Nürnberg - Mit dem Ergebnis des 258. Derbys zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth können beide Mannschaften leben. Beide Teams nehmen dabei ähnliche Probleme mit in die Winterpause: Die defensive Stabilität stimmt, doch im Spiel nach vorne ist Luft nach oben.

Auch aus Sicht der Polizei dürfte das Derby zwischen Nürnberg und Fürth eines der erfreulicheren gewesen sein: Die Fantrennung klappte nahezu perfekt, größere Zwischenfälle blieben aus. Auch auf den Rängen blieben die wechselseitigen Provokationen im Rahmen, nach dem Spiel gab es in manchen Restaurants auch Tische, an denen rot-schwarze und grün-weiße Anhänger gemeinsam ihr Bier tranken und zu Abend aßen.

Verdientes Ergebnis

Ein paar Stunden zuvor war das Spiel mit einem gerechten 0:0 zu Ende gegangen. Aus Sicht der Fürther, die zuletzt einen kleinen Durchhänger hatten und nun schon seit 456 Minuten ohne eigenen Torerfolg sind, war das ein erfreuliches Ergebnis, aus Sicht der Nürnberger eines, mit dem man gut leben konnte. Seit René Weiler das Zepter schwingt, gelangen vier Siege und zwei Remis. Und angesichts der zuletzt niederschmetternden Derbybilanz war mancher Clubfan nach dem Schlusspfiff sogar regelrecht erleichtert.

Zumal auch keiner der 22 Spieler behauptete, dass dieses Spiel unbedingt einen Sieger verdient gehabt hätte. Fürth Innenverteidiger Benedikt Röcker fand, dass das Remis "unter diesen Umständen das bestmögliche Ergebnis" sei. Was er meinte: Es ist nicht auszuschließen, dass die Grün-Weißen, die im ersten Durchgang unterlegen waren, das Spiel noch zu ihren Gunsten hätten gestalten können, wenn sie die Partie zu elft zu Ende gebracht hätten.

Doch in der 52. Minute sah Stephan Schröck die gelb-rote Karte. Dass das Eigengewächs, das in Derbys immer besonders motiviert zu sein scheint, seiner Elf damit einen Bärendienst erwies, wollte Trainer Frank Kramer zwar so nicht feststellen, aber: "Wenn man gelbbelastet ist und dann 70 Meter vom eigenen Tor entfernt so hingeht, ist das natürlich nicht sehr clever. Aber das weiß Schröcki auch selbst."

Platzverweis beflügelt Fürther

Doch merkwürdigerweise schien der Platzverweis eher die Fürther als die Nürnberger zu beflügeln. Die Platzherren, die den ersten Durchgang klar dominiert hatten und durch Jakub Sylvestr (9.) und den ehemaligen Fürther Niclas Füllkrug (30.) gute Möglichkeiten hatten, mussten am Ende froh sein, dass es beim 0:0 blieb.

"Der Platzverweis", fand dann auch Fürths Manager Michael Mutzel, "hat bei uns ein bisschen etwas gelöst. Mit Glück hätten wir vielleicht noch gewonnen." Mutzel und Kramer kündigten an, dass sie in den kommenden Tagen und Wochen intensiv über die nähere Zukunft des Kleeblatts diskutieren werden. Die Stabilität in der Defensive habe zuletzt gestimmt, so Kramer, "vorne hakt es, das lässt sich nicht bestreiten." Auch ein Winter-Transfer für die Offensive scheint nicht ausgeschlossen, "aber das ist kein Thema, das wir jetzt öffentlich erörtern wollen", so Mutzel.

Gut gelaunt präsentierte sich derweil FCN-Trainer René Weiler, der nach dem 0:0 schnell zur Tagesordnung überging: "Wir hatten nach der Roten Karte keine Torchancen mehr und brachten nichts mehr zustande." Man habe "beiden Mannschaften gemerkt, dass gegen Ende der Hinrunde die Körner weniger werden", so Weiler. "Für die vielen Zuschauer war das Spiel wenig unterhaltsam, denn Chancen gab es kaum."

Selbstkritische Nürnberger

Überhaupt war es überraschend zu sehen, wie selbstkritisch die Nürnberger mit ihrer Leistung umgingen - schließlich war selbst im Derby der spielerische und taktische Aufwärtstrend unverkennbar. Niclas Füllkrug ("nach den ersten 20-30 Minuten hat uns die Kreativität nach vorne gefehlt") sieht das offenbar genauso: "wir haben zuletzt richtig gute Ansätze gezeigt und haben jetzt in der Wintervorbereitung die Chance, das System des Trainers richtig gut umzusetzen."

In der Tat dürfte die Balance zwischen Offensive und Defensive die entscheidende Baustelle sein, an der René Weiler mit seiner Mannschaft in der Vorbereitung arbeiten muss. Im Grunde genommen haben Fürther und Nürnberger insofern weit mehr gemein als ihnen lieb ist. Rein sportlich gesehen, natürlich.

Christoph Ruf