürnberg ist in der 2. Bundesliga weiter auf dem Vormarsch. Nach dem 3:1-Auswärtssieg in Düsseldorf verdrängten die Franken die Fortuna von Platz 6, was das Aus für Oliver Reck bedeutete. Nur noch fünf Punkte trennen den Club vom Karlsruher SC, dem Tabellen-Zweiten (zur Tabelle), der am nächsten Sonntag an der Noris gastiert.

Von Aufstiegsambitionen wollten die Clubberer nach der starken Vorstellung in Düsseldorf aber dennoch nichts wissen. Dafür sind sie in dieser Spielzeit zu sehr gebrannte Kinder. Vor der Saison war der direkte Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben worden, doch dann lief Nürnberg der Musik lange hinterher.

"Die 2. Bundesliga ist nicht so einfach, wie alle dachten", gestand Routinier Javier Pinola in Düsseldorf rückblickend. Statt markiger Sprüche setzen sie nun auf harte Arbeit. Nur das nächste Spiel ist im Fokus. Damit fahren sie ganz gut.

Nürnberg im Aufwärtstrend

Der Saisonstart war mühsam und voller Rückschläge. Am 13. Spieltag, nach der 1:2-Niederlage in Sandhausen, zog die Vereinsführung die Notbremse und ersetzte den glücklosen Trainer Valerien Ismeal durch Rene Weiler. Unter Ismael war der selbsternannte Aufstiegsaspirant bis auf Platz 14 abgestürzt, vier Siegen standen sieben Niederlagen entgegen, das Torverhältnis lautete 14:24. Offensiv klappte wenig, defensiv noch weniger, fast zwei Gegentore im Schnitt waren viel zu viel.

Weiler also übernahm und mit ihm kehrten der Erfolg und das Glück zurück. Gleich im ersten Spiel gab es einen schmeichelhaften 2:1-Erfolg gegen den Tabellenführer FC Ingolstadt 04. 19 Punkte holte der Club unter seinem neuen Trainer in neun Spielen, die Abwehr wurde bei nur noch acht Gegentoren stabilisiert. Auch personell wurde in der Winterpause mit der Verpflichtung von Guido Burgstaller und Adrian Nikci noch einmal nachgelegt. Es geht trotz eines Rückschlags wie der 1:2-Niederlage beim FSV Frankfurt zum Jahresbeginn 2015 kontinuierlich bergauf.

Drei Tor-Premieren in einem Spiel

In Düsseldorf konnte der FCN erstmals ein Spiel nach Rückstand noch gewinnen. Alle drei Torschützen – Niklas Stark, Danny Blum und Sebastian Kerk – feierten ihre Torpremiere in dieser Saison. Blum und Kerk trafen als Joker. Dem zweiten Tor von Blum ging eine schöne Freistoßvariante voraus. Das war kein Zufall, denn Standards wurden zuletzt vermehrt trainiert.

"In der Vorrunde haben wir keine große Gefahr bei Standards ausgestrahlt. Deshalb trainieren wir es im Moment häufiger", berichtet Danny Blum. Dabei dürfen die Spieler auch selbst kreativ sein. "Der Trainer verlangt sogar, dass wir mit die Initiative ergreifen", ergänzt der 24-Jährige, der nach langer Verletzungspause erst sein zweites Spiel für Nürnberg bestritt. "Rene Weiler will, dass wir vorne flexibel sind. Ganz egal, ob es Eins-gegen-Eins-Situationen, Überzahlspiel oder Standards betrifft." Das hat sich ausgezahlt.

"Das hat uns der Trainer eingetrichert"

"Wir sind wacher im Spiel und aggressiver im Kampf um die zweiten Bälle", sieht Niklas Stark den großen Unterschied zwischen Rene Weiler und seinem Vorgänger. "Das hat uns der Trainer auch eingetrichtert. Im Spiel nach vorne lässt er uns Freiräume." Der Coach setzt auf die Kreativität seiner Mannschaft und fährt gut damit.

Am kommenden Samstag empfängt Nürnberg nun den Karlsruher SC zum Spitzenspiel. Im Hinspiel kassierte der Club eine bittere 0:3-Niederlage. Bei einem Sieg gegen die Nordbadener würde der FCN den Rückstand auf nur noch zwei Punkte verkürzen. Dann dürfte das Thema Aufstieg zumindest intern wieder auf die Agenda kommen.

Von Tobias Gonscherowski