Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Jörn Andersen weiß das aus erster Hand. Plante er noch vor rund einem Jahr für die 3. Liga, so träumt er jetzt vom Aufstieg in die Bundesliga.

Am 18. Mai 2008 waren die von Andersen trainierten Kickers Offenbach, die sich schon fast als gerettet ansahen, am letzten Spieltag auf dramatische Weise vom 12. Platz auf einen Abstiegsrang abgerutscht.

Kurz darauf trat Andersen die Nachfolge von Jürgen Klopp beim 1. FSV Mainz 05 an. Ein schweres Erbe. Doch der Norweger wusste Mannschaft und Fans für sich zu gewinnen und kann schon jetzt zumindest für die Relegation planen.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Andersen über seine Anfänge als Klopp-Nachfolger, über die Beendigung des "Fürth-Fluchs" am vergangenen Wochenende und die Ausgangslage vor dem 34. Spieltag. Ausgerechnet seine erste Trainerstation in der 2. Bundesliga soll nun zum Sprungbrett in die Bundesliga werden.

bundesliga.de: Herr Andersen, wie beurteilen Sie die Leistung Ihrer Mannschaft im Spiel bei der SpVgg Greuther Fürth?

Jörn Andersen: Die Mannschaft kann auf ihre Leistung stolz sein. Sie hat sich bei großer Hitze in einer extremen Drucksituation gegen einen sehr starken Gegner gewehrt und in den entscheidenden Momenten sehr guten Fußball gezeigt. Das war eine unserer stärksten Leistungen in dieser Saison und ein sehr wichtiger Erfolg.

bundesliga.de: Warum ist Mainz in der Fremde in dieser Saison so viel erfolgreicher als daheim?

Andersen: Die Frage ist mir sehr häufig gestellt worden. Der Mannschaft fällt es auswärts oft leichter zu spielen, weil die meisten Gegner Räume anbieten, die wir nutzen können. Das ist in Heimspielen meistens nicht der Fall. Aber es gibt im Moment gar keinen Grund, über unsere Heimbilanz zu reden. Wir haben die beiden vergangenen Heimspiele gewonnen und wollen das nächste auch gewinnen.

bundesliga.de: Der 3. Platz ist Ihrem Team sicher und damit auch zumindest die Relegation. Ist dies eine trügerische Sicherheit?

Andersen: Wir wissen, dass wir mit unserem Vorsprung auf den 1. FC Nürnberg und den 3. Platz noch nicht durch sind. Bei uns hebt deswegen niemand ab. Unsere Ausgangsposition hat sich nach dem vergangenen Wochenende aber noch einmal deutlich verbessert. Das gibt uns keine trügerische Sicherheit, sondern ermöglicht uns die große Chance aus eigener Kraft aufzusteigen. Diese Chance wollen wir nutzen.

bundesliga.de: Zum Abschluss der Saison empfängt Mainz Rot-Weiß Oberhausen. Der Aufsteiger präsentierte sich in den vergangenen Wochen stark und ärgerte Mainz schon im Hinspiel. Worauf muss Ihre Mannschaft aufpassen?

Andersen: Wir haben großen Respekt vor Rot-Weiß Oberhausen, die uns in der Hinrunde geschlagen und sich nun durch den Sieg gegen den SC Freiburg vorzeitig gerettet haben. Ich gratuliere Trainer Jürgen Luginger und seiner Mannschaft zu dieser Leistung. Wir müssen sehr konzentriert auftreten und noch einmal an unsere Leistungsgrenze gehen.

bundesliga.de: Wie schwer wiegt der verletzungsbedingte Ausfall von Nikolce Noveski für das RWO-Spiel?

Andersen: Nikolce Noveski hat eine sehr gute Saison gespielt und ist ein wichtiger Bestandteil meiner Mannschaft. Deshalb ist sein Ausfall ärgerlich. Aber ich vertraue Niko Bungert und Bo Svensson total. Beide haben in Fürth sehr gute Leistungen gezeigt.

bundesliga.de: RWO war Ihre erste Trainerstation in der 2. Bundesliga. Ist dies für Sie daher ein ganz besonderes Spiel?

Andersen: Es ist schon ein besonderes Spiel, weil Jürgen Luginger damals mein Co-Trainer war und Oliver Adler mein Torhüter. Aber ansonsten hat sich die Mannschaft völlig verändert, es gibt für mich nur noch wenige Bezugspunkte. Der Reiz der Partie liegt für mich in unserer Aufstiegschance.

bundesliga.de: Werden Sie ein Auge auf die Partie der Nürnberger werfen? Oder findet das Spiel nicht einmal auf der Anzeige im Stadion statt?

Andersen: Ich habe keine Ahnung, was der Verein plant. Uns soll das Spiel in Nürnberg auch nicht interessieren, wir müssen uns auf unsere Aufgabe konzentrieren. Wenn wir erfolgreich spielen, ist das Ergebnis aus Nürnberg egal.

bundesliga.de: Sie kamen im vergangenen Sommer nach Mainz als Nachfolger des hier legendären Jürgen Klopp. Doch Sie sind schnell aus dessen Schatten getreten. Wie haben Sie Mannschaft und Fans für sich gewonnen?

Andersen: Natürlich ist der Wechsel von Jürgen Klopp nach Dortmund ein Einschnitt für Mainz 05 gewesen, weil Jürgen den Verein in den vergangenen Jahren sehr stark geprägt hat. Aber der Verein und die Fans waren schnell bereit zu akzeptieren, dass nun in Mainz ein anderer Trainer arbeitet, der einige bestehende Dinge aufgreift, der aber auch neue Ideen einbringt. Wichtig war auch, dass wir sehr gut in die Saison gestartet sind.

bundesliga.de: Klopp selbst hat Ihrer Mannschaft bereits per SMS zum Fast-Aufstieg gratuliert. Noch fehlt Mainz ein Punkt, um kommende Saison zwei Mal gegen Klopp und den BVB zu spielen. Doch wie sicher sind Sie sich, dass der Aufstieg gelingen wird und warum wird es klappen?

Andersen: Jürgen Klopp hat uns nur gratuliert, weil wir in diesem wichtigen Spiel unseren "Fürth-Fluch" besiegt haben. Er hat ja als Spieler und Trainer fast alle Niederlagen gegen diesen Gegner mitgemacht. Uns allen muss niemand erzählen, dass wir am Sonntag noch unsere Aufgabe zu erledigen haben. Wir sind alle heiß auf dieses Spiel, die Mannschaft, der Verein, die ganze Stadt.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz