Zusammenfassung

  • Sebastian Neumann will sich beim MSV Duisburg in der Innenverteidigung durchsetzen

  • Die Karriere des 27-Jährigen schien vor knapp vier Jahren plötzlich zu Ende zu sein

  • Mit einem implantierten Defibrillator kann Neumann wieder Fußball spielen

Duisburg - Am Montag, 20.30 Uhr, startet der MSV Duisburg in die neue Saison. Wie schon im letzten Jahr geht es zum Auftakt zu Dynamo Dresden. Ein besonderes Spiel also, denn nachdem es 2017 noch eine 0:1-Niederlage für die Zebras gab, wollen sie diesmal unbedingt punkten. Ein besonderes Spiel könnte es auch für Duisburgs Sebastian Neumann werden. Der MSV-Neuzugang hat seit drei Jahren einen Defibrillator implantiert. Er ist aktuell der einzige Profi in Deutschland, der mit so einem Gerät spielt.

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Sebastian Neumann ist 27 Jahre alt. Seine Profikarriere begann der gebürtige Berliner 2010 in seiner Heimat, als er für Hertha BSC, wo er gerade aus der Jugend gekommen war, erstmals in der 2. Bundesliga zum Einsatz kam. Ein Traum sollte Wirklichkeit werden: Neumann stieg mit der Alten Dame auf, bekam sogar Einsatzzeit in der Bundesliga, die Karriere kam ins Rollen. Sein Weg führte den Innenverteidiger in die 3. Liga, wo er sich beim VfL Osnabrück zum Stammspieler entwickelte.

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Schock nach einer Routineuntersuchung

Seine nächste Station sollte der VfR Aalen sein. Er wollte wieder in der 2. Bundesliga spielen. Wegen einer Knieverletzung musste Neumann zunächst pausieren. Doch die Pause sollte länger dauern. Während einer Routineuntersuchung im November 2014 wurden Herzprobleme festgestellt. Eine genaue Diagnose wenig später ergab: Der damals 23-Jährige leidet an einer Herzmuskelerkrankung. Plötzlich war nichts mehr wie es war, das Leben als Fußball-Profi schien schlagartig zu Ende. An Sport war nicht mehr zu denken, denn der Innenverteidiger hätte jederzeit an einem plötzlichen Herztod sterben können.

Sebsatian Neumann (3.v.r.) wird nach seinem Comeback von den Fans des VfR Aalen gefeiert
Sebsatian Neumann (3.v.r.) wird nach seinem Comeback von den Fans des VfR Aalen gefeiert © gettyimages / Eibner

Doch aufgeben war für den einstigen U-Nationalspieler keine Option. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er einmal, dass er ein "enorm ehrgeiziger Mensch" sei. Er wollte unbedingt, dass sein damals noch ungeborener Sohn ihn einmal Fußball spielen sehen sollte. Er war nicht der einzige, der ihm Hoffnung gab. Nachdem er einen TV-Beitrag über Daniel Engelbrecht gesehen hatte, schöpfte er neuen Mut. Engelbrecht spielte damals für die Stuttgarter Kickers - mit Defibrillator. Der Angreifer hatte 2013 auf dem Platz einen Herzstillstand erlitten, wurde in der Folge wegen einer Herzmuskelentzündung behandelt und konnte seine Karriere später fortsetzen.

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Stromstoß soll das Leben retten

Auch Neumann entschloss sich, sich einen Defibrillator implantieren zu lassen. Im Januar 2015 unterzog er sich der Operation. Er wollte unbedingt wieder auf dem Platz stehen und gegen den Ball treten. Es ist ein kleines Gerät, das in die Brust eingesetzt wird und dem Herzen einen Stromstoß verpassen soll, wenn es unregelmäßig schlägt und droht auszufallen. Eine Garantie dafür, dass ihm der "Defi" im Notfall wirklich das Leben retten kann, gab und gibt es allerdings nicht.

Als Kapitän der Würzburger Kickers hat Sebastian Neumann (r.) immer vollen Einsatz gezeigt
Als Kapitän der Würzburger Kickers hat Sebastian Neumann (r.) immer vollen Einsatz gezeigt © gettyimages / Deniz Calagan

Doch daran will der Fußballer nicht denken. Er ist glücklich, dass er seinen Traum weiterleben kann. Vom Defibrillator spricht er nicht gerne. Für ihn ist es sein "Schutzengel", der ihm bislang gute Dienste erwiesen hat. Neumann hat sich zurückgekämpft. Im August 2015 gab er sein Comeback. Ein Kreis schien sich zu schließen, als er in der 3. Liga für Aalen gegen Osnabrück auflief. "Ich bin sehr glücklich", schrieb er nach dem Spiel bei Facebook. "Es war ein tolles Gefühl endlich wieder auf dem Platz stehen zu können."

Vorschusslorbeeren von der sportlichen Leitung

Jetzt will Neumann mit dem MSV Duisburg in der 2. Bundesliga angreifen. Im Sommer ist er von den Würzburger Kickers gekommen, wo er als Kapitän ein absoluter Führungsspieler war. Bei den Zebras soll er helfen, die in der letzten Saison mit 56 Gegentoren löchrigste Abwehr der Liga, zu stabilisieren. "Er war in der vergangenen Saison der vielleicht beste Innenverteidiger der 3. Liga", gibt es Vorschusslorbeeren für den 29-Jährigen. Auf denen wird sich der Neuzugang ganz sicher nicht ausruhen in der dieser Saison. Denn eines ist klar: Neumann ist ein Kämpfer.

Kristina Jäger

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