Köln - Nach vier Siegen in Folge hat RB Leipzig die Tabellenführung in der 2. Bundesliga übernommen. Der Vorsprung auf Platz 4 beträgt bereits vier Punkte. Vor dem Topspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Sonntag spricht Leipzigs erfahrener Innenverteidiger Marvin Compper im Interview mit bundesliga.de über die jüngste Erfolgsserie, Trainer Ralf Rangnick und den kommenden Gegner.

bundesliga.de: Marvin Compper, seit Sie vor vier Spielen wieder erstmals in der Startelf von RB Leipzig standen, wurden alle Partien gewonnen. Sind Sie so etwas wie der aktuelle Glücksbringer der Mannschaft?

Marvin Compper: Es war sicher ein guter Moment, als ich wieder ins Team reingerutscht bin. In den letzten vier Spielen haben wir es als Mannschaft einfach gut gemacht. Als Glücksbringer würde ich mich jetzt aber nicht bezeichnen. Es ist aber sicher auch so, dass ich meinen Teil zu den Erfolgen beigetragen habe. Doch ich bin auch nur einer von elf Spielern.

bundesliga.de: Hatte dem Team vorher vielleicht auch ein Stück weit die Erfahrung gefehlt, die Sie mit Ihren 30 Jahren mitbringen?

Compper: Das weiß ich nicht genau. Aber ich hoffe, dass ich auf dem Platz meine Erfahrung einbringen und weitergeben kann. Das ist auch einer der Gründe, warum ich in Leipzig bin. Ich habe schon mehr Spiele auf dem Buckel als der eine oder andere Mitspieler.

"Die Momentaufnahme ist schön"

bundesliga.de: Wie war denn das Feedback des Trainers nach den letzten Spielen?

Compper: Er hat mit mir nicht mehr gesprochen als mit den anderen. Wir kennen uns schon lange. Es war so, dass ich in der vergangenen Saison nicht das Niveau erreicht habe, das ich schon einmal hatte. Jetzt geht es bereits eher in die Richtung, die er schon kannte und er von Tag eins an erwartet hatte.

bundesliga.de: Die letzten vier Spiele hat Leipzig gewonnen und die Tabellenführung in der 2. Bundesliga übernommen. Es sieht aus, als käme die Mannschaft langsam ins Rollen. Nimmt das große Ziel Bundesliga-Aufstieg langsam Gestalt an?

Compper: Es sind erst 13 Spiele gespielt. Die Momentaufnahme ist schön. Sie entspricht der Wahrheit unserer Leistungen. Wir sind momentan mit 26 Punkten auf dem 1. Platz. Aber man hat auch in den letzten Spielen gesehen, dass man jede Woche in den 90 oder auch mal 93 Minuten nichts auf dem Platz geschenkt bekommt und dementsprechend immer wieder ans Limit gehen muss. Wir müssen die Qualität, die wir in unserem Kader haben, abrufen. In der 2. Bundesliga wird es einem nicht leicht gemacht. Wir müssen beharrlich dran bleiben und unsere Leistung wöchentlich abrufen.

bundesliga.de: Alle Konkurrenten und Experten haben RB Leipzig vor der Saison zum Aufstiegsfavoriten Nummer 1 erklärt. Wie geht die Mannschaft mit dem Druck um?

Compper: Grundsätzlich hat jede Mannschaft im Profifußball Druck. Wenn du Erfolg haben und Ziele erreichen willst, musst du mit diesem Druck umgehen können. Den größten Druck machen wir uns meines Erachtens nach selber, weil wir klare Ziele haben. Wir sind jedenfalls gewappnet.

"Rangnick ist entspannter geworden"

bundesliga.de: Sie kennen Ralf Rangnick - Sie haben es eben angesprochen - schon längere Zeit und haben auch schon in Hoffenheim unter ihm trainiert. Wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?

Compper: Im Großen und Ganzen ist er der Gleiche wie früher. Sicher hat er sich in Details verändert. Er ist sichtbar entspannter geworden. Er hat Erfahrungen gesammelt und sich weiterentwickelt. Das merkt man auch in der täglichen Trainingsarbeit auf dem Platz.

bundesliga.de: Ich habe in der Vergangenheit schon öfter mit anderen jungen Leipziger Spielern gesprochen, die sagten, dass sie vor allem wegen Rangnick nach Leipzig gewechselt seien, weil er junge Spieler besser mache. Er scheint eine große Anziehungskraft besonders auf junge Profis auszuüben.

Compper: Ja, man konnte in den letzten Monaten bereits beobachten, wie beispielsweise ein junger Spieler wie Lukas Klostermann einen Schritt nach vorne gemacht hat. Jeder tut gut daran, Augen und Ohren offen zu halten und aufzusaugen, wenn er in den Einzelgesprächen vom Trainer gute Tipps bekommt.

bundesliga.de: Sie sind seit eineinhalb Jahren in Leipzig. Haben Sie den Eindruck, dass der Respekt vor dem Tun in Leipzig gewachsen ist und die Anerkennung größer geworden ist? Oder wird der Verein zu kritisch beäugt?

Compper: Ich habe es auf ähnliche Art und Weise schon einmal in Hoffenheim erlebt. Wir Spieler sollten uns nicht so viel mit den Nebengeräuschen beschäftigen, sondern versuchen, das Beste auf dem Platz herauszuholen. Dann entsteht die Akzeptanz und der Respekt von ganz alleine. Das Entscheidende ist, was wir auf dem Platz fabrizieren. Und wenn das gut ist, dann wächst auch der Respekt.

"Es gibt keine leichten Gegner"

bundesliga.de: Leipzig hat als Tabellenführer bereits vier Punkte Vorsprung auf Platz 4 und alle hoch platzierten Mannschaften bereits gespielt. Sehen Sie das als Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein?

Compper: Der erste Fehler, den wir machen könnten, wäre zu glauben, dass wir die großen Clubs bereits hinter uns hätten und jetzt Kleinere kommen. Wenn man die Namen der Vereine sieht, die jetzt noch auf uns warten, dann sind mit Kaiserslautern oder Karlsruhe auch Mannschaften dabei, die im letzten Jahr auch ganz oben mitgespielt haben und zu Beginn der Saison etwas zu kämpfen hatten. Aber wenn man diese Gegner nicht ernst nimmt, dann ist das der erste Schritt in die Richtung, diese Spiele nicht erfolgreich zu bestreiten. Wir sollten einen Teufel tun, irgendeinen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen.

bundesliga.de: Am Sonntag tritt RB Leipzig gegen den 1. FC Kaiserslautern an, der bereits einen Trainerwechsel hinter sich hat und nach einem Zwischenhoch wieder einige Spiele in Serie verloren hat. Gilt der Spruch aus dem Boxen, nachdem ein angeschlagener Boxer am gefährlichsten ist, auch im Fußball?

Compper: Der gilt absolut auch für den Fußball. Es gibt in der 2. Bundesliga weder leichte Gegner und noch leichte Spiele. Wir müssen in jedem Spiel 110 Prozent abrufen. Wir haben es in der letzten Woche erlebt, sind im Pokal ausgeschieden gegen einen unterklassigen Gegner (beim Regionalligsten Unterhaching, die Red.). Es gibt keine Geschenke. Wenn wir unseren Job gut machen und unser Spiel abrufen, haben wir eine gute Chance, mit einem Sieg vom Platz zu gehen. Aber diese Grundeinstellung und der absolute Fokus müssen da sein. Der 1. FC Kaiserslautern ist ein großer Verein und hat eine Mannschaft, die mit einem gewissen Selbstverständnis auf den Platz kommt, auch wenn sie in den letzten Wochen nicht die gewünschten Ergebnisse eingefahren hat. Trotzdem werden sie sich bei uns nicht verstecken.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski