Köln - Eintracht Braunschweig bleibt derzeit in der 2. Bundesliga das Maß aller Dinge. Die Niedersachsen führen die Tabelle mit bereits fünf Punkten Vorsprung auf Platz 2 an und treten nun am Freitag beim starken Aufsteiger Dynamo Dresden an. Vor dem Spiel in Sachsen spricht Eintracht-Kapitän Marcel Correia im Interview mit bundesliga.de über sein Comeback, das Erfolgsgeheimnis von Trainer Torsten Lieberknecht und die Aufstiegschancen der Eintracht.

bundesliga.de: Marcel Correia, mit Ihnen ist nun bei Eintracht Braunschweig wieder der Kapitän mit an Bord. Nach Ihren langen Verletzung haben Sie zuletzt dreimal gespielt und dabei dreimal gewonnen. Wie gut hat es Ihnen getan, dass Ihr Comeback so erfolgreich veraufen ist?

Marcel Correia: Es ist gut gelaufen und darf auch gerne so weiter gehen. Mein Körper hat alles sehr gut ausgehalten. Für mich war es natürlich auch einfacher, in eine funktionierende und erfolgreiche Mannschaft zurückzukommen. Wenn man dann die Spiele mit drei Punkten beenden kann, ist das sehr positiv. Anfangs musste ich mich noch ein bisschen anpassen, bevor ich mich dann auch wieder selbst entfalten konnte. Ich habe gemerkt, dass die sieben Monate, die ich gefehlt habe, sehr lang waren.

bundesliga.de: Sind Sie jetzt wieder von der Fitness her in der Lage, Woche für Woche über 90 Minuten zu spielen?

Correia: Zurzeit fühlt sich alles gut an. Die vergangenen beiden Spiele habe ich, wie gesagt, gut verkraftet. Ich bin zufrieden mit meiner Fitness. Die kommenden Partien werden mich noch weiter und näher an meine Topform bringen.

"Wir dürfen jetzt definitiv nicht nachlassen"

bundesliga.de: Die Eintracht hat nicht nur mit Ihnen dreimal gewonnen, sondern auch acht der ersten zehn Partien für sich entscheiden können. Inwiefern besitzt die Tabelle für Sie bereits Aussagekraft?

Correia: Wir haben erst zehn Spieltage hinter uns und wissen, dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt. Wir sind uns auch bewusst, dass wir bisher eine sehr gute Runde spielen. Wir dürfen jetzt definitiv nicht nachlassen, weil es in der 2. Bundesliga Woche für Woche enge Ergebnisse gibt. Wir sind gut beraten, jetzt weiterzuarbeiten und nicht in Träumereien zu verfallen.

bundesliga.de: Trotzdem gibt es die eine oder andere Parallele zur Aufstiegssaison 2012/13, als die Eintracht nach zehn Spieltagen ebenfalls Tabellenführer war und mit 26 Punkten sogar einen Punkt mehr holte als aktuell. Braunschweig hat gezeigt, dass es konstant durch eine Saison marschieren kann. Gibt einem das ein gutes Gefühl?

Correia: Wir wissen, dass es funktioniert. Das stimmt. Wir wissen aber auch, dass es nur funktioniert, wenn man den Fokus der ersten zehn Spieltage aufrechterhalten kann. Sollten wir nicht Woche für Woche am Limit spielen, wird es schwierig. Wir haben damals die Erfahrung gemacht, dass es nötig ist, wirklich an 34 Spieltagen alles zu geben.

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"Torsten Lieberknecht achtet auf die Nuancen"

bundesliga.de: Sie sind schon seit 2011 in Braunschweig und haben alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Was ist das Besondere an dem Verein? Was gefällt Ihnen besonders gut bei der Eintracht?

Correia: Bisher hatte ich einen Trainer. Das ist sehr positiv, weil man merkt, dass diese kontinuierliche und akribische Arbeit des Coaches gut tut. Diese Konstanz auf dem Trainerposten und auch auf anderen Positionen beleben einen Verein. Wenn man über den Tellerrand schaut, sieht man, dass dies nicht alltäglich ist, was wir in Braunschweig vorfinden. Wir haben ein sehr familiäres Umfeld und durchweg positiv-verrückte Fans. Man weiß zu schätzen, dass man Woche für Woche im Eintracht-Stadion auflaufen darf, welche Stimmung im Stadion herrscht und mit welchen Emotionen die Fans mitgehen.

bundesliga.de: Wie schafft es Torsten Lieberknecht, so viele Jahre so erfolgreich zu arbeiten? Wie kommen Sie mit ihm zurecht?

Correia: Nach fünfeinhalb Jahren hat man natürlich eine andere Beziehung zum Coach. Ich denke, als Trainer bleibt man bei einem Verein auch nur eine so lange Zeit, wenn man auch selbst bereit ist, sich immer wieder weiterzuentwickeln und sich auch den Gegebenheiten anzupassen. Torsten Lieberknecht geht es um jedes kleinste Detail, er achtet auf die Nuancen. Das macht ihn aus. Dieses in gewisser Hinsicht "Kleinkarierte" ist keinesfalls negativ gemeint, sondern absolut positiv. Wenn man die Qualität der Mannschaften der 2. Bundesliga sieht, weiß man, dass es eben auf diese Kleinigkeiten ankommt.

"Auch in Dresden treten wir an, um zu gewinnen"

bundesliga.de: Überrascht es Sie, dass die vermeintlich hohen Favoriten aus Stuttgart und Hannover die 2. Bundesliga noch nicht dominieren und offensichtlich noch ein paar Anpassungsprobleme haben?

Correia: Man sieht fast in jedem Jahr, dass es die Absteiger nicht leicht haben, weil die 2. Bundesliga doch etwas anders ist. Es spricht auch für die Qualität der Liga, dass es keinen Durchmarsch der Absteiger gibt.

bundesliga.de: Als Ziel kommuniziert die Eintracht stets, dass sie sich in den Top 25 in Deutschland etablieren will. Ein Platz in den Top 20 würde in diesem Jahr den Aufstieg bedeuten.

Correia: (lacht) Die Top 20 sind ja in den Top 25 mit inbegriffen. An unserem Ziel wird sich nichts ändern. Wir tun gut daran, akribisch und fokussiert zu arbeiten. Was von außen herbeigewünscht wird, beeinflusst uns nicht.

bundesliga.de: Die Eintracht gastiert nun am Freitag bei Dynamo Dresden, wo der VfB Stuttgart vor zwei Wochen mit 0:5 unterging. Wie schätzen Sie die Sachsen ein?

Correia: Es wird ein schwieriges, kampfbetontes Spiel. Dresden ist eine Mannschaft, die gute Fußballer in ihren Reihen hat und Fußball spielen will. Das von Ihnen angesprochene Ergebnis gegen Stuttgart zeigt, welche Qualität die Mannschaft besitzt, wenn man sie spielen lässt. Aber wie in allen anderen Spielen auch, treten wir in Dresden an, um dort zu gewinnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski