München - Die 2. Bundesliga steht kurz vor ihrer 39. Saison. Mit 434 Spielen ist Benno Möhlmann der Rekordtrainer der Liga - und aktuell auch Coach des Überraschungs-Vierten FSV Frankfurt. Im Interview mit bundesliga.de spricht er von den Entwicklungen der Liga, den Chancen des FSV und seinem persönlichen Glücksmoment in 37 Jahren im Profigeschäft.

bundesliga.de: Herr Möhlmann, ihre erste Saisonvorbereitung als Profi war 1974 für Preußen Münster in der zweiten Liga Nord. Das war auch die erste Saison einer professionelle zweiten Liga. Was sind die größten Veränderungen zu heute?

Benno Möhlmann: Das kann man gar nicht mehr miteinander vergleichen. Heute ist der Fußball in allen Bereichen professioneller geworden. Auch in der 2. Bundesliga. Das fängt beim Training an und hört bei der medialen Aufmerksamkeit noch lange nicht auf. Die Anforderungen, die Leistungsorientierung und die Leistungsdichte sind insgesamt viel größer geworden.

bundesliga.de: Was waren die wichtigsten Schritte auf dem Weg dorthin?

Möhlmann: Eine sportliche Konzentration kam durch die Zusammenfassung in eine einheitliche zweite Liga und die schrittweise Reduzierung auf 18 Vereine in den 90ern zu Stande. Aber auch der Einstieg des damaligen DSF (heute Sport1, d. Red.<) in eine ausführliche Berichterstattung über die Liga im Fernsehen hat einen deutlichen Schub gegeben. Das Montagsspiel hat ja inzwischen seine eigene Tradition. Mit der Gründung der DFL sind die Ansprüche an die Vereine dann noch mal gestiegen.

bundesliga.de: Wie hat sich das auf das Niveau der Liga ausgewirkt?

Möhlmann: Die ganze Infrastruktur ist besser geworden. Ein wichtiges Beispiel sind die Nachwuchsleistungszentren, die inzwischen zum Standard gehören. Außerdem hat sich die 2. Bundesliga mit einem eigenen Fußballstil profiliert, der nach wie vor kämpferisch ist, aber sich auch taktisch klar verbessert hat. Das macht es manchem Absteiger auch schwer, in der Liga anzukommen.

bundesliga.de: Sehen Sie denn eine Annäherung der Spielstärken der beiden höchsten Profiligen?

Möhlmann: In den letzten Jahren ist der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Liga eher wieder größer geworden. Das hat natürlich mit den unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten zu tun. Die internationale Vermarktung ist für die 2. Bundesliga trotz vieler Traditionsvereine nicht möglich. Für einen Absteiger ist es immens wichtig, direkt wieder aufzusteigen. Sonst müssen im Verein gleich ganze Strukturen verändert werden. Wenn das dann nicht gelingt, kann auch ein Traditionsclub schnell tief fallen.

bundesliga.de: Die Liga hat inzwischen eine ganze Reihe von Traditionsvereinen zu bieten...

Möhlmann: Für uns ist das eine tolle Situation. Wir wollen mit dem FSV als Underdog bestehen. Es macht großen Spaß, in Stadien wie dem Betzenberg oder auf St. Pauli zu spielen. Das ist für uns eine zusätzliche Motivation.

bundesliga.de: Blicken wir auf die kommende Saison. Was ist der Unterschied zum letzten Jahr?

Möhlmann: Die Liga ist ausgeglichener. Die Aufsteiger Bielefeld und Karlsruhe können sich nahtlos einbringen und eine gute Rolle spielen. Dafür sind die Absteiger Fürth und Düsseldorf keine automatischen Aufstiegsfavoriten.

bundesliga.de: Welche Mannschaften könnten das sein?

Möhlmann: Da sind natürlich Kaiserslautern und Köln zu nennen, aber es gibt viele ambitionierte Mannschaften. Dazu gehören für mich Cottbus, 1860, Ingolstadt, St. Pauli und auch Union Berlin. Die Absteiger haben aber auch ihre Möglichkeiten. Die wollen da alle mitmischen.

bundesliga.de: Wie stehen die Chancen Ihres Teams? Immerhin hat der FSV die letzte Saison mit dem 4. Platz abgeschlossen.

Möhlmann: Diese Leistung war außergewöhnlich. Das kann nicht automatisch wiederholt werden. Unser Ziel ist es, den Klassenerhalt so früh wie möglich zu erreichen und uns im gesicherten Mittelfeld zu etablieren.

bundesliga.de: Wie wollen Sie das schaffen? Die finanziellen Möglichkeiten sind weiterhin gering.

Möhlmann: Die letzte Saison war für unsere Planungen sehr hilfreich. Wir konnten endlich frühzeitig auf das nächste Jahr blicken. Wir haben viele Stammspieler gehalten und haben einige junge Spieler, die wir weiterentwickeln wollen. Im sportlichen Bereich sind wir auf dem besten Weg.

bundesliga.de: Wo sehen Sie den FSV insgesamt? Beispielsweise im Vergleich mit Ihrer Tätigkeit bei der Spielvereinigung Greuther Fürth?

Möhlmann: Es erinnert mich an meine erste Fürther Zeit von 1997 bis 2000. Damals sind wir Schritt für Schritt vorangekommen. Das möchte ich auch mit dem FSV erreichen. Ich merke, dass sich hier eine Menge tut. An den entscheidenden Positionen arbeiten Leute mit viel Leidenschaft und Sachverstand für den Verein.

bundesliga.de: Haben Sie als Zweitliga-Rekordcoach einen speziellen Glücksmoment, den Sie mit der Liga verbinden?

Möhlmann: Ich war über den 4. Platz im letzten Jahr schon sehr froh. Sonst hätte es mit Blick auf meine Platzierungen mit Fürth geheißen, der Möhlmann kann nicht besser als Fünfter werden. Dass mir diese Schlagzeilen erspart geblieben sind, hat mich doch sehr erleichtert.

Das Gespräch führte Alexander Dionisius