Norbert Meier reckte die Faust in die Höhe, drehte sich sofort zum Fanblock und ließ sich feiern. Vor dreieinhalb Jahren schien die Trainer-Karriere des Ex-Nationalspielers nach der "Kopfstoß-Affäre" und einem dreimonatigen Berufsverbot schon fast zu Ende, nun wandelt er bei Fortuna Düsseldorf auf den Spuren von Aleksandar Ristic.

Denn wie zwischen 1993 und 1995 unter "König Alex" könnte der Europacup-Finalist von 1979 den direkten Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga schaffen. Nach dem 1:0 (1:0) im Westderby bei Alemannia Aachen hat der Aufsteiger nur noch drei Zähler Rückstand auf Platz 3.

"Die Fans dürfen träumen"

"Die Düsseldofer haben lange unter der Abstinenz vom Profi-Fußball gelitten. Da mussten dann erst zwei Norddeutsche kommen, um ihnen die Freude am Fußball wieder beizubringen", sagte Fortuna-Manager Wolf Werner mit Blick auf sich und den im holsteinischen Reinbek geborenen Trainer.

Im Gegensatz zu Günter Netzer, dessen Unternehmen Infront die Fortuna vermarktet ("Ich hoffe, dass sie schnell die Bundesliga erreicht"), will Werner aber noch nicht vom Aufstieg reden. Obwohl die Fortuna durch einen artistischen Treffer von Martin Harnik (25.) - im Fallen und mit dem Rücken zum Tor - sogar den vier Monate währenden Auswärts-Fluch bannte und die Euphorie in Düsseldorf weiter schürte. "Die Fans dürfen träumen", sagte der Manager: "Mich können Sie nach dem Aufstieg fragen, wenn wir drei Spieltage vor Schluss immer noch da vorne mitmischen."

Das sieht Meier ebenso: "Auf die Frage, ob wir unsere Ziele korrigieren wollen, reagiere ich allergisch. Denn wir haben kein Ziel ausgegeben, also können wir auch keines korrigieren."

Meier musste "einige ein bisschen runterholen"

An die offizielle Diktion hält sich freilich nicht jeder der euphorischen Profis. Nachdem in den vergangenen Wochen einige von ihnen das Wort "Aufstieg" in den Mund nahmen, nordete sie Meier wieder ein. "Ich musste einige ein bisschen runterholen, weil sie bestimmte Sachen in die Blöcke diktiert haben", sagte der Coach.

Also drückte Harnik es durch die Blume aus: "Wir wollen weiter oben bleiben", sagte der Österreicher, dessen zwölftes Saisontor alle Feldspieler in Form eines "Zehnerbobs" feierten. "Das war der Vancouver-Bob", sagte er: "Wir hatten die Tage ein bisschen Langeweile und haben wir uns diesen Olympia-Jubel ausgedacht. Wir sind eben Multi-Talente."

Für die der Sieg am Tivoli ein gutes Omen bedeutete. Denn das letzte Spiel in Aachen gewann die Fortuna auch 1:0, 1994 unter Ristic. Am Ende jener Drittliga-Saison stand der erste von zwei aufeinanderfolgenden Aufstiegen.

"Die ständigen Rückschläge sind wirklich frustrierend"

Völlig andere Sorgen hat derzeit die Alemannia, deren Trainer Michael Krüger nach der Niederlage erstmal völlig bedient war: "Wenn man ein solches Derby verliert, dann tut das erstmal weh. Wenn man zudem noch so engagiert zu Werke geht, wie wir es heute getan haben, tut es doppelt weh. Am meisten schmerzt jedoch die über die gesamte Saison zu sehende ständige Anhäufung von Problemen, seien es Verletzungen oder Krankheiten. Ständig bricht uns eine Stütze in der Mannschaft weg. Heute fällt Benny Auer kurzfristig aus, Aimen Demai hat seit Tagen einen Virus. Dann kommt Mirko in der Halbzeit mit Oberschenkelverletzung dazu, Cristian Fiel hat sich in der Kabine nach dem Spiel übergeben, Daniel Adlung sieht die 5. Gelbe Karte."

Und weiter: "Die ständigen Rückschläge sind wirklich frustrierend, irgendwann will man einfach mal belohnt werden. Ich kann der Mannschaft heute keinen großen Vorwurf machen, es ist ohnehin nicht mein Stil, jemanden an die Wand zu nageln. Die Jungs haben alles versucht."