Köln - Der SV Darmstadt 98 spielt weiter eine beeindruckende Saison. Der Aufsteiger liegt nach dem 12. Spieltag auf Platz 4 und kann am Samstag mit einem Sieg im Verfolgerduell gegen RasenBallsport Leipzig sogar zumindest vorübergehend auf Rang 2 klettern.

Vor dem Spitzenspiel spricht Lilien-Stürmer Marco Sailer im Interview mit bundesliga.de über das Saisonziel, seine Rolle im Team und warum er keinen Druck verspürt, Tore erzielen zu müssen.

bundesliga.de: Der Darmstädter Höhenflug geht weiter. Nach der 1:4-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf vor einigen Wochen hat die Mannschaft einfach fleißig weiter gepunktet. Wie hat die Truppe das angestellt?

Marco Sailer: Wir fühlen uns alle sehr gut und in unserer Arbeit bestätigt. Wir haben nach dem Aufstieg den richtigen Weg eingeschlagen. Für uns war es ein Ziel, nach der Niederlage gegen Düsseldorf gleich wieder zu punkten. Das haben wir geschafft. Wir haben aus den letzten drei Spielen gegen gute Mannschaften fünf Punkte geholt. Damit sind wir alle sehr zufrieden.

"Wir wussten nicht, wo wir stehen"

bundesliga.de: Der Erfolg ist keine Eintagsfliege. Nach einem Drittel der Saison hat Darmstadt nun 20 Punkte auf dem Konto. Wie gehen Sie mit der neuen Rolle um?

Sailer: Stand jetzt sieht es sehr gut aus. Wir haben vor allem in den Heimspielen unsere Punkte gesammelt, auswärts erst ein Spiel verloren. Das zeigt schon eine gewisse Stabilität. Trotzdem können wir uns auf den 20 Punkten noch nicht ausruhen. Wir können das sehr gut einordnen. Wir wissen, was wir können und was wir noch vorhaben.

bundesliga.de: Hätten Sie erwartet, dass der Übergang von der 3. Liga in die 2. Bundesliga so problemlos erfolgt?

Sailer: Wir hatten schon irgendwo unsere Bedenken, weil wir nicht wussten, wo wir stehen. Aber mit den Neuverpflichtungen hat der Verein alles richtig gemacht. Wir sind gut in der 2. Bundesliga angekommen. Wahrscheinlich besser als erwartet.

bundesliga.de: Sogar viel besser. Welche Mentalität steckt in der Mannschaft?

Sailer: Uns zeichnen der Teamgeist und die harte Arbeit aus. Bisher wurden wir belohnt.

bundesliga.de: Die Lilien haben vom Start weg gezeigt, dass sie mithalten können und auch im Pokal beinahe gegen Wolfsburg die Überraschung geschafft. Wie wichtig war der Start?

Sailer: Das Zutrauen ist da. Wir haben Wolfsburg geärgert und sind dann im Elfmeterschießen ausgeschieden. Das hat weh getan nach 120 Minuten harter Arbeit. Wir haben uns nicht beirren lassen und versuchen, unser Spiel auf den Platz zu bringen. Dann ist es für den Gegner schwer, gegen uns zu gewinnen.

bundesliga.de: Beschreiben Sie doch einmal Ihre Rolle in der Mannschaft. Sie sind Stürmer, haben aber in Ihrer gesamten Karriere relativ wenig Tore geschossen.

Sailer: Ich sehe mich als Zuarbeiter für die Mannschaft und als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff. Ich bin Anspielstation und kämpfe um die zweiten Bälle. Das ist meine Rolle. Natürlich würde ich mir das eine oder andere Tor mehr wünschen, das will jeder Offensivspieler. Ich habe aber auch keinen Druck, Tore machen zu müssen. Ich fühle mich in meiner Rolle ganz wohl.

bundesliga.de: Ihr erstes Tor in der 2. Bundesliga steht noch aus. Wird schon in der Mannschaft darüber geflachst?

Sailer: Bisher ist alles ruhig. Die Mannschaft kennt und versteht mich. Da ist eher Ruhe angebracht als Sprüche. Aber ich verstehe auch Spaß.

bundesliga.de: Die Gegner dürften sich auch vor allem auf Goalgetter Dominik Stroh-Engel konzentrieren, was es Ihnen etwas leichter machen dürfte.

"Wenn wir auf Platz 2 klettern können, nehmen wir das gerne mit"

Sailer: Auf jeden Fall. Für mich ist es wichtig, dass ich nicht den Druck spüren muss. Er hilft mir sehr mit seinen Toren. Dann kann ich befreiter spielen.

bundesliga.de: Am Samstag steigt das Topspiel gegen RasenBallsport Leipzig, der Dritte spielt gegen den Vierten. Ich weiß nicht, ob Sie das in Darmstadt gerne hören: Aber bei einem Sieg sind die Lilien erstmal auf Platz 2.

Sailer: Das hören wir schon gerne. Wir wollen unsere Punkte sammeln. Wenn wir auf den 2. Platz klettern können, nehmen wir den gerne mit. Unser Ziel ist aber, so viele Punkte wie möglich bis zum Winter zu sammeln. Wir haben ein Heimspiel. Bisher haben wir daheim gut gepunktet. Deshalb gehen wir mit Selbstvertrauen in das Spiel und wollen die Leipziger ärgern.

bundesliga.de: Es sind noch sieben Spiele bis zur Winterpause. Darmstadt hat jetzt schon 20 Punkte. Ab wann müsste man sich denn über neue Saisonziele Gedanken machen?

Sailer: Da müssen wir uns keine Gedanken machen, bis zur Winterpause sowieso nicht. Wenn wir dann mal die 40 Punkte haben, schauen wir auf die Tabelle und gucken, wie viele Spiele wir noch haben. Aber unser Ziel ist der Klassenerhalt, den wir so früh wie möglich schaffen wollen. Alles andere wäre gesponnen.

bundesliga.de: Tritt Ihr Trainer Dirk Schuster jetzt schon auf die Euphoriebremse oder darf vom Aufstieg geträumt werden?

Sailer: Bei uns fängt keiner an, vom Aufstieg zu träumen. Auch das Umfeld und die Fans sind ganz ruhig. Wir brauchen aber auch keine Euphoriebremse. Wir wollen einfach nur unser Spiel durchziehen. Wie gesagt, wir wollen Punkte sammeln.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski