Die Blütezeit des TSV 1860 München liegt schon ein paar Jahrzehnte zurück. In den Sechziger Jahren wurden die "Löwen" Deutscher Meister (1966), Pokalsieger (1964) und sie erreichten 1965 das Finale im Europapokal der Pokalsieger. Damals stand 1860 in München in der Gunst der Fans mindestens so hoch wie der FC Bayern.

Die Zeiten haben sich geändert. Heute ist es erheblich schwerer geworden, im Schatten des großen FC Bayern neue und junge Fans für den Lokalrivalen TSV zu begeistern. Aber natürlich nicht unmöglich: So zählt der TSV 1860 derzeit mehr als 540 Mitglieder in seinem "Junge Löwen Club", den die Münchner erst im Juli 2008 gegründet haben.

"Damit sind wir sehr zufrieden. Denn wir wissen, dass der sportliche Erfolg normalerweise ganz entscheidend für Kinder ist, für welchen Verein sie sich entscheiden. Und da ist uns der FC Bayern erheblich voraus", weiß Timo Schiller, Leiter der Marketingabteilung der Löwen und verantwortlich für den Junge Löwen Club.

"Nachteil kompensieren"

So sind die Kinder, die zu den "Löwen" halten, in den Münchner Schulklassen meist klar in der Unterzahl im Vergleich zu den jungen FC-Bayern-Fans. "Wenn der FC Bayern am Wochenende in der Bundesliga 4:0 gegen Eintracht Frankfurt gewinnt und der TSV in der 2. Bundesliga 2:3 gegen Koblenz verliert, dann haben es unsere jungen Fans natürlich nicht leicht. Aber wir haben im Junge Löwen Club sehr attraktive Angebote, die diesen Nachteil kompensieren können", sagt Schiller.

So erhalten die Kinder im Alter bis 13 Jahren ein Begrüßungspaket mit einem Junge-Löwen-Schweißband, Tattoo-Set, Aufkleber, Cluburkunde und einem Clubausweis. Am verlockendsten sind aber die Aktionen, die rund um Heimspiele angeboten werden. Jeweils 30 Kinder werden ausgewählt, die vor Anpfiff den Weg der Mannschaft ablaufen dürfen: durch den Spielertunnel, die Mixed Zone plus eine Runde durchs Stadion.

Guter Kontakt zu den Spielern

Außerdem finden regelmäßige Veranstaltungen statt, bei denen sich pädagogische Ansätze und der reine Spaß an der Freude gut vermischen: Besuche einer Ausstellung über gesunde Lebensmittel oder ein Ausflug in den Wildpark Poing. Und immer begleitet von einem Profi des TSV 1860 München, der für Gespräche und Autogramme zur Verfügung steht.

"Die große Spielernähe ist ein starkes Argument für unsere Mitglieder. Wenn sie in ihren Schulklassen erzählen können, dass sie am Tag vorher etwas mit Benni Lauth unternommen haben, dann federt das den sportlichen Wettbewerbsnachteil erheblich ab. Sie können dann erzählen: Das war cool", argumentiert Timo Schiller.

Zwei Maskottchen beim TSV

Als einziger Club der Bundesliga und 2. Bundesliga haben die "Löwen" gleich zwei Maskottchen: das "Sechzger" und "Sechzgerl"; den älteren und den jüngeren Löwen. Es symbolisiert die starke familiäre Verbundenheit, die üblicherweise in Familien mit Liebe zum TSV 1860 herrscht: Schon der Opa und Vater sind früher ins Grünwalder Stadion gegangen, also gehen heute Sohn oder Tochter zu den "Sechzgern".

Diese Liebe wurde in den magersten Zeiten des TSV in den achtziger Jahren und dem Absturz in die Bayernliga auf eine harte Probe gestellt. "Damals haben wir quasi eine ganze Generation Fans verloren", bedauert Schiller. Dank des Junge Löwen Clubs wird den Löwen eine zweite "Lost Generation" diesmal wohl erspart bleiben.

Stefan Kusche