Freiburg - Nils Petersen ist der Torgarant des SC Freiburg. Im Interview mit bundesliga.de erklärt er, warum er selbst nicht mit dem sofortigen Wiederaufstieg gerechnet hat, wie er dennoch zustande kam, und warum die Zeit bis zum Saisonende für ihn und den Verein gleichermaßen wichtig sind.

bundesliga.de: Herr Petersen, in den vergangenen Tagen hat sich der Sport-Club ein neues Saisonziel gesteckt: die Meisterschaft in der 2. Bundesliga (zur Tabelle). Ist die Trophäe mehr als Symbolik?

Nils Petersen: Na klar. Zum einen wäre es natürlich klasse, wenn wir unseren Fans etwas Sichtbares präsentieren könnten. Zum anderen gehört so eine Meisterschaft in der 2. Bundesliga zu den Daten, die sich Vereine in gewissen Statistiken ins Portfolio schreiben können. Wir sind jedenfalls alle gewillt, das jetzt auch noch zu schaffen. Damit wären wir dann endgültig vor RB Leipzig, einer Mannschaft, die ganz andere Möglichkeiten hat als wir.

bundesliga.de: Die meisten Journalisten und Trainer haben Freiburg vor der Saison allerdings auf Augenhöhe mit den Leipzigern gesehen...

Petersen: Ganz ehrlich: Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet, sondern habe mich Anfang der Saison eher darüber gewundert, dass so viele Experten uns so stark eingeschätzt haben. Bei all den Abgängen, die wir hatten, war ich da skeptisch. Auch unser Trainerteam war im Übrigen davon überzeugt, dass diese Mannschaft, wenn alles optimal läuft, um den Aufstieg mitspielen kann. Dass es so gekommen ist, hat das Vertrauen in die Urteilsfähigkeit des Trainers natürlich noch einmal erhöht.

bundesliga.de: Aber Sie wären doch im vergangenen Sommer sicher nicht dauerhaft nach Freiburg gewechselt, wenn Sie nicht auch an den Aufstieg geglaubt hätten, oder?

Petersen: Doch, das wäre ich. Das war ein Wechsel ohne jede Prämisse. Natürlich wollte ich schon damals gerne wieder Bundesliga spielen, aber ob das in einem, zwei oder drei Jahren klappen würde, davon wollte ich die Entscheidung nicht abhängig machen.

bundesliga.de: Umso erstaunlicher, dass der SC Freiburg so souverän durchmarschiert ist.

Petersen: Das denkt man vielleicht, wenn man auf die Tabelle schaut. Aber wir sind keine Übermannschaft und haben oft erst einen Dosenöffner gebraucht, um reinzukommen in die Partie. Da war es natürlich schon von Vorteil, dass Vincenzo Grifo solch tolle Freistöße schießt.

bundesliga.de: Oder auch, dass Sie 21 Tore erzielt haben (zur Torjägerliste). Jetzt soll es doch auch der Titel des Torschützenkönigs sein, oder?

Petersen: Das würde ich auf meiner persönlichen To-do-Liste auf Position drei setzen. Den Aufstieg haben wir geschafft, die Meisterschaft können wir aus eigener Kraft holen, wenn dann auch noch der Torschützenkönig dazu käme, sind eigentlich kaum mehr Wünsche offen. 

bundesliga.de: Sie sagten, der Sport-Club sei keine Übermannschaft. Spielen Sie damit auch auf die vielen Gegentreffer an? 

Petersen: Ich glaube, Offensive und Defensive bedingen sich gegenseitig. Wären wir nicht so torhungrig und würden wir vorne nicht manchmal auch recht wilde Sachen machen, hätten wir auch nicht so viele Gegentore bekommen. Und wenn wir öfter zu Null gespielt hätten, wären wir vorne nicht so erfolgreich gewesen.

bundesliga.de: Erklärt sich so auch, dass Ihr Trainer die Angreifer öfter herausgreift, wenn sie seiner Meinung nach defensiv gut gearbeitet haben, als wenn sie mal wieder die entscheidenden Tore geschossen haben?

Petersen: Klar. Christian Streich legt großen Wert darauf, dass die Offensiven ihre Defensivaufgaben erledigen. Die öffentliche Wahrnehmung ist da ja auch oft ungerecht. Wer Tore schießt, ist im Fokus. Aber es ist ja unfassbar, wie viele Kilometer ein Mike Frantz pro Spiel abreißt, oder was Karim Guédé abläuft, wenn er spielt. In der Mannschaft wissen wir aber alle, wie wichtig das ist, auch wenn andere die Schlagzeilen bekommen.

bundesliga.de: Wann haben Sie denn realisiert, dass der SC Freiburg wirklich kommende Saison gegen den FC Bayern München, den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund spielt?

Petersen: Ich glaube, endgültig versteht man das erst, wenn man irgendwann im Urlaub ist, die Gedanken kreisen und die Spielpläne der Bundesliga kommen. Während des Spiels war das noch ganz weit weg, da denkst du an all die Beispiele von Vereinen, die – wie letztes Jahr der Karlsruher SC – schon mit einem Bein oben waren und dann passiert in den letzten Sekunden noch was Blödes.

bundesliga.de: Aber die Feierlichkeiten waren schon recht intensiv, hört man...

Petersen: Ja, das waren sie, und das haben wir uns auch verdient, meine ich. Gefühlt wird man im Moment in Freiburg auch alle paar Minuten auf den Aufstieg angesprochen. Langsam aber sicher verstehe ich also schon, was passiert ist.