Köln - Dank eines starken Schlussspurts mit zuletzt drei Siegen in Folge hat sich der 1. FC Nürnberg den 4. Platz in der Abschlusstabelle der Hinrunde gesichert. Die Franken liegen nur noch zwei Punkte hinter dem Relegations-Aufstiegsplatz und empfangen nun am Sonntag den Herbstmeister SC Freiburg zum Topspiel. Vor dem Hit spricht Nürnbergs Stürmer Niclas Füllkrug im Interview mit bundesliga.de über die Stärken des Clubs und die Ursachen des Aufschwungs.

bundesliga.de: Der 1. FC Nürnberg hat die Hinrunde auf Platz 4 abgeschlossen. Hat sich die Mannschaft nach dem schleppenden Start in die 2. Bundesliga nun endgültig gefangen? Wie ordnen Sie das Abschneiden ein?

Niclas Füllkrug: Für die Halbserie ist Platz 4 ein gutes Resultat. Wir wollen an unserer Serie weiter arbeiten und sie ausbauen. Wir hatten am Anfang eine schlechtere Phase und zuletzt eine bessere, in der wir ein paar unglückliche Spiele wieder ausgleichen konnten.

bundesliga.de: Von den letzten elf Partien verlor der Club nur eine, seit sieben Spielen ist er ungeschlagen. Worin sehen Sie die Gründe für die konstant guten Ergebnisse? Was macht die Mannschaft besser?

Füllkrug: Wir stehen als Team auf dem Platz und arbeiten sehr gut gegen den Ball. Die Defensivarbeit steht im Vordergrund, wir wollen so wenig Gegentore wie möglich kassieren. Das ist im Moment ein Erfolgsfaktor. Offensiv haben wir immer wenn einmal nicht mannschaftliche, dann individuelle Aktionen. Auf diese Qualität können wir uns verlassen. Bei uns kommt auch immer Qualität von der Bank. Im Moment passt das alles zusammen.

"Verteidigen besser als vorher"

bundesliga.de: Die Spiele des 1. FC Nürnberg haben einen hohen Unterhaltungswert. Die Mannschaft hat mit 33 nach Freiburg die meisten Tore geschossen, mit 26 aber auch nicht wenige kassiert. Ist dieses Spekatakel Zufall oder durch die Spielweise bewusst in Kauf genommen?

Füllkrug: Ich denke, dass wir eine attraktiv spielende Mannschaft sind. Das geschieht ein Stück weit bewusst so. Trotzdem wollen wir natürlich Gegentore verhindern. Daran können wir noch arbeiten. Wenn man die sechs Gegentore beim Spiel in Freiburg rausrechnet, ist das Torverhältnis ordentlich. Wir haben jetzt unsere Defensivaufgaben verinnerlicht und verteidigen als gesamte Mannschaft. Das klappt besser als vorher.

bundesliga.de: Am Anfang der Saison waren Sie noch der Joker, in den letzten fünf Spielen standen Sie immer in der Startelf. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer bisherigen Saison?

Füllkrug: In der letzten Saison habe ich jedes Spiel gemacht und war ganz klar Stammspieler bis ich mich verletzt habe. Nach dem Knorpelschaden dauerte es seine Zeit, um wieder reinzukommen. Ich bin davon ausgegangen, dass ich irgendwann auch wieder die Chance bekomme. Der Trainer hat sie mir dann gegeben, und ich habe sie genutzt. Ich versuche jetzt weiter dranzubleiben und Gas zu geben.

bundesliga.de: Was war Ihr persönliches Highlight der Hinrunde?

Füllkrug: Das war die aktuelle Serie der Mannschaft. So einen Lauf habe ich noch bei keiner Mannschaft erlebt. Wir sind momentan sehr schwer zu schlagen. Es wäre schön, wenn wir die Serie noch ausbauen könnten.

bundesliga.de: Die Menschen in Franken gelten als etwas zurückhaltender und skeptischer, wenn es um den Club geht. Wie nehmen Sie aktuell die Stimmung in der Stadt war? Glauben die Fans inzwischen, dass es eine gute Saison werden kann?

Füllkrug: Das ist schwer zu sagen. Wir spielen im Moment gut, wollen aber auch nicht überdrehen. Aber das ist noch kein Versprechen dafür, dass wir die ganze Saison oben mitspielen. In der 2. Bundesliga geht es ruckzuck nach oben und genauso wieder nach unten. Wir schauen auf uns. In Franken und in der Stadt ist es so, dass die Leute sich freuen, wenn wir Erfolg haben. Dann lässt es sich auch angenehmer arbeiten. Wir hoffen, dass wir das beibehalten können.

"Aufstieg ist für mich kein Thema"

bundesliga.de: Die Heimbilanz ist sehr gut. Der Club hat als einzige Mannschaft der 2. Bundesliga noch kein Spiel Heimspiel verloren.

Füllkrug: Das Grundig-Stadion ist unsere Festung, die auch nicht fallen soll. So treten wir auch auf. Es ist für jeden Gegner schwer, bei uns zu gewinnen.

bundesliga.de: Mittelfristig ist der Anspruch in Nürnberg sicherlich die Bundesliga. Wie sehen Sie dafür die Perspektive?

Füllkrug: Für den Verein ist die Perspektive gut, irgendwann wieder in der Bundesliga zu spielen. Wir müssen jetzt schauen, wie es mit dieser Mannschaft funktioniert. Es macht keinen Sinn, jetzt Worte darüber zu verlieren, weil die Tabelle nur eine Momentaufnahme ist. Als wir die ganze Zeit auf Platz 9 oder 8 standen, wollte auch keiner vom Aufstieg reden, obwohl wir da auch schon die selbe Qualität in der Mannschaft hatten. Deshalb ist es für mich kein Thema. Es wird sich erst am Ende der Saison entscheiden und zwei, drei Mannschaften geben, von denen man ausgehen kann, dass sie oben mitspielen. Wir wollen versuchen, dranzubleiben.

bundesliga.de: Der nächste Gegner, der SC Freiburg, ist neben Leipzig die Mannschaft, die sich bereits acht Punkte von Platz 4 absetzen konnte. Nach dem 3:6 im Hinspiel hat der Club noch eine Rechnung offen. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Füllkrug: Es wird ein interessantes Spiel. Wir hoffen, es Freiburg so schwer wie möglich zu machen. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, obwohl Freiburg eine sehr starke Mannschaft besitzt, die auch spielerisch in dieser Liga auffällt. Aber mit unserer Art und Weise, wie wir Fußball spielen, können wir es jedem Gegner schwer machen. Wir müssen läuferisch und kämpferisch so Gas geben, dass wir so wenig wie möglich zulassen und die Punkte hier behalten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski