Tae-Se Jong ist endgültig in Bochum angekommen. Kurz nach dem ersten Training des Nordkoreaners mit der Mannschaft und vor dem Laktat-Test unserer WM-Fahrer blieb noch Zeit für die offizielle Vorstellung des Neuzugangs.

Zahlreiche Medienvertreter, darunter auch asiatische, dokumentierten das Interesse am ersten Nordkoreaner im deutschen Profifußball. Im Mittelpunkt: Tae-Se Jong, die neue Bochumer Sturmhoffnung aus Fern-Ost. Der hatte nur wenige Stunden zuvor erstmals mit seinen neuen Teamkollegen bereits die erste Einheit auf dem Rasen im Stadion am Hessenteich in Langendreer hinter sich gebracht und dabei laut VfL-Coach Friedhelm Funkel bereits eine äußerst gute Figur abgegeben.

"Abwicklung verlief völlig problemlos"

Dem positiven ersten Eindruck auf dem Platz stand die anschließende offizielle Vorstellung des WM-Teilnehmers in nichts nach. Im schicken grauen Anzug nahm Tae-Se Jong neben VfL-Vorstand Thomas Ernst und Übersetzer Till Knaudt auf dem Podium Platz, grüßte zuvor höflich in die Runde und überraschte dabei einen Journalisten mit einer Kostprobe jüngst erworbener Deutsch-Kenntnisse: "Guten Tag. Haben Sie gut geschlafen?".

"Wir freuen uns, dass der Transfer geklappt hat", eröffnete Thomas Ernst. "Der Wechsel von Tae-Se Jong erforderte eine lange Vorbereitungszeit. Letztlich wurden aber alle zuvor getätigten Absprachen eingehalten, so dass die Abwicklung völlig problemlos verlief."

Bereits im Vorfeld der WM sei man auf den gebürtigen Japaner aufmerksam geworden. Während eines Trainingslager-Aufenthaltes der Nordkoreaner in Österreich habe sich dann die Gelegenheit ergeben, den Spieler live zu sichten. "Jong hat uns dabei sehr gut gefallen, daraufhin sind wir in Kontakt getreten. Nur während der Weltmeisterschaft war der direkte Zugriff nicht möglich. Daher konnte der Transfer erst nach dem Ausscheiden der Nordkoreaner über die Bühne gehen", erklärte Ernst die besonderen Umstände des Spielerwechsels.

46 Treffer in 111 J-League-Spielen

Und Jong? Die neue Nummer 13 - die im Übrigen die japanische Namensschreibweise "Chong Tese" auf dem Trikot bevorzugt - gab sich asiatisch höflich, in seinen Aussagen aber zielstrebig: "Die Stadt gefällt mir sehr gut. Es war immer mein Traum, in Europa zu spielen. Ich habe in Bochum sehr viel vor, möchte viele Tore schießen und unbedingt in die 1. Bundesliga aufsteigen."

Der VfL war ihm durch Shinji Ono bereits ein Begriff, nun sei er besonders gespannt darauf, wie groß der Unterschied zwischen der japanischen J-League und der 2. Bundesliga wohl sei. Für seinen alten Club Kawasaki Frontale schoss Jong in 111 Liga-Spielen 46 Tore - eine stolze Quote.

"In Japan gehörte ich zu den besonders körperbetonten Spielern. Bei der WM habe ich dann andere Erfahrungen machen müssen, denn meine Gegenspieler waren alle sehr stark. Wichtig wird die richtige Mischung aus Schnelligkeit und körperbetonter Spielweise sein", findet der Nordkoreaner, der alle drei Vorrunden-Spiele für sein Land über die volle Distanz bestreiten durfte.

"...da sind mir die Tränen gekommen"

Befragt zu seinen Tränen beim Abspielen der nordkoreanischen Nationalhymne vor dem Match gegen Brasilien: "In dieser Situation wurde mir erst so richtig bewusst, dass mein großer Traum, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, wahr geworden ist. Ich habe dann an meine stolzen Eltern gedacht, da sind mir einfach die Tränen gekommen", so Jong, der sich direkt im Anschluss zu einem weiteren persönlichen Mythos äußern durfte.

Sieht er sich nun eher als Wayne Rooney oder doch eher als Didier Drogba Asiens? "Vor der WM wäre ich gerne der Drogba Asiens geworden. Dann habe ich aber Rooney gesehen und will jetzt doch lieber wie er sein", ließ Jong übersetzen und hatte dabei sichtliches Vergnügen an der heiteren Reaktion der anwesenden Presse-Vertreter.

Zum Abschied gab´s dann noch mal ein paar Worte in fast akzentfreiem Deutsch: "Auf eine gute Saison!", so beschloss Tae-Se Jong seine erste Pressekonferenz auf europäischem Boden. Dem ist nichts hinzuzufügen.