Zusammenfassung

  • Nach dem Stadtderby ist der Spielmacher mit dem Ergebnis nicht zufrieden.

  • Holtby lobt aber die Defensive für zwei Zu-Null-Spiele in Folge.

  • Holtby mahnt Ruhe im Umfeld an und verlangt mehr Zeit für die Entwicklung der jungen Spieler.

Hamburg - Das Hamburger Stadt-Derby zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli endete mit einem 0:0. Der HSV steht zwar zumindest bis Montagabend noch auf Tabellenplatz drei, wartet nun allerdings bereits seit drei Spielen auf einen Sieg. Nach dem Derby stellte sich HSV-Mittelfeldspieler Lewis Holtby den Fragen.

Frage: Herr Holtby, wie ist Ihre Gefühlslage nach dem Derby?

Lewis Holtby: Ich bin sehr enttäuscht, weil ich uns als die bessere Mannschaft empfunden habe. Wir waren dominant, St. Pauli stand tief. Leider waren wir vorne nicht konsequent genug. Am meisten enttäuscht bin ich über die letzten 15 Minuten, weil wir da nicht an unserem Plan festgehalten haben, sondern den Ball einfach nach vorne geschossen haben. Vorne hat uns etwas gefehlt. Wir müssen wieder dahin kommen, was uns stark gemacht hat und warum wir die Fans überhaupt ins Stadion bekommen haben. Wir müssen einen klaren Plan haben und zielstrebig nach vorne spielen.

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Lewis Holtby brüllt seinen Frust nach der verpassten Siegchance im Stadtderby heraus
Lewis Holtby brüllt seinen Frust nach der verpassten Siegchance im Stadtderby heraus © gettyimages / Oliver Hardt/Bongarts

Frage: Seit drei Spielen hat der HSV nicht mehr gewonnen. Wo genau liegen die Probleme?

Holtby: Man darf nicht vergessen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, die ihre Qualität hat, sich aber auch erst einmal finden und die Liga annehmen muss. Wir müssen in Ruhe arbeiten. Aber das mit dem "in Ruhe arbeiten" wird immer schwieriger, weil von außen immer so viel Negatives kommt. Klar: Wenn man 0:5 verliert (der HSV unterlag am 6. Spieltag dem SSV Jahn Regensburg in dieser Höhe, Anm.d.Red.), ist das scheiße. Aber trotzdem: Hier gibt es immer so viel Gegenwind. Erst ist alles super und wir haben den Heilsbringer, dann ist alles wieder scheiße. Dann wird da wieder was gesteckt und hier wieder etwas gesteckt. Da kriege ich das Kotzen. Das ist für eine junge Mannschaft schwierig, weil die alles mitbekommen. In dieser Mannschaft steckt etwas, das nicht entfacht wird. Das ist bitter und das macht mich aggressiv.

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"Wir spielen gut bis vor das gegnerische Tor, machen viele Dinge richtig, spielen uns dann aber keine Torchancen heraus, weil wir im entscheidenden Moment nicht die richtige Entscheidung treffen." Lewis Holtby (Hamburger SV)

Frage: Zum Ende der vergangenen Saison wurde der HSV trotz des Abstiegs gelobt, weil die Mannschaft einen mutigen Fußball gespielt hat. Nun hat der HSV seit drei Spielen kein Tor mehr geschossen. Fehlt dieser Mut momentan?

Holtby: Ja, natürlich. Es liegt an uns Spielern, dass wir nicht das übertragen, was wir uns vorgenommen haben. Wir Spieler sind in der Pflicht, vorne noch kreativer und torgefährlicher zu werden. In den letzten beiden Spielen waren wir defensiv stabil. Das musste nach dem desaströsen Spiel gegen Regensburg auch sein. Aber jetzt ist es an der Zeit, wieder zu gewinnen. Wir wollten unbedingt den Derbysieg. Nun müssen wir im nächsten Spiel gewinnen. Das war noch nicht der 34. Spieltag, sondern erst der achte. Also weiter arbeiten, Mund halten, endlich wieder gewinnen und Tore schießen.

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Frage: Zurück zum Derby. Warum fiel es der Mannschaft so schwer, Torchancen zu kreieren?

Holtby: St. Pauli stand tief. Sie haben die Räume zugemacht. Wir müssen gegen jeden Gegner Lösungen finden, um uns durchzukombinieren, die Eins-gegen-Eins-Situationen zu gewinnen und zum Abschluss zu kommen. Wir haben oft die falschen Entscheidungen getroffen, sind ins Dribbling gegangen, haben den Ball zu weit gespielt oder verstolpert. Das müssen wir besser machen. Das sind die Kleinigkeiten, die letztendlich zum Sieg führen können. Wir spielen gut bis vor das gegnerische Tor, machen viele Dinge richtig, spielen uns dann aber keine Torchancen heraus, weil wir im entscheidenden Moment nicht die richtige Entscheidung treffen.

Als Antreiber im Mittelfeld geht Lewis Holtby beim Hamburger SV voran
Als Antreiber im Mittelfeld geht Lewis Holtby beim Hamburger SV voran © gettyimages / Oliver Hardt/Bongarts

Frage: War die Mannschaft aufgrund der Derby-Atmosphäre vielleicht etwas verkrampft?

Holtby: Nein, das glaube ich nicht. Aber wie gesagt: Wir haben viele junge Spieler und die sammeln neue Eindrücke. Einige haben erst 20 oder 25 Profispiele gemacht – wenn überhaupt. Wir älteren Spieler sind gefragt, die Jungs mitzuführen und Ruhe reinzubringen. Vielleicht lag das Problem eher darin, dass wir die letzten Tage eine Tingeltangel-Tour hatten. Wir kamen erst vor zwei Tagen mit der Bahn aus Fürth zurück. Vielleicht steckte das noch in den Beinen. Jetzt müssen wir erst einmal etwas regenerieren. Die letzten zwei Wochen waren sehr intensiv – auch mit dem Nachholspiel in Dresden. Nun heißt es, Ruhe bewahren, Fresse halten und Gas geben. Wir werden jetzt hier nicht alles in Frage stellen. Das wäre absoluter Nonsens. 

Aus Hamburg berichtet Oliver Jensen