Köln - Eigentlich wollte Nando Rafael beim VfL Bochum nur mittrainieren, um fit zu bleiben. Dann überzeugte der Trainingsgast die Verantwortlichen. Nach zuletzt zwei Jahren in China unterschrieb der 31-Jährige, der bereits für Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach, den FC Augsburg und Fortuna Düsseldorf stürmte, einen Vertrag bis 2016. Im Interview mit bundesliga.de spricht Nando Rafael über Zeit in China, den kuriosen Wechsel nach Bochum und seine Ziele.

bundesliga.de: Nando Rafael, nach zwei Jahren in China bei Henan Jianye sind Sie wieder zurück in Deutschland und beim VfL Bochum unter Vertrag. Was habe Sie aus Ihrer Zeit in China mitgenommen?

Nando Rafael: Sportlich war es eine erfolgreiche Zeit. Ich war erst ein halbes Jahr bei einem Zweitligisten. Wir wollten aufsteigen und haben das auch geschafft. Im zweiten Jahr haben wir den Klassenerhalt geschafft. Für mich ist alles so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war eine gute Erfahrung.

bundesliga.de: Jetzt spielen Sie für den VfL Bochum. Wie kam der Kontakt zu Stande?

Rafael: Ich hatte nach dem Engagement in China lange ohne Ball trainiert und wollte wieder mit der Kugel arbeiten. Dann hat mein Berater Kontakt zu Christian Hochstätter aufgenommen und angefragt, ob ich beim VfL mittrainieren könnte. Ich habe ein Haus in Holland, meine Familie lebt da. Da war es machbar, eine Woche beim VfL zu trainieren.

 "Verbeek hat einen Plan"

bundesliga.de: Sie haben einen guten Eindruck hinterlassen. Aus der einen Woche wurde mehr. Sie haben einen Vertrag beim VfL unterschrieben. Wie haben Sie Trainer Gertjan Verbeek erlebt?

Rafael: Er ist ein Trainer mit einem Plan, der in der kommenden Saison hoffentlich gut funktionieren wird. Wir trainieren sehr ordentlich und sind alle fit.

bundesliga.de: Wie sieht der Plan aus?

Rafael: Wir trainieren etwas anders. In Deutschland war ich es gewohnt, dass viele Dauerläufe auf dem Trainingsplan standen. Wir laufen auch viel, aber mit Ball. Und wir machen viel Krafttraining, für die Explosivität.

bundesliga.de: Beim VfL Bochum erzielte Simon Terodde in der letzten Saison 16 Tore und dürfte im Angriff gesetzt sein. Wie läuft das Zusammenspiel mit ihm bereits?

Rafael: Wir haben im Training noch gar nicht so viel zusammengespielt. Aber das werden wir sicher noch tun.

bundesliga.de: Im letzten Jahr hat der VfL die meisten Tore in der 2. Bundesliga geschossen. Wie sehr kommt Ihnen diese offensive Spielweise zugute?

Rafael: Das finde ich super. Das ist ein Pluspunkt. Wenn eine Mannschaft immer offensiv spielt, kommt das einem Stürmer natürlich entgegen.

 "Wir wollen uns in der Tabelle verbessern"

bundesliga.de: Im Kader des VfL Bochum herrschte eine größere Fluktuation. Sieben Neue kamen, zehn Spieler gingen. Wie gut funktioniert das Zusammenspiel der neuen Truppe bereits? Oder ist die Findungsphase noch nicht abgeschlossen?

Rafael: Wir brauchen sicher noch etwas Zeit, um uns noch besser zu finden. Wir Neuen wurden von der Mannschaft gut aufgenommen. Hier hat keiner das Gefühl, dass er ein Außenseiter ist. Einige Spieler kannte ich noch von früheren Begegnungen, als sie noch meine Gegenspieler waren. Der VfL ist ein Kultverein, bei dem man sich schnell wohl fühlt.

bundesliga.de: Die letzte Saison schloss der VfL Bochum auf Platz 11 ab. Das ist sicher nicht der Anspruch, den der Club hat. Mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Saison?

Rafael: Generell wollen wir uns in der Tabelle verbessern. Hilfreich dabei wäre, dass wir gut aus den Startlöchern kommen. Danach – klingt nach Floskel, ist aber keine – denken wir von Spiel zu Spiel und hoffen, dass wir in der Tabelle etwas höher klettern können.

bundesliga.de: Sie sprechen das Auftaktprogramm an. Der VfL startet beim Absteiger SC Paderborn und empfängt dann im Revierderby den MSV Duisburg. Wie ordnen Sie die Startgegner ein?

Rafael: Wir werden dann direkt sehen, wie gut unsere Vorbereitung war. Im letzten Vorbereitungsspiel treffen wir vorher noch auf Borussia Dortmund. Das ist ein Superprogramm, auf das wir uns alle sehr freuen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski