Fürth - Machtwechsel - darauf hofft die SpVgg Greuther Fürth sehnlichst. Darauf, die in Fußball-Franken seit knapp neun Jahrzehnten währende Vorherrschaft des gerade erst zum achten Mal aus der Bundesliga abgestiegenen Rivalen 1. FC Nürnberg endlich zu durchbrechen. Und darauf, in den anstehenden Relegationsduellen mit dem Hamburger SV das bessere Ende für sich verbuchen zu können.

Vor dem 34. Spieltag am vergangenen Samstag, vor dem 2:0 über den SV Sandhausen (Spielbericht), das letztlich doch nicht zum direkten Aufstieg ins Oberhaus reichte, weil sich der SC Paderborn gegen den VfR Aalen keine Blöße gab, war Ilir Azemi noch in die Rolle des großen Motivators geschlüpft. Der Stürmer hatte versucht, sich und den Kollegen den letzten Kick zu geben. Und so zierte seinen Spind ein Zettel mit den Logos von Fürth und Nürnberg, "verziert" mit dem Wort Machtwechsel. Das, so der Top-Torjäger seines Teams, sollte aber bitte nicht als Provokation in Richtung jenseits der Stadtgrenze gewertet werden, sondern Ansporn sein, den Kräfteverhältnissen in der Region möglicherweise eine Wende geben zu können.

Vorfreude ist groß

Um nach der dritten und bislang letzten Deutschen Meisterschaft von 1929 endlich wieder am einst ruhmreichen, mit 13 Titeln dekorierten "Club"(darunter vier Pokalsiege) vorbeiziehen zu können, bleibt beim Kleeblatt alles beim Alten. Vor der ersten Partie beim HSV am Donnerstag (ab 20 Uhr im Live-Ticker) hat Trainer Frank Kramer - wie üblich - die letzten beiden Einheiten zur geheimen Kommandosache erklärt.

"Wieso sollten wir an den Abläufen etwas ändern?", fragte denn auch der Sportliche Leiter Rouven Schröder. Das ist auch ganz nach dem Geschmack der Spieler. Auch, wenn sich ein Leitwolf wie Stephan Fürstner lieber mit dem FCN gemessen hätte. Das es nicht zum Wunschduell kommt, kann der Sechser dennoch verschmerzen. "Enttäuscht bin ich überhaupt nicht", lachte der Mittelfeldspieler. "Der HSV ist ein großer Club mit enormer Tradition und einem riesigen Umfeld. Ich freue mich auf Donnerstagabend."

"Wollen mutig auftreten"

Dass die SpVgg gegen den Bundesliga-Dino nichts zu verlieren hätten, wollen die Spieler so aber nicht stehen lassen. "Es ist zwar eine Floskel", sagte Zoltan Stieber, mit neun Treffern und zehn Vorbereitungen vereinsinterner Topscorer , "aber die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz." Kämpferischer Zusatz: "Wir können in diesen beiden Spielen sehr viel gewinnen."

Gerade auch mit Blick auf die prominenten Gegenspieler wie Rafael van der Vaart, Heiko Westermann oder Hakan Calhanoglu. "Wir dürfen uns mit großen Namen messen", war  Stieber die Vorfreude anzumerken. "Natürlich haben wir Respekt, aber wir wollen auch mutig auftreten." Wie? Das haben sie den Rothosen in dieser Saison schon gezeigt, auch wenn es in der zweiten Runde des DFB-Pokals eine unglückliche 0:1-Niederlage setzte.

Relegation statt Stadtlauf

Ein Hindernis auf dem Weg zur Rückkehr ins Oberhaus das Kleeblatt bereits bewältigt. Am Sonntag, wenn das Relegations-Rückspiel gegen den HSV in der ausverkauften Trolli ARENA ansteht, hätte eigentlich auch der traditionelle Fürther Stadtlauf mit über 1.000 Teilnehmern stattfinden sollen. Die Polizei hatte angesichts der Doppelveranstaltung allerdings erhebliche Sicherheitsbedenken.

Nun haben die Leichtathleten nach der von der Stadtverwaltung verordneten Verlegung eine Woche länger Zeit, sich vorzubereiten. Lediglich ein kleines Handicap bedrückt nun noch die Fürther Fußballseele. Aufgrund des Nachtflugverbots kann der Kleeblatt-Tross erst am Freitag die Rückreise nach Franken antreten. Ob der Machtwechsel daran scheitert?

Markus Löser