"Malocher" Hans-Günter Bruns soll beim Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen die sportliche Talfahrt stoppen und den drohenden Abstieg verhindern.

Der 55-Jährige, der nach neun Spielen ohne Sieg die Nachfolge von Trainer Jürgen Luginger antrat, sitzt am Freitag (18 Uhr) im Heimspiel gegen Hansa Rostock wieder auf der Bank - vorerst als Interimslösung.

Bruns: "Ich stehe in der Verantwortung"

Bruns, der schon von 2006 bis 2008 RWO trainierte, schließt aber nicht mehr aus, dass aus der Übergangs- eine Dauerlösung werden könnte. "Ich habe mich zur Verfügung gestellt und versuche, die Sache in den Griff zu bekommen. Wenn mir das gelingt, könnte ich mir vorstellen, dass ich bis zum Saisonende weitermache", sagte Bruns am Mittwoch: "Ich habe diese Mannschaft in den letzten dreieinhalb Jahren mit aufgebaut, ich stehe deshalb in der Verantwortung."

Nach der erfolgreichen Trainerzeit von 2006 bis 2008 mit zwei Aufstiegen von der Oberliga bis in die 2. Bundesliga hatte der frühere Profi von Schalke 04, Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach in Oberhausen ein in der Branche unübliches Wechselspiel initiiert. Er tauschte mit Luginger, der bis dahin als Sportlicher Leiter bei RWO fungiert hatte, die Position.

Luginger startete mit dem damaligen Neu-Zweitligisten durchaus erfolgreich, wurde Neunter. Auch die Saison 2009/10 begann für Oberhausen gut. Nach fünf Spieltagen belegte man Platz 4, war nach dem zwölften Spieltag immerhin noch Sechster. Seitdem befinden sich die Rot-Weißen im Sinkflug. Ein Punkt aus den letzten neun Spielen, seit 670 Minuten kein Torerfolg, auf dem 15. Rang nur noch fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

"Das Wichtigste ist jetzt, die Köpfe frei zu bekommen"

Bruns, der mit dem Trainerjob eigentlich schon abgeschlossen hatte, ließ sich zu einem Comeback auf dieser Position bewegen. Seine erste Maßnahme: Er ordnete eine Trainingseinheit der besonderen Art an, funktionierte seine Spieler zu Schneeräumern auf dem Trainingsplatz an der Landwehr um. An mangelnder Kondition wird es deswegen Freitag gegen Rostock wohl kaum liegen. "Das Wichtigste ist jetzt, die Köpfe frei zu bekommen", sagte der neue Trainer.

Fehlen werden gegen Rostock auf jeden Fall der langjährige Kapitän Benjamin Reichert, den weiterhin Knieprobleme plagen, sowie Tim Kruse (Achillessehne). Dagegen steht Torwart Sören Pirson wieder zur Verfügung. Er fehlte zuletzt bei der 0:1-Niederlage in Ahlen wegen einer Rot-Sperre. Ob Pirson wieder für Christoph Semmler zwischen die Pfosten rücken wird, ließ Bruns offen.

Weiter solide Finanzpolitik

Wohl bis kurz vor dem Anpfiff dürfte der Ex-Profi auch damit pokern, ob er Spielmacher Markus Kaya, den Luginger wegen anhaltender Formschwäche zuletzt auf die Bank gesetzt hatte, aufbietet. Viele Alternativen hat der alte und neue RWO-Cheftrainer nicht.

Zwei Abgängen in der Winterpause (Benjamin Schüßler zu Holstein Kiel und Nationalspieler Jamal Gay aus Trinidad und Tobago mit unbekanntem Ziel) steht mit dem aktuell verletzten Defensivspieler Esad Razic (Olympiakos Nikosia) nur ein Neuzugang gegenüber. Sport-Vorstand Thomas Dietz blieb damit seiner vorsichtig ausgerichteten Finanzpolitik treu: "Wir geben nicht mehr Geld aus, als wir einnehmen."