Regensburg - Markus Weinzierl ist seit zehn Jahren bei Jahn Regensburg - zunächst als Spieler, dann als Trainer. Im Interview mit bundesliga.de erklärt er, warum er stolz auf eine Mannschaft ist, die sich trotz der Außenseiterrolle viel vorgenommen hat.

bundesliga.de: Herr Weinzierl, wir fallen gleich mit der Tür ins Haus: Belastet es Ihre Mannschaft nicht, dass Sie als neuer Trainer in Augsburg im Gespräch sind?

Markus Weinzierl: Gar nicht. Ich habe der Mannschaft erklärt, dass es auch ein Lob für die Mannschaft ist, wenn ich als Trainer eines Drittligisten mit einem Bundesligisten in Verbindung gebracht werde. Ich bin doch von nichts mehr abhängig als von der Mannschaftsleistung.

bundesliga.de: Und das hat gewirkt?

Weinzierl: Die Mannschaft hat jedenfalls im letzten Spiel gegen Jena garantiert nicht schlechter gespielt als vorher.

bundesliga.de: Sie haben in Regensburg in den letzten zehn Jahren nicht immer so schöne Zeiten wie gerade erlebt. Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Weinzierl: Die Vorfreude ist enorm. Man wird in der Stadt ständig auf den Jahn angesprochen und auch die Zuschauerzahlen haben zuletzt deutlich angezogen. Wir waren 2003 zum letzten Mal in der 2. Bundesliga und hatten danach eine ziemliche Durststrecke, dementsprechend groß scheint hier der Nachholbedarf zu sein. Das Stadion war jedenfalls blitzschnell ausverkauft.

bundesliga.de: Überhaupt hat Regensburg ja eine gewisse Fußballtradition.

Weinzierl: Auf jeden Fall. In der 2. Bundesliga waren alle Spiele ausverkauft, und auch eine Liga drunter haben wir schon mal 8000 Fans zuhause. Da brauchen wir uns, glaube ich, nicht zu verstecken.

bundesliga.de: Zumal Sie vor dieser Saison eher bescheidene Ziele ausgelobt hatten. Der Klassenerhalt hätte genügt...

Weinzierl: Stimmt. Wir hätten hier schon allerbeste Laune gehabt, wenn wir nicht abgestiegen wären. Jetzt sind wir auf Platz 3 gelandet. Dass das mit so einem kleinen Kader gelungen ist, spricht wirklich für die Mannschaft.

bundesliga.de: Dabei haben Sie eine ziemliche Achterbahnfahrt hinter sich. Der Jahn ist prima in die Saison gestartet, stand im Winter auf einem Aufstiegsrang, ist dann zurückgefallen...

Weinzierl: Mit uns hatte keiner mehr gerechnet. Nach der Niederlage gegen Offenbach am 34. Spieltag waren wir weg von der Bildfläche. Und plötzlich haben wir das Feld wieder von hinten aufgerollt. So ein Saisonverlauf ist natürlich prima für das Selbstvertrauen der Spieler.

bundesliga.de: Jahn Regensburg ist Dritter geworden - und das bei einem deutlich niedrigeren Etat als Sandhausen oder Aalen, die beiden Teams, die auch dank reicher Sponsoren vor Ihnen gelandet sind...

Weinzierl: Ich bin mir sogar sicher, dass wir den kleinsten Etat der Liga hatten. Die Mannschaft hat einfach zusammengehalten und sich schnell gefunden. Die wenigen erfahrenen Spieler haben sich als echte Korsettstangen erwiesen, an denen sich die jungen aufrichten konnten. Es war wirklich eine tolle Saison - von jedem einzelnen Spieler.

bundesliga.de: So wenige erfahrene Spieler in Ihrem Team sind - mit Manager Franz Gerber, der schon in Hannover und St. Pauli als Trainer und Manager aktiv war, haben Sie einen echten Routinier im Verein. Ein Mann mit guten Kontakten...

Weinzierl: Ja, klar. Und wenn man Dritter wird, hat auch der Manager alles richtig gemacht.

bundesliga.de: Viele Fachleute sagen ja, dass der Unterschied zwischen einer guten Drittligamannschaft und einer aus dem unteren Drittel der 2. Bundesliga nicht sehr groß ist. Würden Sie da zustimmen?

Weinzierl: Das weiß ich nicht. Ich finde aber auf jeden Fall, dass der Karlsruher SC ganz klar als Favorit in die Partien geht. Aber wir wollen jetzt natürlich aufsteigen. Jetzt, wo wir so nah dran sind.

bundesliga.de: Beim KSC ist die Sprachregelung: Die Chancen stehen 50:50.

Weinzierl: Das ist ja auch sehr sympathisch von den Kollegen in Baden. Aber wenn ich mir den Karlsruher Kader anschaue, sehe ich sie doch in der Favoritenrolle. Wir müssen jetzt am Freitag zuhause erst mal eine gute Basis schaffen, um dann in Karlsruhe die Überraschung schaffen zu können. Was nicht leicht wird, denn die Karlsruher sind sehr heimstark.

bundesliga.de: Allerdings trainieren Sie die auswärtsstärkste Mannschaft der Dritten Liga.

Weinzierl: Auch das ist korrekt.

Das Gespräch führte Christoph Ruf