Köln - Der Karlsruher SC hat bewegte Jahre hinter sich. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Jahr 2009 ging es für die Badener zwischenzeitlich sogar runter bis in die dritte Liga. Das ist jedoch Geschichte, der KSC hat sich stabilisiert und darf sich in dieser Saison realistische Hoffnungen auf den Aufstieg in Deutschlands höchste Spielklasse machen. Eng verbunden mit der Entwicklung des Vereins, ist der Name Markus Kauczinski.

Seit mittlerweile 14 Jahren arbeitet der Coach nun schon beim KSC. Von der B- über die A-Jugend ging es bis in die U23 des Vereins. Der Weg zu den Profis jedoch war holprig. Dreimal innerhalb von zwei Jahren half der gebürtige Gelsenkirchener als Interimstrainer aus. Aber trotz guter Ergebnisse ging es für ihn nach kurzer Zeit wieder zurück ins zweite Glied. Ein Grund: Kauczinski fehlte die Trainerlizenz.

Denkbar schlechter Start

Im März 2012 änderte sich dann alles: Der 45-Jährige bestand die Prüfung zum Fußballlehrer und wurde nur vier Tage später vom damaligen Sportdirektor Oliver Kreuzer zum Nachfolger des entlassenen Jörn Andersen ernannt. Eine Entscheidung, die beide Seiten bis heute nicht bereuen. Und dabei hätte die Beziehung schlechter nicht starten können.

Als Kauczinski das Ruder damals übernommen hat, war der Abstieg in die dritte Liga so gut wie besiegelt. Ein Plan für den direkten Wiederaufstieg musste her. Kauczinski legte den Fokus auf die Abwehr und hatte prompt Erfolg. Aus einer defensiven Grundordnung heraus mischte der KSC die Liga auf und blieb zwischenzeitlich sogar 20 Spiele ungeschlagen. Am vorletzten Spieltag wurde der direkte Wiederaufstieg gegen Hansa Rostock perfekt gemacht.

Kauczinski fordert immer das Limit

Zurück in der 2. Bundesliga ging der Aufschwung unaufhaltsam weiter. Bereits im ersten Jahr spielte der KSC oben mit und beendete die Saison auf einem sensationellen fünften Platz. Überrascht war man im Verein davon nicht. "Wir wussten, dass wir zu besonderen Leistungen fähig sind", sagte Kauczinski damals selbstbewusst. Und dieses Selbstverständnis fordert er Woche für Woche von seinen Spielern. "Wenn wir nicht am Limit spielen, dann verlieren wir. Dann sind wir eine Mannschaft wie viele andere auch."

Doch trotz des Aufschwungs hatten die Experten den KSC vor dieser Saison erneut nicht auf dem Zettel. Für Kauczinski unverständlich, wie er im Interview mit bundesliga.de verrät: “Im Sommer fingen ja alle an zu sagen: Das zweite Jahr ist das schwerste. Ich habe mich damals schon gefragt, warum das so sein muss. Warum soll man schlechter sein mit den gleichen Leuten, die sich weiterentwickeln?“ Eine berechtige Frage.

"Längst nicht das Ende der Entwicklung"

Es ist eben diese Einstellung, die sie in Karlsruhe an ihrem Trainer schätzen. "Es gibt bei ihm nie einen Zweifel daran, wer der Chef in der Kabine ist“, sagte Manager Jens Todt bereits nach seiner Vertragsverlängerung im September 2013. “Die Mannschaft präsentiert sich als Einheit und ist längst noch nicht am Ende ihrer Entwicklung, das spüren auch unsere Fans.“

Diesen Weg möchte man weitergehen am Wildpark. Dafür soll der bis 2016 laufende Vertrag von Kauczinski schnellstmöglich verlängert werden. Eine Entscheidung, die der Entwickler aber vor allem von den Rahmenbedingungen abhängig macht. “Wenn ich das Gefühl habe, dass die Entwicklung weitergeht und an der Struktur gearbeitet wird, warum nicht? Derzeit sind weder der Trainerstab, das Scouting, noch die Trainingsbedingungen so bundesligawürdig wie sie sein sollten.“

Ein Freund der klaren Worte

Die Abwehr und das taktische Verständnis der Karlsruher sind bereits bundesligawürdig. Mit 18 Gegentoren stellt man die zweitbeste Hintermannschaft der Liga. Ein Verdienst des Trainers. "Das Abwehrverhalten ist die Basis. Und auch ein bisschen das Geheimnis unseres Erfolges“, sagt er. Todt schätzt vor allem seine Führungsqualitäten: “Er hat eine gute Mischung aus Zug, den er in die Mannschaft bringt und Herzlichkeit mit der Truppe."

Bei aller Herzlichkeit ist Kauczinski aber ein Freund der klaren Worte. Ein echter Malocher eben, der trotz aller Euphorie auf dem Boden bleibt. “Wir müssen nur aufpassen, dass die Erwartungen im Umfeld nicht ausufern. Man kann schon mal durch einen "Lucky Punch" aufsteigen. Aber um dann drinzubleiben, braucht es schon sehr viel mehr.“

Und Kauczinski weiß, wovon er spricht. Schließlich hat es auch erst im vierten Anlauf mit der Trainerkarriere geklappt.

Thomas Ziemann

Infografik zum Aufstiegscheck des Karlsruher SC

Aufstiegscheck: Die Kandidaten unter der Lupe