Köln - Sechs Spieltage vor Saisonende steht RB Leipzig mit drei Punkten Vorsprung auf den 1. FC Nürnberg auf Platz 2 der Tabelle der 2. Bundesliga. Auf dem Papier hat die Elf von Trainer Ralf Rangnick ein machbares Restprogramm. Vor dem Montagabendspiel bei Fortuna Düsseldorf spricht RB-Verteidiger Marcel Halstenberg über die Leipziger Aufstiegschancen und seinen Traum von der Bundesliga.

bundesliga.de: Marcel Halstenberg, das Aufstiegsrennen spitzt sich immer mehr zu, wie schätzen Sie die Ausgangssituation von RB Leipzig sechs Spieltage vor Saisonende ein?

Marcel Halstenberg: Wir sind auf jeden Fall guter Dinge und wollen natürlich direkt aufsteigen. Wir haben aber auch die nötige Lockerheit und arbeiten unter der Woche daran, dass wir im nächsten Spiel wieder drei Punkte holen. Wir schauen zwar auch auf die anderen Konkurrenten aus Freiburg und Nürnberg. Aber entscheidend ist: wir haben alles in der eigenen Hand. Und wenn wir die letzten sechs Spiele gut bestreiten und möglichst alle sechs gewinnen, steht dem direkten Aufstieg nichts mehr im Weg.

bundesliga.de: RB Leipzig hat sogar noch einen Joker und kann sich auch ein Unentschieden leisten. Wie kompliziert ist die Situation, wenn man Spiel um Spiel gewinnt und sich trotzdem nicht absetzen kann?

Halstenberg: Es ist ein heißes Rennen. Es geht uns nicht anders als Freiburg und Nürnberg. Wenn wir gewinnen, siegen die anderen beiden auch. Wir müssen zusehen, dass wir unsere Spiele gewinnen.

bundesliga.de: Was macht Sie zuversichtlich? Was spricht für RB Leipzig?

Halstenberg: Wir sind ein eingeschworenes Team und haben eine super Mannschaft. Wir haben uns auch im letzten Jahr schon gut entwickelt. In der Mannschaft steckt eine enorme Qualität, wir haben einen starken Kader. Wenn jemand ausfällt, haben wir gleichwertige Spieler, die auf den Positionen dann nachrücken können.

"Rangnick hat mich ziemlich schnell überzeugt"

bundesliga.de: Wie erleben Sie den Trainer Ralf Rangnick in der Schlussphase der Saison? Wie ist seine Ansprache?

Halstenberg: Er ist wie immer. Vielleicht ist das ganze Trainerteam jetzt noch ein Stück weit angespitzter, weil es nur noch sechs Spieltage sind, aber insgesamt sind wir vor allem eins: sehr fokussiert.

bundesliga.de: Sie sind kurz nach Saisonstart nach Leipzig gewechselt. Es war auch zu lesen, dass Hannover an Ihnen interessiert hat. Wenn Sie sich die Entwicklung angucken, haben Sie mit dem Wechsel alles richtig gemacht?

Halstenberg: Es war zu 100 Prozent die richtige Entscheidung. Ich fühle mich in Leipzig richtig wohl. Es ist eine schöne Stadt, der Verein ist sehr gut. Wir haben große Ziele. Die hat mir Ralf Rangnick bei unserem Kennenlernen auch klar verdeutlicht. So hat er mich auch ziemlich schnell überzeugt. Ich bin sehr zufrieden hier.

bundesliga.de: Sie haben die meisten Spiele in der Startelf gestanden, wurden manchmal eingewechselt und haben auch einmal verletzt gefehlt. Wie bewerten Sie Ihren Stellenwert in der Mannschaft?

Halstenberg: Ich denke, ich bin ein Teil einer sehr guten Mannschaft und sicher auch wichtig. Ich habe 20 Spiele für Leipzig bestritten, zwei Tore erzielt, ich werde mich immer voll einbringen. Das große Ziel der Mannschaft ist der Aufstieg, das ist das Wichtigste.

bundesliga.de: Sie haben zwei Jahre in Dortmund gespielt und entfernt an der Bundesliga geschnuppert. Was würde Ihnen jetzt ein Aufstieg mit RB Leipzig bedeuten?

Halstenberg: Für mich würde ein Traum in Erfüllung gehen. Jeder kleine Junge, der anfängt Fußball zu spielen und Profi-Sportler sein möchte und es dann auch wird, hat den Traum Bundesliga. Wenn der Aufstieg klappen würde, wäre ich sehr happy und hätte jedenfalls ein kleines Ziel meiner Laufbahn erreicht.

"Fortuna wird versuchen mitzuspielen"

bundesliga.de: Wenn man einen Blick auf das Leipziger Restprogramm wirft, sieht es so als, als hätte die Mannschaft alle dicken Brocken hinter sich. Es stehen nur noch Spiele gegen Vereine aus dem Mittelfeld und dem Keller der Tabelle an. Macht das die Aufgabe aber vielleicht sogar komplizierter?

Halstenberg:Es wird sehr spannend. Wir haben einige Gegner, die gegen den Abstieg spielen. Das werden ganz sicher noch heiße Duelle.

bundesliga.de: Das erste davon steigt am Montag bei Fortuna Düsseldorf, einer Mannschaft, die nach einem erneuten Trainerwechsel zuletzt wieder punktete. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Halstenberg: Wir werden keinen Gegner unterschätzen. Düsseldorf wird keine Mannschaft sein, die sich hinten reinstellt und uns spielen lässt. Ich denke, dass die Fortuna versuchen wird mitzuspielen und alles dagegegen setzt, was in ihnen steckt. Wir versuchen natürlich wieder, unser Spiel auf den Platz zu bekommen und die drei Punkte mit nach Leipzig zu nehmen.

bundesliga.de: Das Schlimmste, was Leipzig realistisch betrachtet noch passieren könnte, wäre die Relegation. Wie würden Sie damit umgehen?

Halstenberg: Wir beschäftigen uns nicht mit dem Szenario der Relegation, Wir wollen, wie gesagt, direkt aufsteigen. Aber wir dürften dann auch nicht den Kopf hängen lassen, wenn es am Ende der Relegationsplatz würde. Wir hätten dann noch einmal zwei Spiele, in denen es um alles geht und auf die wir dann auch sehr gut vorbereitet sein würden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski