Nürnberg - Andreas Bornemann hatte keine Lust, sich auf Diskussionen über das nicht gegebene Tor von Niclas Füllkrug (30.) einzulassen. Tatsächlich war es eine Millimeterentscheidung, mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, ob nun Füllkrug oder Karlsruhes Enrico Valentini  beim Zuspiel von Georg Margreitter letzter Mann war. "Wir suchen die Fehler immer zuerst bei uns selbst", antwortete Nürnbergs Sportdirektor auf die entsprechende Frage.

Bornemann haderte dabei vor allem mit der Chancenverwertung seiner Nürnberger, die gegen spielstarke Karlsruher Torchance um Torchance herausspielten, sich am Ende aber mit drei Aluminiumtreffern und einem 0:0 (Spielbericht) zufriedengeben mussten.

Dabei zeigte das aus dem jüngsten 5:1-Sieg im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf erprobte Sturmduo Füllkrug/Guido Burgstaller auch gegen Karlsruhe einen guten Auftritt, doch auch die beiden Angreifer blieben letztlich ohne Torerfolg. "Insgesamt haben wir es stark gemacht", sagte Burgstaller, "leider haben wir uns nicht belohnt."

"Wir spielen zu oft unentschieden"

Tatsächlich hatten allein in der Schlussphase Danny Blum (80.), Tim Leibold (82.) und der starke Alessandro Schöpf (86.) drei Riesenmöglichkeiten, um das Spiel zugunsten der Clubberer zu entscheiden. Es wären drei nicht unverdiente Zähler in einem Spiel zwischen zwei starken Mannschaften gewesen, die den mehr als 25.000 Fans einen hochklassigen Fußball-Abend bescherten.

"Das wirkte nicht wie ein Spiel zwischen zwei Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld", sagte Club-Trainer René Weiler, der zurecht feststellte, dass die Punkteausbaute der Nürnberger in den letzten Spielen nicht den Leistungsstand widerspiegelte. Schon in den Heimspielen gegen den FSV Frankfurt und Arminia Bielefeld war der Club klar überlegen, spielte aber jeweils nur remis. Und auch gegen Karlsruher war der FCN die "überlegene Mannschaft" (Weiler), die vor allem offensiv überzeugte. "Das waren zwei Sieg-Spiele", ächzte der Schweizer: "Wir verlieren nicht mehr oft, aber unser Problem ist, dass wir zu oft unentschieden spielen."

Dann eben auswärts

Bei allem Ärger über den ausgebliebenen Lohn merkte Spielern und Funktionären im Nürnberger Lager allerdings an, dass sich die fußballerische Aufwärtsentwicklung der vergangenen Wochen positiv auf die Stimmung am Valznerweiher ausgewirkt hat. In den ersten Spielen der Saison waren nicht nur vereinzelte haarsträubende Defensivfehler ein Problem, sondern auch die Tatsache, dass der Club zu selten aus dem Spiel heraus Torgefahr entwickelte. Das ist seit einigen Wochen deutlich anders, Spieler wie Burgstaller, Füllkrug, Schöpf oder Leipold treten nun deutlich zielstrebiger und selbstbewusster auch. Aber auch der Einsatz des erst 20-jährigen Patrick Erras auf der Sechserposition hat sich mehr als bezahlt gemacht. Sicher im Passspiel, mit einem guten Auge und mutigen Aktionen im Spiel nach vorne wartet das Eigengewächs (seit 2007 im Verein) auf, das offenbar schon in den Fokus von Bundesligisten gerückt ist.  

"Nun müssen wir die Punkte eben auswärts holen", forderte Weiler vor der anstehenden Partie bei Union Berlin am kommenden Sonntag. "Auch wenn die Berliner gerade auswärts gewonnen haben." So sah es auch der eingewechselte Danny Blum, der kurz vor Schluss den Siegtreffer auf dem Fuß hatte und an der Alten Försterei auf mehr Abschlussglück hofft: "Wir müssen wieder den unbedingten Willen zeigen, Tore zu schießen. Da brauchen wir einfach mehr Konstanz."

Aus Nürnberg berichtet Christoph Ruf