Nach einer langen Durststrecke hat die Weltmetropole Berlin endlich wieder zwei Fußballvereine im deutschen Profifußball. Der 1. FC Union Berlin stand als erster Aufsteiger aus der 3. Liga fest und spielt nach fünf Jahren Abstinenz wieder in der 2. Bundesliga.

Architekt des Erfolges ist Uwe Neuhaus. Der Trainer übernahm die "Eisernen" vor zwei Jahren und führte sie ohne Zwischenstopp von der Regionalliga nach oben. Im Interview mit bundesliga.de spricht er über seine Meinung zu Trainingslagern, das Duell gegen Pokalsieger Werder Bremen und die Fans von Union.

bundesliga.de: Herr Neuhaus, worauf achten Sie im Trainingslager besonderen?

Uwe Neuhaus: Ich lege gar nicht so einen besonderen Wert auf Trainingslager. Die Vorbereitung ist unglaublich hart und anstrengend, da müssen vor allem die Regenerationsphasen stimmen. Im Trainingslager gibt es viele mögliche Störfaktoren, angefangen vom Essen, über ungewohnte Betten bis hin zur fremden Umgebung. Vieles spricht also dafür, zu Hause zu bleiben.

bundesliga.de: Im Trainingslager sind auch immer Fans zu Gast, die dort sozusagen ihren Jahresurlaub verbringen. Finden Sie trotz intensiver Vorbereitung Zeit, für das eine oder andere Gespräch mit den Union-Anhängern vor Ort?

Neuhaus: Natürlich findet man im Trainingslager auch mal Zeit, sich mit den Fans auszutauschen, aber auch das geht am heimischen Trainingsplatz sehr gut. Da schauen auch jeden Tag Fans vorbei.

bundesliga.de: Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an den "Eisernen"?

Neuhaus: Ganz klar die positive Verrücktheit. Hier stehen die Leute absolut hinter der Mannschaft und die Unterstützung wird sogar stärker, wenn wir mal in Rückstand geraten. Überragend natürlich auch der Umbau der "Alten Försterei"...

bundesliga.de: Apropos "Alte Försterei". Haben Sie in all Ihren Jahren im Fußballgeschäft schon einmal erlebt, dass die Fans so involviert wurden?

Neuhaus: Nein, das ist einmalig - so ein Projekt hat es noch nicht gegeben und ich glaube kaum, dass wir sowas so schnell irgendwo anders sehen werden. Man kann nur den Hut ziehen, vor so viel Hingabe!

bundesliga.de: Sie haben Union von der Regionalliga in die 3. Liga und nun in die 2. Bundesliga geführt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Neuhaus: Harte, ehrliche, kontinuierliche Arbeit. Klingt einfach, aber ich glaube daran, dass man damit viel erreichen kann.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie sich für die neue Saison gesteckt?

Neuhaus: Wir sind Aufsteiger, damit ist es zunächst mal wichtig, die Umstellung zu schaffen und die Klasse zu halten.

bundesliga.de: John Jairo Mosquera ist der Wunschstürmer von Christian Beeck. Schließen Sie sich Ihrem Sportdirektor an? Und was macht Mosquera so besonders?

Neuhaus: Wir haben da eine hohe Übereinstimmung! Wir haben ja einen bestimmten Stürmertyp gesucht und in ihm auch gefunden. Er ist groß und schwer zu halten, dabei aber auch schnell und beweglich.

bundesliga.de: Union hat sich eher ruhig auf dem Transfermarkt verhalten, mit Björn Brunnemann und Dominic Peitz aber zwei Zweitliga-erfahrene Mittelfeldspieler geholt. Welche Rolle spielen beide Akteure für Sie?

Neuhaus: Sie haben Bernd Rauw vergessen, auch er bringt Zweitligaerfahrung mit. Alle drei haben Qualitäten, die uns helfen können. Konkurrenzkampf auf allen Positionen tut uns gut und erhöht auch die Trainingsqualität - keiner kann sich hängenlassen.

bundesliga.de: Am Sonntag beginnt der Ernst des Lebens. Im DFB-Pokal empfängt Union daheim Titelverteidiger Werder Bremen. Klingt nach einem würdigen ersten Pflichtspielgegner in der neuen "Alten Försterei"?

Neuhaus: Absolut, es ist der Titelverteidiger - viel würdiger geht es ja nicht in einem Wettbewerb. Wir werden alles versuchen, dem Favoriten ein Bein zu stellen. Die Unterstützung der Fans ist jedenfalls da, das Stadion war innerhalb von einer Woche ausverkauft.

bundesliga.de: In dieser Phase der Vorbereitung weiß noch keine Mannschaft so recht, wo sie wirklich steht. Könnte das ein Vorteil für das Pokalspiel für Union sein?

Neuhaus: Könnte sein, aber das gilt ja auch für uns. Auch wir wissen noch nicht genau, wo wir stehen. Wir werden unsere Leidenschaft in die Waagschale werfen, dürfen aber auch nicht ins offene Messer laufen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz