Karlsruhe - Jens Todt sagte dann noch eher im Ernst als im Spaß, eigentlich sei es ihm am liebsten, wenn seine Mannschaft Freitagabends gewinne, und er am Samstag, Sonntag und Montag auf dem Sofa zuschauen könne, was die Konkurrenz mache. Dieses Mal musste der KSC jedoch an einem Samstag ran – und löste seine Aufgabe beim 2:1-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth wie ein echter Aufstiegskandidat.

Es war ein Nervenspiel am Samstag, nachdem die Konkurrenz im Aufstiegsrennen ihre Spiele schon am Freitag absolviert hatte. Und nicht nur Todt, der Sportdirektor des KSC, hatte dem Auftritt seiner Mannschaft angesehen, dass der Sieg des 1. FC Kaiserslautern in Bochum und der von Leipzig gegen Darmstadt am Abend zuvor den Druck offenbar gehörig erhöht hatte. "Es wirkte, als hätten wir bisschen Angst vor der eigenen Courage gehabt und etwas zu verlieren", analysierte Todt das matte Spiel des KSC.

Leipzig auf Distanz gehalten

Am Ende aber blieben die Badener dem FCK auf Rang zwei mit zwei Punkten Rückstand auf den Fersen, verdrängten Darmstadt von Relegationsrang 3 und hielten Leipzig mit fünf Punkten vor den letzten vier Begegnungen auf Distanz. "Jetzt", betonte Torwart und Kapitän Dirk Orlishausen nachdem alles gut gegangen war, "schauen wir nicht mehr nach Leipzig und Braunschweig – jetzt schauen wir nur noch nach vorne."

Der Auftritt des KSC war die gesamte Spielzeit nicht aufstiegswürdig, aber was soll’s, am Ende zählen in dieser Saisonphase nur die Punkte und auch deshalb wollte Trainer Markus Kauczinski nur das Positive herausheben. "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie einen Rückstand drehen kann, das hilft auch im Saisonendspurt", lobte er.

Dabei waren für die Wende vor allem zwei Akteure verantwortlich: Fürths Abwehrspieler Benedikt Röcker berechnete innerhalb von nur zwei Minuten den Ball so grotesk falsch wie man es im Profifußball selten sieht. Profitiert davon hatte – und das war Karlsruhes Glück – gleich zwei Mal Rouwen Hennings. Zuerst schob der KSC-Stürmer den Ball überlegt ins Netz zum Ausgleich (58.), bevor er diesen nach Röckers zweiter Slapstickeinlage mit seinem starken linken Fuß aus 16 Metern zum Siegtor ins Netz donnerte. Hennings hat nun bereits 15 Saisontore. Und nach dem Spiel setzte er den Satz des Tages genauso trocken und ansatzlos wie zuvor seine Tore: "Ich habe jetzt ja fast so viele Tore wie der HSV." Ein bisschen Spott konnte sich der ehemalige St. Pauli-Profi nicht verkneifen - der abstiegsgefährdete Erstligist HSV hatte ja vor diesem Spieltag erst 16 Tore erzielt.

Hennings "noch nie so fit"

Der 27-Jährige Hennings jedenfalls befindet sich derzeit im Hoch wie selten zuvor, noch nie hat er so viele Tore erzielt wie in dieser Runde. "Er war wahrscheinlich körperlich noch nie so fit wie im Augenblick", glaubt Sportdirektor Todt. Hennings Topform ist wichtig für den KSC, im Sturm hat Kauczinski keine Alternativen von Format. Am Samstag zog er sogar den kleinen Südkoreaner Park Micanski und Nazarov vor. Doch ohne die Fehler des armen Röcker hätte der an diesem Samstag träge wirkende KSC das Spiel wohl nicht mehr gedreht – richtig klare Torchancen spielte sich die Mannschaft weder vor noch nach Hennings Toren heraus.

Dabei agierte auch Fürth richtig schwach, die überraschende Führung durch Marco Rapp per Direktabnahme nach einem Stellungsfehler von KSC-Verteidiger Enrico Valentini (13.) konnte die Mannschaft nicht verteidigen und deshalb auch den Abstiegsplätzen nicht enteilen. "Die individuellen Fehler begleiten uns schon die ganze Runde, sie machen viel Gutes zunichte", haderte Michael Mutzel, Direktor Profi-Fußball in Fürth und ehemalige Profi beim KSC. "Wir werden jetzt nicht draufhauen und versuchen gemeinsam als Gruppe da rauszukommen", erklärt Mutzel.

Stoll-Comeback nach über einem Jahr

Neben dem Ergebnis gab es noch eine erfreuliche Geschichte beim KSC: Für den gelb gesperrten Manuel Gulde spielte erstmals seit einem Jahr wieder Martin Stoll in der Innenverteidigung. Der Routinier aus Heidelberg hatte in seiner Karriere einige verletzungsbedingte Rückschläge zu verkraften. Am Samstag blieb er trotz der Freude sachlich, der 32-Jährige sagte: "Es war schön, ich habe mich auf die einfachen Dinge konzentriert, das ist mir gelungen, auch wenn es nicht so war, als wenn ich 20 Spiele hintereinander gemacht hätte." KSC-Trainer Markus Kauczinski freute sich besonders über das Comeback Stolls und erklärte: "Er hat ein ganz abgezocktes Spiel gemacht, das freut mich und davor habe ich einen großen Respekt."

Aus Karlsruhe berichtet Tobias Schächter