Zusammenfassung

  • Der 1. FC Köln will nach dem Abstieg schnellstmöglich wieder zurück in die Bundesliga

  • Anfang: "Köln, der Dom, der FC – das gehört einfach zusammen"

  • In seinem Spielsystem sollen die Kölner Profis mutig auftreten

Köln - Am Samstag startet der 1. FC Köln in Bochum in die neue Zweitliga-Saison. Im Interview mit bundesliga.de spricht Markus Anfang, der neue Trainer der "Geißböcke", über die Stimmungslage in der Domstadt, über seinen Führungsspieler Jonas Hector und darüber, was den FC in der 2. Bundesliga erwartet.

bundesliga.de: Herr Anfang, jeder Traditionsclub wähnt sich besonders. Was hebt den FC heraus?

Markus Anfang: Sprechen wir über den Kölner an sich: Als Kölner kann man kölsch fühlen, kölsch singen und Kölsch trinken. Wenn Du jemand auf Kölsch Dinge an den Kopf wirfst, ist dir keiner böse. Machst du das auf hochdeutsch, redet der andere vielleicht nie mehr mit dir. Überhaupt ist der Schritt von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt hier nicht allzu groß. Die Menschen hier sind sehr leidensfähig.

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bundesliga.de: Vor Saisonbeginn wird für den FC im Dom eine Messe gelesen; hat die Leidensfähigkeit der Fans beinahe etwas Religiöses?

Anfang: Ich denke schon, dass das auf viele Fans zutrifft, die mit dem Dom und mit dem FC aufgewachsen sind. Köln, der Dom, der FC – das gehört einfach zusammen.

"Köln, der Dom, der FC – das gehört einfach zusammen."

bundesliga.de: Welche Stimmungslage haben Sie vorgefunden?

Anfang: Dafür, dass man wenige Wochen zuvor abgestiegen ist, habe ich die Stimmungslage als recht positiv empfunden. Man hatte die vergangene Saison bereits ausführlich analysiert und aufgearbeitet. Zu dem Zeitpunkt war der Blick schon wieder nach vorne gerichtet. Das habe ich als sehr angenehm empfunden.

bundesliga.de: Ihr Führungsspieler Jonas Hector musste nicht nur den Abstieg, sondern als Nationalspieler auch das WM-Aus verdauen...

Anfang: Jonas hat grundsätzlich etwas Großes erreicht. Er durfte an einer WM teilnehmen, auch wenn die für Deutschland nicht so geendet hat, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sollten aber akzeptieren, dass andere Nationen auch Fußball spielen können. Für Jonas war es wichtig, dass er genug Zeit hat, um zwei solche Erlebnisse zu verarbeiten. Wir haben Jonas eine Zeitspanne vorgegeben, innerhalb der hat er für sich definiert, wie viel Pause er braucht. Er hat erst einmal Urlaub gemacht und schaut jetzt gemeinsam mit dem Team wieder nach vorne. Jonas ist ein absoluter Teamplayer, der sich niemals ein Privileg herausnehmen würde, bloß, weil er Nationalspieler ist.

Video: Jonas Hector schießt das Bundesliga-Tor der Saison 17/18

bundesliga.de: Sie selbst, wie auch Hector, Timo Horn oder Dominick Drexler kennen die 2. Bundesliga sehr gut. Was müssen die anderen Spieler wissen, um dort erfolgreich zu sein?

Anfang: Die Jungs müssen darüber gar nicht wahnsinnig viel wissen. Sie müssen nur beherzigen, wie wir Fußball spielen wollen und das dann umsetzen. Wir haben eine Idee mit Ball, und eine Idee für das Spiel gegen den Ball. Diese Ideen haben wir den Jungs in der Vorbereitungsphase vermittelt.

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bundesliga.de: Macht es keinen Unterschied, dass man plötzlich nicht mehr vor 50.000 und mehr Fans spielt, sondern nur vor 15.000?

Anfang: Okay, die Rahmenbedingungen sind andere. Und es ist ein Unterschied, ob man in Dortmund vor 80.000 spielt, oder in einem sehr schönen, aber kleinen Zweitliga-Stadion wie in Regensburg vor 15.000 Menschen. In manchen kleineren Stadien spürt man den Wind auch deutlich mehr als in größeren, rundum geschlossenen Arenen. Das alles ändert aber nichts an unserem Anspruch, guten Fußball spielen zu wollen.

Schlüsselspieler für FC-Coach Markus Anfang (r.): Nationalspieler Jonas Hector
Schlüsselspieler für FC-Coach Markus Anfang (r.): Nationalspieler Jonas Hector © imago / Deutzmann

bundesliga.de: Wen sehen Sie als größte Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg?

Anfang: Wir gehen mit Demut und Respekt in diese Saison, denn es gibt sehr gute Zweitliga-Teams, die richtig guten Fußball spielen. Viele sehen typischerweise in den Bundesliga-Absteigern die Favoriten für den Aufstieg. Aber gerade Kiel ist ein gutes Beispiel dafür, warum es für mich keine Favoriten gibt und ich mich an diesen Spekulationen nicht beteilige. Ohnehin können wir nicht beeinflussen, was die anderen Teams machen. Es sei denn, wir treffen direkt aufeinander. Und dann wollen wir dominieren.

bundesliga.de: Ihr ehemaliger Kieler und jetziger FC-Spieler Dominick Drexler hat Ihren Ansatz als "Besser-Macher-System" beschrieben. Wie macht man einen Spieler besser?

Anfang: Erst einmal: Das macht keiner alleine. Ich hatte und habe ein Top-Team mit Co-Trainer, mit Athletik-Trainer, mit Video-Analyst. In Köln haben wir sogar noch mehr Manpower, als das in Kiel der Fall war.

"Wir fordern, dass die Spieler mutig sind, und sie dürfen Fehler machen. Bis auf einen: den Unterlassungsfehler."

bundesliga.de: Trotzdem: Hat das Bessermachen-System mehr mit Psychologie oder mit fußballerischen Trainingsinhalten zu tun?

Anfang: Wir versuchen die Spieler immer wieder in Spielsituationen zu bringen, in denen ihre besonderen Qualitäten zum Tragen kommen. Wir fordern, dass sie mutig sind, und sie dürfen Fehler machen. Bis auf einen: den Unterlassungsfehler. Wenn sich die Jungs nicht ausprobieren, können wir ihnen nicht helfen und sie nicht nach vorne bringen.

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bundesliga.de: Gemeinsam mit Drexler und auch Rafael Czichos waren Sie in Kiel sehr erfolgreich. Wie schwer ist Ihnen der Abschied gefallen?

Anfang: Als das zweite Relegationsspiel gegen Wolfsburg abgepfiffen wurde, war das sehr emotional für mich. Es heißt ja, wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Aber dann ist es eben auch am schwierigsten. Besonders beeindruckend für mich war, dass die Leute in Kiel nach dem Spiel gezeigt haben, dass sie verstehen, dass der FC für mich eine Herzensangelegenheit ist und ich nicht nein sagen konnte.

Schon bei Holstein Kiel arbeiten Dominick Drexler (l.) und Markus Anfang erfolgreich zusammen
Schon bei Holstein Kiel arbeiten Dominick Drexler (l.) und Markus Anfang erfolgreich zusammen © imago / objectivo

bundesliga.de: Was trauen Sie Ihrem Ex-Klub zu?

Anfang: Da steht mir ein Urteil nicht zu. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, dass das Stadion wie geplant modernisiert wird. Holstein hat ein sehr gutes Trainingszentrum mit professionellen Strukturen, und auch das Stadion hat seinen Charme. Moderne, gute Strukturen sind auch die Voraussetzung, um sich nachhaltig in der Bundesliga zu etablieren. Verdient hat es der Klub auf jeden Fall.

Das Gespräch führte Andreas Kötter.