Köln - Im ersten Rückrundenspiel empfängt der frisch gebackene Herbstmeister 1. FC Köln am Freitagabend Dynamo Dresden (ab 18:15 Uhr im Live-Ticker) - und mit zuletzt zwei Siegen hintereinander ist der FC wieder in der Spur. Matthias Lehmann erklärt im bundesliga.de-Interview die Stimmung bei den Geißböcken und seine Rolle im Team. Für das große Ziel würde der Mittelfeldspieler seine persönliche Flaute übrigens liebend gerne fortsetzen.

bundesliga.de: Matthias Lehmann, herzlichen Glückwunsch zur Herbstmeisterschaft mit dem 1. FC Köln in der 2. Bundesliga. Warum war der FC die beste Mannschaft der Vorrunde? Was zeichnet die Truppe aus? 

Matthias Lehmann: Uns zeichnet aus, dass wir uns nicht ablenken lassen und unseren Weg gehen. Zudem herrscht ein sehr guter Geist im Team, alle ziehen mit, keiner lässt sich hängen - auch die nicht, die nicht so soft spielen.

bundesliga.de: Sie sind bereits mit St. Pauli und Frankfurt in die Bundesliga aufgestiegen und wissen, wie es geht. Sehen Sie Parallelen? Worauf wird es in der Rückrunde ankommen? 

Lehmann: Momentan fühlt sich die Saison schon nach einer Aufstiegssaison an, weil wir in den entscheidenden Momenten in der Vorrunde - zum Beispiel beim Spiel auf St. Pauli nach den beiden Niederlagen zuvor - die richtige Antwort parat hatten. Aber die Liga ist sehr ausgeglichen und ich glaube nicht, dass irgendein Team in der Rückrunde locker davonzieht, auch wir nicht. Wir müssen weiter in jedem Spiel alles abrufen. 

bundesliga.de: Sie selbst hatten beim FC in Ihrem ersten Jahr keinen leichten Stand. Inzwischen sind Sie komplett akzeptiert. Warum hat es etwas länger gebraucht? 

Lehmann: Ich war zu ungünstigen Zeitpunkten verletzt und habe selbst auch nicht die Leistungen gebracht, die ich von mir erwarte. Dann kam das Image des Trainerlieblings dazu, weil ich gemeinsam mit Holger Stanislawski zum FC kam, der ja schon in Hamburg mein Trainer gewesen war. Ich habe mir vor der Saison vorgenommen, nochmal von vorne anzufangen und habe das, auch dank des Vertrauens von Peter Stöger, glücklicherweise auch geschafft. Ich habe mich aber in Köln eigentlich immer wohl gefühlt. Umso mehr freut mich, dass es jetzt auch auf dem Platz funktioniert. 

bundesliga.de: Was läuft in dieser Saison besser? Welche Rolle spielt dabei Trainer Peter Stöger? Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Lehmann: Wir hatten in der Vorsaison einen riesigen Umbruch, sowohl im Club als auch im Team und hatten mit der Last des Abstiegs zu kämpfen. In diese Saison sind wir mit einem anderen Gefühl gegangen, es herrscht Ruhe und Zuversicht. Unser Trainerteam trägt mit seiner unaufgeregten, klaren Art sehr viel dazu bei. Ich komme mit Peter Stöger und seiner Idee von Fußball sehr gut zurecht. 

bundesliga.de: Zuletzt haben Sie auch einige Tore auflegen können. Nur auf einen eigenen Treffer warten Sie seit inzwischen zweieinhalb Jahren. Haben Sie das Toreschießen verlernt? 

Lehmann: Wenn wir aufsteigen, bleibe ich gerne weiter torlos. Aber ich habe das Gefühl, dass ich mich wieder annähere. 

bundesliga.de: Sie sind mit gerade einmal 30 Jahren der älteste Feldspieler in der Kölner Stammformation. Wie viel Spaß macht im Mittelfeld das Zusammenspiel mit "jungen Hüpfern" wie dem elf Jahre jüngeren Yannick Gerhardt? Wie sehr sind da Ihre Führungsqualitäten gefragt? 

Lehmann: Es macht großen Spaß mit den Jungs, sie sind alle fokussiert und lernwillig. Man muss die jungen Spieler heute nicht wirklich führen, aber ich stehe mit Rat und Tat jederzeit zur Seite, wenn es gewünscht ist. 

bundesliga.de: Sie haben in Ihrer Karriere schon in im Norden, Süden und Westen der Republik gespielt, in Hamburg, München, Stuttgart, Frankfurt, Aachen und nun in Köln. Wo haben Sie sich am wohlsten gefühlt, wie kommen Sie mit der rheinischen Mentalität klar? 

Lehmann: Ich habe mich auf allen Stationen sehr wohl gefühlt. Rückblickend würde ich sagen, dass St. Pauli eine besondere Station war. Und Köln ist es auch. 

bundesliga.de: Jetzt startet die Rückrunde mit der Partie gegen Dresden. Dynamo hat nur eins der letzten acht Spiele verloren und dabei 15 Punkte geholt. Wie stark schätzen Sie den Gegner ein? Worauf muss sich der FC einstellen? 

Lehmann: Dynamo ist jedenfalls viel besser, als man nach einem raschen Blick auf die Tabelle glauben könnte. Wir müssen die Zweikämpfe annehmen, konsequent nach vorne spielen und im Zweifel Geduld aufbringen. Wenn wir unsere Leistung bringen, dann werden wir Dresden schlagen. Wenn wir aber auch nur ein bisschen unter unserem Niveau spielen, werden wir Probleme kriegen. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski