Karlsruhe - Der Karlsruher SC reist als Tabellen-Zweiter zum Topspiel nach Nürnberg (Samstag ab 12:45 Uhr im Liveticker). Trainer Markus Kauczinski erzählt im Interview mit www.bundesliga.de, warum ihn der Erfolg seines Teams weniger wundert als manche Experten, wovon seine Vertragsverlängerung abhängt  und was beim KSC trotz des Höhenflugs im Argen liegt.

bundesliga.de: Herr Kauczinski, der KSC fährt als Tabellen-Zweiter zum Sechsten nach Nürnberg. Das hatte man genau umgekehrt erwartet. Was ist in den letzten Monaten passiert?

Markus Kauczinski: Uns trennen fünf Punkte, das ist nicht viel. Die Nürnberger sind gut drauf, wir waren bis auf eine kleine Delle am Anfang der Saison vielleicht ein bisschen konstanter, das erklärt möglicherweise die derzeitige Momentaufnahme.

"Sehen uns nicht als Spitzenteam"

bundesliga.de: Also ist es mehr oder weniger Zufall, dass der KSC auf einem Aufstiegsplatz steht?

Kauczinski: Ich sehe uns nach wie vor nicht als Spitzenteam, aber das sind viele andere auch nicht. Wir können schon zufrieden sein. Wir haben relativ wenige Tore bekommen und dafür gar nicht so wenige geschossen. Man sieht ja auch an Darmstadt, dass man mit gutem Spirit und Taktik fehlendes Geld ausgleichen kann.

bundesliga.de: Man hat den Eindruck, dass man beim KSC intern weniger überrascht über den guten Lauf ist als im Rest der Branche.

Kauczinski: Im Sommer fingen ja alle an zu sagen: Das          zweite Jahr ist das schwerste. Ich habe mich damals schon gefragt, warum das so sein muss. Warum soll man schlechter sein mit den gleichen Leuten, die sich weiterentwickeln? Wir müssen jetzt nur aufpassen, dass die Erwartungen im Umfeld nicht ausufern. Fußball ist dann doch komplexer als sich mancher Außenstehende vorstellt, der dann schon mal fragt, warum der Schuss jetzt drei Meter übers Tor geht. Das ist ja, wie wenn ich bei der Formel-Eins frage, warum das Auto nicht schneller ist. Ich weiß doch überhaupt nicht, wie viel Technik und Taktik dahinter steckt. Ich hätte hier und da schon gerne mehr Wertschätzung für die Leistung der Spieler.

bundesliga.de: Weil der Aufstieg eben nur klappt, wenn alles zusammenpasst?

Kauczinski: Genau, wir spielen am Limit und wenn wir das nicht erreichen, verlieren wir eben auch mal ein Spiel. Wenn alles gut läuft, haben wir also eine Chance, am Ende der Saison oben zu sein. Aber in acht von zwölf Spielen sehe ich uns nicht von Vorneherein als besseres Team.

3 Fakten zum Spiel 1. FC Nürnberg - Karlsruher SC

Zuletzt gewann Nürnberg gegen den KSC im Februar 2004. Mark Mintal sorgte mit einem Doppelpack für den 2:0-Endstand.

Der KSC gewann die letzten drei Pflichtspiele gegen den Club alle zu null (2:0, 2:0 und 3:0).

In der 2. Bundesliga brachte Karlsruhe von fünf Spielen in Nürnberg insgesamt nur einen Punkt mit nach Hause (1:1 im Mai 1980).

bundesliga.de:Und das, obwohl die Mannschaft in den letzten zwölf Monaten schneller und spielerisch besser geworden ist.

Kauczinski: Unterm Strich schon. Wir erarbeiten uns mehr Chancen, haben viele gute Fußballer dazu bekommen, Hiroki Yamada beispielsweise muss ich fußballerisch nichts mehr beibringen. Auch Jonas Meffert oder Ylli Sallahi machen unsere Spielanlage besser, das sind auch Spieler, die wir wohl vor einem Jahr noch nicht bekommen hätten. Aber bei uns stehen fünf Leute in der Startelf, die vor eineinhalb Jahren noch Regionalliga gespielt haben.

"Die Mannschaft hat mehr Zuschauer verdient"

bundesliga.de: Mehr individuelle Qualität kostet Geld, das der KSC nicht hat. Wie wichtig ist das neue Stadion?

Kauczinski: Sehr, aber das wird erst 2018, 2019 stehen, bis dahin müssen wir anders planen.

bundesliga.de: Sind Sie denn beim ersten Spiel im neuen Stadion noch da? Der KSC würde ja offenbar liebend gerne mit Ihnen verlängern.

Kauczinski: Wenn ich das Gefühl habe, dass die Entwicklung weitergeht und an der Struktur gearbeitet wird, warum nicht? Derzeit sind weder der Trainerstab, das Scouting, noch die Trainingsbedingungen so bundesligawürdig wie sie sein sollten. Man kann schon mal durch einen "Lucky punch" aufsteigen. Aber um dann drinzubleiben, braucht es schon sehr viel mehr. Umso wichtiger ist es, jetzt in langfristige Strukturen zu entwickeln.

bundesliga.de: Zurück zum Samstag. Da werden 35.000 Spieler im Grundig-Stadion erwartet. Neidisch?

Kauczinski: Nein, das würde ja heißen, dass ich Nürnberg das missgönne. Aber wir hätten auch gerne mehr Zuschauer als die 12.000, die gegen Bochum kamen. Das hätte die Mannschaft verdient.

Das Interview führte Christoph Ruf