Köln – Für den FC Erzgebirge Aue ist die Saison bisher alles andere als gut gelaufen. Die Sachsen liegen nach 19 Spielen mit nur 14 Punkten am Tabellenende. Torwart Martin Männel (27) erklärt im Interview mit bundesliga.de, wo die Probleme bisher lagen und warum Aue dennoch in der 2. Bundesliga bleibt.

bundesliga.de: Herr Männel, was macht Ihnen Hoffnung, dass Aue den Klassenerhalt noch schaffen kann?

Martin Männel: Weil wir auch bisher schon viele gute Spiele gezeigt haben, in denen wir teilweise die bessere Mannschaft waren. Allerdings standen wir zu oft ohne Punkte da, weil wir Pech hatten oder uns vor dem Tor einfach nicht belohnt haben. Jetzt haben wir in der Winterpause Zeit, neue Sachen einzustudieren und das Spielsystem von unserm neuen Trainer Tomislav Stipic noch besser zu verstehen.

"Uns fehlt die Geilheit auf ein Tor"

bundesliga.de: Aue hat in 19 Spielen nur 16 Tore erzielt. Ist die Offensive zu schwach?

Männel: In den letzten Jahren hätte ich sagen können, wir kreieren vorne zu wenig Chancen. Aber das trifft in diesem Jahr nicht zu. Wir haben vorne viele Tormöglichkeiten, aber wir lassen die letzte Konsequenz vermissen, sind nicht zielstrebig genug. Man könnte auch sagen: uns fehlt die absolute Geilheit auf ein Tor.

bundesliga.de: Liegt die Torflaute auch am Weggang von Jakub Sylvestr zum 1. FC Nürnberg, der vergangene Saison 15 Treffer erzielt hat?

Männel: Nicht nur Sylvestr, auch Guido Kocer fehlt uns sehr. Die beiden haben zusammen 21 Tore erzielt und viele Treffer vorbereitet. Beide waren für uns extrem wichtig und sind schwer zu ersetzen. Jakub ist natürlich ein absoluter Ausnahmestürmer für die 2. Bundesliga. Für ihn war der Wechsel wichtig, der nächste Schritt in seiner Entwicklung. Er hat das Potenzial, in der Bundesliga zu spielen. Daher habe ich es ihm auch gegönnt. Aber für uns ist das natürlich hart. Klar hat der Club mit ihm viel Geld verdient. Dafür hat er uns aber in beiden Spielen gegen Nürnberg das entscheidende Tor reingehauen. Am Ende hat Erzgebirge allein schon dadurch sein Wechsel vielleicht mehr gekostet, als der Club eingenommen hat.

bundesliga.de: Wer kann Sylvestr in den kommenden Monaten ersetzen?

Männel: In der Hinrunde ist das keinem gelungen. Daher muss die komplette Mannschaft in die Bresche springen, auch die Mittelfeldspieler müssen Tore schießen. (lacht) Ich war ja auch schon drei Mal vorne im Strafraum. Und gegen Karlsruhe hätte ich in der Nachspielzeit einen Elfmeter kriegen müssen.

"Es geht nur, wenn alle 100 Prozent geben"

bundesliga.de: Zum Saisonstart gab es fünf Niederlagen. Dann folgte der Trainerwechsel und drei Heimsiege in Folge. Was war da anders?

Männel: Mit dem neuen Trainer war eindeutig eine Aufbruchstimmung zu spüren. Nach dem vierten Spieltag war die Länderspielpause. Die haben wir genutzt, um allen zu verdeutlichen, worauf es in Aue ankommt. Dass wir es uns nicht leisten können, wenn einige nicht voll mitziehen. Auch den Neuen war danach bewusst, dass es bei uns nur geht, wenn alle 100 Prozent geben. Gegen Darmstadt hat das zwar noch keine Früchte getragen, aber beim 3:0-Heimsieg gegen St. Pauli lief es perfekt. Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt und hatten hinten Glück, dass St. Pauli seine Möglichkeiten ausließ.

bundesliga.de: Nach einem kurzen Hoch mit zehn Punkten aus fünf Spielen hat Aue aber von den letzten neun Spielen keines mehr gewinnen können. Warum?

Männel: Wir hatten ein paar enttäuschende Rückschläge, die wir nicht so leicht weggesteckt haben. Etwa im DFB-Pokal. Da haben wir bei RB Leipzig bis zur 92. Minute geführt und dann noch unnötig den Ausgleich gekriegt, schließlich in der Verlängerung verloren. Wir wurden in unserer Euphorie dadurch kräftig gebremst, das hat sich auch auf die Liga ausgewirkt. Danach haben wir dann teilweise auch individuelle Fehler und es dadurch unsern Gegnern leicht gemacht. In der 2. Bundesliga entscheiden schon kleine Fehler über Sieg oder Niederlage. Wir hatten zuletzt immer viele Chancen, haben aber die Tore nicht gemacht. Und dann stehst du halt am Ende mit leeren Händen da. Aber ich weiß, wir haben alles gegeben.

"Klassenerhalt gliche einem Wunder"

bundesliga.de: Wo landet Aue am Saisonende?

Männel: Ich bin mir sicher, dass wir über dem Strich bleiben werden. Wir werden die entscheidenden Punkte holen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Auch wenn das nach unserer bisherigen Punkteausbeute schon einem Wunder gliche.

bundesliga.de: Was macht Ihnen Mut?

Männel: Die Leistung hat zuletzt gestimmt. Wir müssen uns vor dem Tor nur endlich mal wieder belohnen. Wir hören immer wieder sogar von unsern Gegnern ,Ihr spielt einen klasse Fußball.’ Die Mannschaft ist spielerisch enorm gereift. Aber natürlich geht es in Aue zunächst immer über Kampf und Leidenschaft. Wenn wir zum Start der Rückserie ein Erfolgserlebnis haben, ist viel möglich. Wir müssen auch bei den Fans wieder den Enthusiasmus wecken, denn es geht nur, wenn alle rund um den Verein zusammen halten. Und wir bis zum Ende kämpfen.

Das Interview führte Tobias Schild