Letztes Jahr um diese Zeit war Raphael Schäfer ganz oben angekommen. Mit dem 1. FC Nürnberg hatte er gerade den DFB-Pokal gewonnen und in der Bundesliga am Ende den 6. Platz erreicht.

Zusammen mit Schalke 04 stellte der "Club" mit nur 32 Gegentreffern die beste Abwehr der Liga und in der neuen Saison würde der Torhüter mit dem Deutschen Meister VfB Stuttgart in der Champions League spielen. Sehr viel besser ging es nicht.

Vom VfB freigestellt

Heute, ein Jahr später, sieht alles ganz anders aus. Der "Club" ist aus der Bundesliga abgestiegen und muss in der 2. Bundesliga wieder von vorne anfangen. Genau wie Schäfer.

Die Saison war für den Schlussmann anders verlaufen als geplant. Nach dem 18. Spieltag wurde er wegen mehrerer Patzer vom 19-jährigen Sven Ulreich als Stammtorhüter abgelöst und musste auf der Bank Platz nehmen. Erst am 29. Spieltag kehrte Schäfer wieder ins Tor zurück, war bei den Fans aber bereits in Ungnade gefallen.

Vor dem letzten Spieltag boten ihm Trainer Armin Veh und Manager Horst Heldt an, bis Saisonende freigestellt zu werden, um ihn vor dem Unmut der VfB-Anhänger zu schützen. Der 29-Jährige willigte ein und überließ erneut dem jungen Ulreich den Posten.

Lehmann-Transfer gibt Klarheit

Trotz der für ihn durchwachsenen Saison dachte Schäfer zuerst nicht an einen Wechsel: "Ich habe noch einen Vertrag bis 2011, dementsprechend werde ich am 28. Juni zum Trainingsauftakt erscheinen und um meine Chance kämpfen", erklärte er nach Saisonende.

Doch spätestens mit dem Transfer von Nationaltorhüter Jens Lehmann zum Deutschen Meister von 2007 wurde auch Schäfer klar, dass seine Tage als Nummer eins beim VfB wohl gezählt sind.

Zurück zum "Club"

Klar, dass der Blick sofort nach Nürnberg ging, zu dem Verein, in dem Schäfer seine bislang beste Leistung abgeliefert hatte. Auch die Franken waren auf der Suche nach einem neuen Stammtorwart, da Jaromir Blazek nach einer ebenfalls durchwachsenen Spielzeit wieder in seine Heimat zu Sparta Prag gewechselt war.

So war "Club"-Manager Martin Bader auch gleich zur Stelle, als der VfB den Vertrag mit dem ehemaligen Nürnberger aufgelöst hatte. Nur drei Wochen nach Lehmanns beschlossener Rückkehr in die Bundesliga war es fix: Schäfer, der "verlorene Sohn", wechselt zurück zum FCN.

Aufstieg und Pokal-Sieg

"Als die Anfrage vom 'Club' kam, war für mich ganz klar: zum 1. FCN gibt es keine Alternative", erklärte Schäfer seine Unterschrift bei den Franken.

In Nürnberg hatte der in Kandrzin-Cosel in Polen geborene Torwart mit deutscher Staatsangehörigkeit 2003/04 seinen Durchbruch geschafft. Auch damals spielten die "Schwarz-Roten" in der 2. Bundesliga und schafften, auch Dank eines hervorragend haltenden Schäfers, die Rückkehr in die Bundesliga. Drei Jahre später folgte mit dem Gewinn des DFB-Pokals der erste Triumph seit der Deutschen Meisterschaft 1968.

Kern der Mannschaft ist geblieben

Damit der Abstieg des Clubs tatsächlich ein "Betriebsunfall" bleibt, wie Schäfer sagt, gibt es auch in dieser Saison nur ein Ziel: Wiederaufstieg! Und die Chancen darauf stehen nicht schlecht. Mit Stürmer Jan Koller und den beiden Mittelfeldspielern Tomas Galasek und Zvjezdan Misimovic mussten die FCN-Verantwortlichen bislang nur drei Leistungsträger ziehen lassen.

Der Kern der Mannschaft ist aber geblieben. Publikumsliebling Javier Pinola, Innenverteidiger Andreas Wolf und Angreifer Robert Vittek haben sich zum FCN bekannt. Auch die Mittelfeldspieler Marco Engelhardt, Peer Kluge und Marek Mintal haben teilweise sportlich bessere Angebote ausgeschlagen und bleiben - Nürnberg ist der Top-Favorit auf den Aufstieg in die Bundesliga.

Sollte auch Schäfer beim "Club" wieder zu alter Stärke zurückfinden, stehen die Chancen für einen erfolgreichen Neuanfang im Frankenland sehr gut. Für beide.

Gregor Nentwig