Dank eines herrlichen Last-Minute-Tores von Joker Mathis Bolly gewann Fortuna Düsseldorf gegen Union Berlin mit 1:0. Der 24-Jährige schoss sich mit seinem ersten Saisontreffer auch den Frust über ein von Verletzungspech geprägtes Halbjahr von der Seele.

Frage:Mathis Bolly, was haben Sie gedacht, als Sie in der 89. Minute den Ball zugespielt bekommen haben?

Mathis Bolly: Ich habe mich umgedreht und eine Menge freien Raum gesehen. Ich war alleine und konnte direkt in eine Eins-gegen-Eins-Situation gehen. Ich bin mit vollem Tempo auf den Gegenspieler losgezogen, habe ihn auf dem falschen Fuß erwischt und dann mit meinem besseren linken Fuß abgezogen. Ich bin sehr froh, dass der Ball genau in den Winkel gegangen ist.

Frage: Die Zuschauer im Stadion sind danach ausgerastet. Was für Emotionen hat dieses Tor in Ihnen ausgelöst?

"Viele Dinge sind nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe"

Bolly: Diese Gefühle habe ich definitiv eine lange Zeit vermisst. Ich fühle mich jetzt sehr gut. Ich habe in letzter Zeit nicht so viel gespielt. Viele Dinge sind nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich freue mich, dass ich dem Team mit dem entscheidenden Tor helfen konnte.

Frage: Kurz vorher hatten Sie schon einen guten Schuss abgegeben, der noch abgewehrt wurde. Beim zweiten waren Sie dann wildentschlossen?

Bolly: Ja. Ich war hungrig und wollte offensiv etwas bewirken. Ich war in den Spielen vorher auch schon erfolgshungrig, aber da hat es nicht so funktioniert. Diesmal hat es hundertprozentig geklappt.

Frage: Ist dieses Spiel so eine Art Happy End nach einem alptraumhaften Jahr?

Bolly: So dramatisch würde ich das nicht formulieren. Die Saison war bis jetzt aber sicher nicht einfach für mich. Sie ist aber auch noch nicht vorbei. Nun geht dieses Jahr zu Ende, ich schließe das Kapitel, habe eine Pause und werde dann in der Rückrunde angreifen.

Frage: Glauben Sie, dass Sie dieses Erfolgserlebnis ins neue Jahr mitnehmen können?

Bolly: Na klar, ich hake die anderen Dinge ab und freue mich über das Tor.

Frage: Wird 2015 Ihr Jahr, nachdem dieses nicht so erfolgreich lief?

Bolly: Mein Ziel ist es erst einmal, in einer guten Verfassung und verletzungsfrei zu sein. Ob es dann mein Jahr wird, weiß ich nicht. Ich hoffe, 2015 wird unser Jahr, Fortunas Jahr.

Frage: Wie wichtig war der Sieg zum Jahresabschluss?

Bolly: Nach der Niederlage im letzten Spiel brauchten wir diese drei Punkte, um weiter mit oben mitzumischen. Jetzt können wir in die Pause gehen, ohne zu viel nachdenken zu müssen. Wenn im Januar das Training wieder beginnt, werden wir erholt zurückkommen. Wir sind in keiner schlechten Position.

Frage: Wie sieht Ihr Programm in den nächsten Tagen aus?

Bolly: Samstag fliege ich nach Paris, um meine Familie zu sehen. Anschließend geht es nach Oslo. Ich freue mich jetzt auf die freien Tage, weniger körperlich als vielmehr für den Kopf. Nach den Verletzungen und dem Frust bin ich etwas müde im Kopf. Die Pause wird mir gut tun.

Frage: Haben Sie den Afrika Cup auch noch auf der Rechnung?

Bolly: Eher nicht, dafür habe ich zu wenig gespielt. Aber ehrlich gesagt, denke ich momentan nicht an die Nationalmannschaft. Die Konkurrenz ist dort auch sehr groß. Für mich ist das okay. So kann ich mich auf Fortuna konzentrieren und wieder in die beste Verfassung kommen. Ich will dann so viel wie möglich spielen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski