Karlsruhe - Markus Kauczinski ist seit Montag neuer Trainer des abstiegsbedrohten Zweitligisten Karlsruher SC. Da der 41-Jährige kürzlich den Lehrgang zum Fußballlehrer erfolgreich absolviert hat, soll er keine Interimslösung auf dem Trainerstuhl sein. Vor dem richtungsweisenden Spiel gegen Union Berlin gibt Kauczinski Einblick in seine Vorstellungen.

Frage: Herr Kauczinski, Sie haben angekündigt, die Mannschaft in vielen kleinen Schritten nach vorne bringen zu wollen. Was heißt das im Trainingsalltag?

Markus Kauczinski: Wir haben die Spiele analysiert und gesehen, dass viele kleine Details fehlen, vom Stellungsspiel bis zum Zweikampfverhalten. Deshalb haben wir gesagt: Wir fangen mit den kleinen Dingen an, der nächste Schritt wäre dann, in der Vorbereitung auf Union Berlin ein Konzept zu entwickeln, wie wir dieses Spiel erfolgreich gestalten und so das Kleine in das Große einzubetten.

Frage: Wie ist ihr erster Eindruck von der Qualität der Mannschaft? Von den Namen her ist mancher Konkurrent doch schlechter besetzt, oder?

Kauczinski: Ich habe auch das Gefühl, dass wir nicht schlechter sind als sieben, acht andere Mannschaften. Aber es geht um die Feinheiten, darum, sich als Mannschaft zu präsentieren.

Frage: Wenn die individuelle Klasse da ist, als Team aber so desolat gespielt wird wie zuletzt, bedeutet das noch mehr Arbeit für den Trainer.

Kauczinski: Jeder Trainer hat auch andere Vorstellungen. Aber: Klar, wir machen schon ein bisschen Basisarbeit. Normalerweise hat man eine Vorbereitungszeit dafür, eine erste Elf zu finden. Das muss jetzt alles geballt passieren. Wir machen gerade extrem lange Trainingseinheiten, wohlwissend, wie wichtig es ist, nicht soviel in so kurzer Zeit an die Spieler heranzutragen, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.

Frage: Die individuelle Qualität ist also nicht das Hauptproblem?

Kauczinski: Daraus muss es möglich sein, eine Mannschaft zu machen. Man hatte aber nie den Eindruck, dass die Räder ineinander greifen.

Frage: Warum?

Kauczinski: Das muss der Verein genau analysieren, wo da die Knotenpunkte waren, das steht mir nicht zu.

Frage: Die Arbeit auf dem Platz...

Kauczinski: ...ist entscheidend, aber längst nicht alles. Wir haben zunächst einmal über die Einstellung zur Situation geredet. Wie über die Spieler und die Mannschaft gesprochen wird - das muss einen verletzen. Da muss man sich wehren, da muss man zeigen wollen, dass man es nicht verdient hat, dass so über einen gesprochen wird.

Frage: Am Anfang der Saison war die Defensive ein Torso, dort hapert es noch immer. Doch in den letzten Spielen war zudem auch keine spielerische Linie mehr zu erkennen. Ist es nicht schwierig, sich um all diese Baustellen gleichzeitig zu kümmern?

Kauczinski: Natürlich ist das nicht einfach. Zumal man auch kein Korsett hat, an dem man sich festhalten kann. Wir stellen gerade alles in Frage und versuchen, den Spielern ein Werkzeug an die Hand zu geben, das so gut zu ihnen passt, dass sie damit arbeiten können.

Frage: Der KSC ist bekannt für eine gute Nachwuchsarbeit. In den vergangenen Jahren wurden aber viele Toptalente abgeworben - nicht zuletzt von Hoffenheim.

Kauczinski: Ist das so?

Frage: Sagen Sie es uns.

Kauczinski: Wo spielen die meisten, die nach Hoffenheim und anderswohin gegangen sind? Generell ist es so: Man sieht in der B-Jugend schon, wer außergewöhnlich gut ist, aber viele, die körperlich weiter sind, stagnieren danach. Und es setzen sich die durch, die vielleicht nicht die Ausnahmetalente sind, die aber klar im Kopf sind. Wir haben schon genügend gute Talente, um jede Saison ein, zwei drei Jungs hochzuziehen. Aber das geht nur, wenn von oben runter vernünftig und kontinuierlich gearbeitet wird.

Frage: Ist das Nachwuchskonzept nicht auch eine Chance für den KSC?

Kauczinski: Das ist die einzige Chance. Die Leute identifizieren sich doch: Es kommen nach wie vor weit über 10.000 Leute zu den Spielen, auswärts haben wir oft ein Heimspiel. Es wäre toll, wenn die Leute das Gefühl bekämen: Hier wird vernünftig gearbeitet. Schauen Sie sich Greuther Fürth an: Die sind nie durchgedreht und haben ihren Weg durchgezogen und jetzt zahlt es sich aus.

Frage: Haben Sie eigentlich gezögert, den Job anzunehmen?

Kauczinski: Nein, aber ich habe mir Gedanken gemacht. Ich habe nicht gezögert, auch weil ich schon lange beim Verein bin und seit elf Jahren in Karlsruhe lebe.

Frage: Da haben Sie ja schon einige Präsidenten, Manager und Cheftrainer kommen und gehen sehen.

Kauczinski: Eben, und deswegen gilt meine Loyalität nicht einem speziellen Funktionär, sondern dem Club. Zumal mir alle Verantwortlichen immer die Möglichkeit gegeben haben, mich zu entwickeln und fortzubilden. Es soll jetzt nicht pathetisch klingen. Aber ich will etwas zurückgeben. Oder mich zumindest nicht aus dem Staub machen, wenn etwas von mir erwartet wird.

Frage: Zumal man es nicht Ihnen ankreiden wird, wenn Sie in den paar Wochen nicht den Umschwung schaffen.

Kauczinski: Aber so ticke ich nicht, ich versuche positiv zu denken. Ich kann nicht sagen: Ich hole die Punkte, aber ich habe das Gefühl, dass man Voraussetzungen schaffen kann, dass etwas zu holen ist. Aber ich bin kein Zauberer.

Frage: Wie meinen Sie das?

Kauczinski: Es gab früher schon mal Situationen, an denen ich das Gefühl hatte: Mit ein, zwei Umstellungen ist das zu lösen. Jetzt ist das ein Stück weit anders: Das hier ist nicht mit einem Fingerschnipsen zu lösen - aber wir sind mit Feuereifer dabei, Lösungen zu suchen, zu finden und diese umzusetzen.

Das Gespräch führte Christoph Ruf