Düsseldorf - Eine Woche nach der Bundesliga startet auch die 2. Bundesliga mit dem 20. Spieltag in die entscheidende Phase. Fortuna Düsseldorf gastiert am Sonntag beim Karlsruher SC. Es ist das Duell des Sechsten beim Zweiten. Vor dem Topspiel sprach bundesliga.de mit Fortuna-Spielgestalter Michael Liendl.

bundesliga.de: Michael Liendl, am Sonntag startet Fortuna Düsseldorf mit dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC ins zweite Halbjahr der Saison 2014/15. Wie gut vorbereitet geht Fortuna in das Spiel?

Michael Liendl: Wir haben gut trainiert und haben im Großen und Ganzen eine gute Vorbereitung absolviert. Wir hatten kaum Verletzte, der Trainer konnte auf den ganzen Kader zugreifen. So konnten wir einige Automatismen einstudieren, wir hatten gute Testspiele. Aber am Sonntag wird es in Karlsruhe ein ganz anderes Spiel. Nur weil man eine gute Vorbereitung hatte, heißt das noch lange nicht, dass der Start glückt. Aber ich bin guter Dinge.

bundesliga.de: Die Ergebnisse in der Vorbereitung waren eher durchwachsen.

Liendl: Wir hatten richtig gute Gegner. Wenn ich an das Spiel gegen Basel denke, in dem wir richtig gut gespielt, aber 1:2 verloren haben. In anderen Spielen war die Müdigkeit von den Trainingseinheiten sehr groß. Dann hat das Ergebnis nicht gepasst. Aber Vorbereitungsspiele sollte man in beide Richtungen nicht zu sehr bewerten. Wir sind auf einem guten Weg und hoffen, dass wir das am Sonntag zeigen können.

"Haben in allen Bereichen enorme Qualität"

bundesliga.de: In der Hinrunde gab es einige Formschwankungen bei Fortuna. Wie bewerten Sie das erste Halbjahr?

Liendl: Wir sind ergebnistechnisch nicht so gut in die Saison gestartet. Dann hatten wir einen Superlauf, bevor es zwei Dellen in den Spielen gegen Aalen und Sandhausen gab. Aber unser Ziel vor der Saison war, dass wir mit oben dabei sein wollen. Das haben wir geschafft. Jetzt liegt es an uns, dass wir an der Spitze dranbleiben und bis zum Schluss das Rennen offen halten und spannend machen.

bundesliga.de: Welche Trümpfe sprechen im Aufstiegsrennen für die Fortuna?

Liendl: Wir sind eine gute Truppe. Wir haben in allen Bereichen enorme Qualität, in der Defensive genauso wie in der Offensive. Einige Spieler sind zurückgekommen, die lange verletzt waren. Sie erhöhen jetzt den Konkurrenzkampf. Somit sind wir sehr gut aufgestellt. Es werden jetzt noch 15 Endspiele für jede Mannschaft. Man hat im ersten Halbjahr gesehen, wie eng die Liga zusammengerückt ist. Es wird nicht einfach. Aber ich bin überzeugt, dass wir bis zum Schluss oben dabei bleiben.

bundesliga.de: Es gibt einige Kritiker, die sagen, das Spiel der Fortuna steht und fällt mit der Form von Liendl. Wie sehen Sie es? Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem Halbjahr?

Liendl: Bei mir war es auch ein Auf und Ab. Ich glaube, ich habe ganz gut begonnen. Am Ende der Vorrunde bin ich in ein kleines Tief gefallen. Das will ich gar nicht schön reden, ich war mit meinen Leistungen auch nicht zufrieden. Ob das Fortuna-Spiel an mir hängt oder nicht, weiß ich nicht. Wir haben viele Spieler, die eine Partie entscheiden können. Ich weiß um meine Qualitäten und dass ich der Mannschaft helfen kann, wenn ich gut in Schuss bin und meine Qualitäten abrufe. Ich habe in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet und habe ein gutes Gefühl. Ich bin überzeugt davon, dass ich wieder zur alten Form zurück finde.

bundesliga.de: Jetzt haben Sie ein Jahr bei Fortuna Düsseldorf erlebt. Haben Sie sich Erwartungen erfüllt, die Sie mit dem Wechsel verbunden hatten? War es eine große Umstellung für Sie auf die 2. Bundesliga?

Liendl: Natürlich war es eine Umstellung. Aber es lief eigentlich von Beginn an richtig gut. Bis auf den Jahresabschluss habe ich fast nur gute Spiele dabei gehabt. Somit bin ich mit dem ersten Jahr mehr als zufrieden. Ich konnte nicht unbedingt erwarten, dass es so gut läuft. Ich habe gewusst, dass ich Qualitäten habe, die ich in die Mannschaft einbringen kann, die vielleicht nicht jeder Spieler hat. Ich war von mir überzeugt. Es war ein erfolgreiches und gutes Jahr, in dem ich auch in der österreichischen Nationalmannschaft debütiert habe. Bei Fortuna habe ich jedes Spiel gemacht. Zwei, drei schlechte Spiele sind dann auch normal.

bundesliga.de: Jetzt kommt es am Sonntag zum Topspiel gegen den Karlsruher SC, der auf Platz 2 steht, aber nur zwei Punkte mehr auf dem Konto hat als Fortuna. Mit einem Sieg kann Düsseldorf am Gegner vorbeiziehen. Wie stark ist der KSC einzuschätzen?

Liendl: Es wird ein sehr schweres Spiel, das haben wir bei der 0:2-Niederlage im Hinspiel gesehen. Gegen den KSC gewinnt man sicher nicht im Vorbeigehen. Der KSC steht nicht umsonst dort oben, das haben sie sich verdient und erarbeitet. Sie stellen eine sehr kompakte Mannschaft mit guten Spielern. Es wird nicht einfach für uns, aber wir fahren nach Karlsruhe, um dort zu gewinnen. Wir wollen den ersten Schritt machen, um oben dranzubleiben.

"Jeder Spieler will aufsteigen"

bundesliga.de: Gerade in den Auswärtsspielen konnte Fortuna in dieser Saison bislang als beste Auswärtsmannschaft überzeugen und bei vielen Konkurrenten im direkten Duell bestehen. Stimmt das auch für Karlsruhe zuversichtlich?

Liendl: Auf alle Fälle. Wir wissen, dass wir in der 2. Bundesliga jeden Gegner schlagen können. Wir müssen davon überzeugt sein, und das sind wir auch. Aber wir wissen auch, dass wir gegen jeden Gegner verlieren können, wenn wir nicht 100 Prozent Leistung abrufen. Wenn wir eine gute Tagesform erwischen, bin ich überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen.

bundesliga.de: Und in Düsseldorf hätte niemand etwas dagegen, wenn am Ende der Saison der Aufstieg in die Bundesliga stünde.

Liendl: Ja, klar. Wenn wir die Chance haben, bis zum Ende oben dabeizubleiben und in die Bundesliga aufzusteigen, wollen wir das schaffen. Das will jeder Spieler. Aber es stehen noch 15 schwere Spiele vor uns. Es wird kein leichtes Rennen, weil die Liga sehr ausgeglichen ist. Es ist zwar eine Floskel, aber Fakt: Wir schauen nur von Spiel zu Spiel.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski