Zwei Siege zum Auftakt der Rückrunde: Damit hat der FSV Frankfurt schon jetzt die "Dreier"-Ausbeute aus der Hinrunde egalisiert. Dennoch wartet viel Arbeit auf den Aufsteiger, wollen die Hessen auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga spielen.

Dass dies der Fall sein wird, bezweifelt Team-Chef Tomas Oral keinesfalls. Im Interview mit bundesliga.de analysiert der Mann, der den FSV in die 2. Bundesliga geführt hat, die Hinrunde der Frankfurter. Weiterhin spricht Oral über die veränderte Rollenverteilung im Trainerstab seit Saisonbeginn und das schwere Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth.

bundesliga.de: Herr Oral, herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Rückrundenstart. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit des Fußballjahres 2009 aus?

Tomas Oral: Super natürlich. Mit zwei Siegen zu starten, war keine Selbstverständlichkeit in unserer Situation. Die Mannschaft hat sich sehr stark präsentiert und jetzt müssen wir das, was wir in der Hinrunde an Boden verloren haben, schleunigst aufholen.

bundesliga.de: Vor allem die Offensive wirkt wie ausgewechselt. Sieben Tore in zwei Spielen - zuvor brauchte Ihr Team elf Spiele, um sieben Tore zu erzielen. Wo haben Sie in der Winterpause den Hebel angesetzt?

Oral: Man muss die Umstände beim FSV berücksichtigen. Zwischen dem 1. und dem 10. Spieltag haben wir fünf, sechs neue Spieler dazubekommen, die sich erst einmal in die Mannschaft integrieren mussten. Die sind zu uns gekommen, ohne die Vorbereitung mitgemacht zu haben. In der 2. Bundesliga ist es unheimlich schwer, Spieler einfach so aus dem Nichts in ein Mannschaftsgefüge einzubinden. Das war also ein laufender Prozess. Dennoch haben wir versucht, so viele Punkte wie möglich vor dem Winter zu holen. Wir haben gemerkt, dass es an einigen Dingen noch gemangelt hat. Wir konnten uns im Sommer nicht ausreichend auf die 2. Bundesliga vorbereiten, da wir erst sehr spät aufgestiegen sind. In der Winterpause lief das ganz anders. Alle Spieler der Hinrunde waren an Bord. Youssef Mohktari und Alexander Klitzpera sind mittlerweile auch fester Bestandteil des Teams. Wir haben mit Ledesma und Blizniuk zwei sehr gute Fußballer dazu geholt, die unsere Qualität erhöhen. Dann muss es natürlich etwas glücklich laufen. Und wenn man dann mit zwei Siegen startet, hilft das dem Selbstvertrauen ungemein.

bundesliga.de: Der FSV hat mit einer einmaligen Aktion für Aufsehen gesorgt. "Erst gucken, dann zahlen" ist das Motto. Erzählen Sie doch kurz etwas mehr darüber und wie die Aktion von den Fans angenommen wurde?

Oral: Da weiß unser Management sicher mehr drüber. Ich denke aber, es war eine einmalige Sache. Wir brauchen ja auch Zuschauereinnahmen. Und wenn die Mannschaft sich weiterhin so präsentiert, dann dürfte es auch keine Probleme geben, mehr Zuschauer zu unseren Spielen zu locken. Die Mannschaft hat es sich absolut verdient, vor vielen Fans zu spielen. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren sprechen die Statistiken des Teams für sich.

bundesliga.de: Sie sind 2000 als Spieler zum FSV Frankfurt gekommen, haben später die zweite Mannschaft trainiert und schließlich mit der ersten Mannschaft den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht. Ist der FSV für Sie ein absoluter Glücksfall?

Oral: Auf der einen Seite ist der FSV ein absoluter Glücksfall für mich, keine Frage. Aber auf der anderen Seite habe ich - vor allem in den vergangenen zwei Jahren - ja eine Menge an den Verein zurückgeben können. Wir sind mittlerweile eine sehr große Familie. Dennoch wissen wir, worum es diesem Geschäft geht. Es ist ein kurzlebiges Geschäft. Doch wir machen es wie schon in den vergangenen Jahren und gehen unsere Aufgaben mit viel Ruhe, Geduld und Vernunft an.

bundesliga.de: Sie bilden ein für den deutschen Profifußball eher ungewöhnliches Trainergespann mit Ramon Berndroth. Da Sie über keine Trainerlizenz verfügen, kam Berndroth im Sommer zum FSV. Wie genau sieht die Aufgabenverteilung bei Ihnen aus und wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Oral: Das war eine schwierige Situation. Da ich in den vergangenen Jahren alles allein gemacht habe, aber keine Fußball-Lehrer-Lizenz besitze, mussten wir für die 2. Bundesliga ein bisschen umstrukturieren. Wie bereits erwähnt, hatten wir in der Vorbereitung aber nur ganz wenig Zeit. Dennoch mussten wir einen neuen Mann installieren. Ich musste lernen, Aufgaben abzugeben. Ich musste lernen, auch einem Trainer den Vorzug zu geben und aus einer anderen Perspektive auf die Dinge zu schauen.

bundesliga.de: Von den 17 Spielen der Hinserie gewann der FSV insgesamt nur zwei. Wie wichtig war und ist es für Sie, trotz dieser harten Lehrmonate ruhig weiterarbeiten zu können?

Oral: Ich bin ja in dieser Saison in einer anderen Funktion. Ich bin ja kein Trainer, sondern fungiere nunmehr als Team-Chef. Das umfasst das komplette Trainerteam. Wir besprechen uns täglich. Das war natürlich eine schwierige Aufgabe und eine ganz neue Konstellation. Die Mannschaft hat anfänglich nicht so erfolgreich gespielt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Dennoch haben wir auch in einer schwachen Periode sehr gute Spiele absolviert, zum Beispiel in Augsburg, Nürnberg und Duisburg. Das hat uns Kraft gegeben, in der Winterpause Fehler zu korrigieren, die wir gemacht haben.

bundesliga.de: Jetzt wartet ein weiteres schweres Auswärtsspiel. Greuther Fürth ist ebenfalls mit sechs Punkten ins neue Jahr gestartet. Im Hinspiel gab es ein Remis. Wie bereiten Sie Ihre Elf auf die Partie vor?

Oral: Ich finde, dass Greuther Fürth bis jetzt eine sensationelle Saison spielt. Man hatte die Mannschaft sicher auf der Rechnung, aber keiner hat wirklich damit gerechnet, dass das Team so gut spielen würde. Die haben in der vergangenen Woche in St. Pauli eine bärenstarke Leistung abgerufen und auch in der Woche davor gegen Ingolstadt triumphiert. Das wird eine sehr schwere Aufgabe. Wir wissen, dass wir eine hohe Hürde in Fürth zu überwinden haben. Aber wir werden uns nicht kampflos aufgeben.

bundesliga.de: Warum wird der FSV Frankfurt auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga zuhause sein?

Oral: Weil ich einfach felsenfest davon überzeugt bin, dass die Mannschaft und das Trainerteam die Qualität dazu haben und wir auch in den nächsten Jahren so vernünftig arbeiten werden, dass wir uns von nichts und niemandem aus der Bahn werfen lassen werden.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz