Karlsruhe - Reinhold Yabo suchte nach einem Bild, das zumindest andeuten könnte, wie er sich fühlt. Schließlich sagte der Mittelfeldspieler des Karlsruher SC: "Wenn man das Gefühl messen könnte, wie es ist, wenn das Herz herausgerissen wird, dann würde es das gut beschreiben.“

Reinhold Yabo hätte der große Aufstiegsheld des KSC werden können. Gerade eingewechselt, erzielte er das 1:0 im  Relegations-Rückspiel gegen den Hamburger SV (78.). Doch dann musste er mitansehen, wie Marcelo Diaz in der ersten Minute der Nachspielzeit doch noch den Ausgleich für den HSV nach einem umstrittenen Freistoß erzielte, und dem Bundesligasechzehnten so nach dem 1:1 im Hinspiel die Verlängerung rettete. Und als Nicolai Müller schließlich in der zweiten Hälfte der Extrazeit das 2:1 für die Norddeutschen machte (116.), waren die Karlsruher Aufstiegshoffnungen gestorben. "Fußball“, sagte KSC-Manager Jens Todt, "kann so wehtun. Eine schlimmere Dramaturgie kann man sich nicht ausdenken.“ 

"Die Enttäuschung ist riesig"

Der KSC verlangte den Hamburgern alles ab und verfehlte nach dem Abstieg 2009 und dem zwischenzeitlichen Abrutschen in Liga drei die Rückkehr in die Bundesliga unglücklich und sehr knapp. „Die Enttäuschung ist riesig“, gab dann auch KSC-Trainer Markus Kauczinski zu. Wie auch nicht, nach diesem mitreißenden Kampf über zwei Spiele und eine Verlängerung, an dessen Ende der KSC nur Komplimente aber nicht den so ersehnten Aufstieg gewinnen konnte? 

Doch die Karlsruher erspielten sich vor großer Kulisse und unter Beobachtung der landesweiten Öffentlichkeit in den letzten Tagen große Sympathien. So langsam bekommen auch über die Stadtgrenzen hinaus die Fußball-Interessierten mit, welch beeindruckende Aufbauarbeit Kauczinski und Todt in den letzten beiden Jahren mit kleinem Budget in Baden leisten. Nach dem Aufstieg vor zwei Jahren und Platz fünf in der letzten Saison, steigerte sich die Elf erneut und schaffte Relegationsplatz drei – obwohl der nach einer bitteren 0:1-Niederlage gegen Darmstadt drei Spieltage vor Saisonende schier unerreichbar schien. "Wir haben uns nach  dem Darmstadt-Spiel noch einmal aufgerafft, obwohl wir totgesagt waren. Die Mannschaft hat Großartiges geleistet“, sagte Manager Todt.

"Wir waren eigentlich klinisch tot"

Und auch Präsident Ingo Wellenreuther lobte die sportlich Verantwortlichen, er sagte: "Vor drei Jahren musste ich hier schon einmal sprechen, damals sind wir in die Dritte Liga abgestiegen und waren eigentlich klinisch tot. Seitdem haben wir uns neu gefunden, einiges aufgebaut und die Stimmung im gesamten Verein ist hervorragend. Markus Kauczinski und Jens Todt haben hier ein hervorragendes Team geformt.“

Die starke Leistung erkannte auch das Karlsruher Publikum an. Nach dem Abpfiff feierten die Fans die Mannschaft beeindruckend - ein schwacher, aber immerhin ein Trost im Gefühl der bitteren Niederlage. "Es haben drei, vier Minuten gefehlt, um den Traum wahrwerden zu lassen“, haderte Trainer Kauczinski, der seine niedergeschlagen am Boden liegenden Spieler nach dem Abpfiff wieder auf die Beine zog. Es geht weiter, sollte das zeigen. Aber dumpfe Kampfansagen waren von den wohltuend reflektierten KSC-Verantwortlichen nicht zu hören. Manager Jens Todt sagte: "Wir schütteln uns jetzt ein paar Mal und dann nehmen wir einen neuen Anlauf.“

Aus Karlsruhe berichtet Tobias Schächter