Im Interview mit bundesliga.de spricht Fortunas aus Österreich stammender Spielmacher Michael Liendl über den fehlenden Spielfluss im Spitzenspiel gegen Ingolstadt, die Stärken des Gegners - und die Versäumnisse der Fortuna.

bundesliga.de:Michael Liendl, von der Tribüne aus sah es so aus, als hätten sich beide Mannschaften weitgehend neutralisiert. Wie haben Sie es gesehen?

Michael Liendl: Ja, das kann man so sagen. Es kam nicht so richtig ein Spielfluss auf. Man kann ja auf einen Punkt spielen oder das Spiel verwalten. Aber wenn alle zwei, drei Minuten ein Spieler am Boden liegt, kann kein Spielfluss aufkommen. Ich weiß nicht, ob wir wirklich so viel getreten haben. Es war nicht einfach für uns. Auch die Platzverhältnisse waren nicht optimal. Das soll alles keine Ausrede sein, denn wir müssen trotzdem zu mehr Torchancen kommen. Das ist uns leider nicht geglückt.

 "Mann kann im Fußball auch mal stehen bleiben und seinen Mann stehen"

bundesliga.de:Die Ingolstädter haben sich über die harte Gangart der Fortuna beschwert. War es überhart?

Liendl: Nein. Von überhart würde ich nicht reden. Zweikämpfe gehören dazu. Man kann im Fußball auch mal stehen bleiben und seinen Mann stehen. Das hat Ingolstadt heute nicht immer gemacht.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem Punkt?

Liendl: Natürlich wollten wir an Ingolstadt herankommen und das Spiel unbedingt gewinnen. Aber wenn man das Spiel dann sieht, muss man mit dem Punkt zufrieden sein. Wir haben nicht verloren und sind auf Tuchfühlung. Wir stehen inzwischen besser, wir lassen wenig zu und haben Vertauen in unsere Defensive genauso wie in unsere Offensive. Das haben wir uns erarbeitet. Es geht weiter. Ich hoffe, wir landen dann nächste Woche den Dreier gegen 1860 München.

bundesliga.de: Worin lag gegen Ingolstadt hauptsächlich die Schwierigkeit?

Liendl: Die Platzverhältnisse waren wie gesagt in erster Linie wirklich nicht optimal. Es war sehr schwer darauf zu spielen. Dann kam natürlich auch der Gegner dazu, der nicht umsonst auswärts so eine Serie hingelegt hat. Ingolstadt ist nicht leicht zu bespielen. Sie stehen sehr kompakt und wissen, was sie spielen. Wir haben in der ersten Halbzeit zu kompliziert und ins Zentrum gespielt und ihnen so in die Karten gespielt. Darauf haben sie gewartet. In der zweiten Halbzeit haben wir es ein bisschen besser gemacht. In so einem Spiel muss man dann eine der Chancen nützen. Das ist uns nicht geglückt.

bundesliga.de: Wie fühlte das Spiel auf dem Platz an? War es ein Topspiel?

Liendl: Das weiß ich nicht. Fußballerisch war es eher kein Topspiel. Trotzdem war zu sehen, dass beide Teams ein bestimmtes Niveau haben. So kam ein 0:0 heraus.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Konstellation an der Tabellenspitze nach diesem Unentschieden?

Liendl: Wir sind nach wie vor Zweiter. Wir haben einen Punkt gemacht. Die Tabelle ist sehr eng. Es ist aber nicht wichtig, wo wir momentan stehen. Wir müssen Punkte sammeln und dann am Ende schauen, was dabei herauskommt.

"Unser nächster Gegner 1860 München hat eine recht gute Mannschaft"

bundesliga.de: Wie haben Sie das Zusammentreffen der vielen Österreicher in beiden Teams auf und neben dem Platz erlebt?

Liendl: Auf dem Platz ist es uninteressant, wer einem gegenüber steht. Natürlich ist es schön, wenn Du immer wieder Landsleute siehst.

bundesliga.de: Nächste Woche tritt die Fortuna dann beim Tabellenletzten 1860 München an. Das dürfte eine ganz andere Aufgabe werden?

Liendl: Es wird eine komplizierte Angelegenheit. Ob sie dann wirklich Tabellenletzter sind, werden wir sehen. Sie haben ja noch ein Spiel. Ich glaube trotzdem, dass es eine recht gute Mannschaft ist, auch wenn das blöd klingt. Die haben momentan einen kleinen Negativlauf. Aber es ist nicht so, dass wir da mal eben hinfahren und sie aus dem Stadion schießen. Wir müssen wieder hart für den Erfolg arbeiten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski