Kaiserslautern - Mal abgesehen von jenen funkelnden Gürtelschnallen, mit denen John Wayne in den Western von John Ford durch die Weiten des Westens reitet, gelangten Gürtelschnallen eher nicht so oft zu größerer Berühmtheit. Im Profifußball schon gar nicht. Aber diese Gürtelschnalle mit der Lilie ist immer ein Thema, wenn der 1. FC Kaiserslautern mit Trainer Kosta Runjaic gegen den SV Darmstadt 98 spielt.

Die Lilie ist das Emblem der Darmstädter Fußballer und ihr Spitzname. Und weil Kosta Runjaic einst die 98er vor dem Abstieg in die Oberliga rettete und schließlich zum Aufstieg in die dritte Liga führte, besitzt der Trainer in Südhessen hohes Ansehen. Und natürlich diese Gürtelschnalle mit der Lilie, die er in seiner Darmstädter Zeit erworben hat.

Runjaic kommt ins Museum

Auch bei der Niederlage des FCK über den SV Darmstadt im Spitzenspiel der 2. Bundesliga am Samstag war der Hosen-Halter mit der 98er-Blume wieder dabei. Runjaic schenkte sie einem Mitarbeiter seines ehemaligen Clubs, in der Vorrunde auf dem Betzenberg hat es mit der Übergabe nicht geklappt.

Im Moment wird ja Geschichte geschrieben in Darmstadt und Runjaics Gürtelschnalle soll Ausstellungsstück im bald entstehenden Museum der 98er werden. Kosta Runjaic und seine Gürtelschnalle mit der Lilie kommen also ins Museum. Und wenn der 43 Jahre junge Fußballlehrer nicht aufpasst, dann wird er auch bald im Betze-Museum des 1. FC Kaiserslautern Platz finden.

Strategie, keine Emotionen

Noch drei Spiele sind zu spielen, die Niederlage beim SV Darmstadt war allerdings ein Rückschlag für den Fritz-Walter-Club zur Rückkehr in die Bundesliga. Der Tabellenführer aus Ingolstadt (59 Punkte) dürfte als erster Aufsteiger feststehen. Hinter den Bayern kämpfen vier Clubs um den zweiten direkten Aufstiegsplatz und um Relegationsrang 3: Kaiserslautern konnte den zweiten Platz nicht festigen, der Vorsprung auf Darmstadt beträgt nur noch einen Zähler. Die Lilien könnten den Roten Teufeln also noch einmal gefährlich werden könnten. Ähnlich sieht es beim Karlsruher SC (52 Punkte) und Eintracht Braunschweig (50 Punkte) aus. Auch RB Leipzig (47 Punkte) hat noch Außenseiterchancen (zur Tabelle).

Für Runjaic war die Rückkehr ans "Bölle", wie das alte Stadion in  Darmstadt im Volksmund liebevoll genannt wird, nur "eines von vier sehr wichtigen Spielen". Seine eigene Geschichte konnte er ausblenden: "Es geht nicht um Emotionen, es geht um Strategie", sagte er vor dem Spiel.

Beharrlich, hartnäckig, leidenschaftlich

Es ist diese immer sachliche Herangehensweise, die Runjaics Bild in der Öffentlichkeit prägt. Da lässt sich der in Wien geborene Trainer mit serbischen Wurzeln auch in der fußballverrückten Pfalz nicht verbiegen. Der Aufstieg mit dem FCK wäre die Krönung einer noch jungen Trainerkarriere, die einst in der Kreisliga begann und über allerlei Umwege nun tatsächlich in der Bundesliga führen könnte.

Runjaic zeichnet Beharrlichkeit aus, als Fußballer hat er sich keinen überregionalen Namen gemacht, aber Trainer wollte er unbedingt werden. Mit Hartnäckigkeit und großer Leidenschaft für das Spiel lebt er gerade seinen Traum.

Runjaic formt Mannschaften

Runjaic hat sich auf seinen Stationen in Darmstadt und Duisburg den Ruf erarbeitet, Spieler besser machen und Mannschaften formen zu können. In Kaiserslautern bewältigte er den Kulturwandel nach dem verpassten Aufstieg in der Vorsaison nun sehr schnell. Der Aufstieg wurde nicht laut als Ziel ausgerufen, junge Talente aus den eigenen Reihen wie Willi Orban, Dominique Heintz und Jean Zimmer geben jetzt der Mannschaft ein neues Gesicht; Diven wie Torjäger "Mo" Idrissou mussten den Club verlassen.

Der Auswärtssieg am 30. Spieltag in Bochum (2:0) kam zum richtigen Zeitpunkt. Zuvor hatte die junge Mannschaft nur 13 Punkte auswärts geholt. In Bochum feierten Fans und das Team zusammen und schwörten sich auf den Endspurt ein. "Das war ein schöner Moment", sagt Runjaic, "da ist noch mehr zusammengewachsen, was die ganze Saison schon zusammenwächst." Jetzt gehe es darum, die Spannung zum richtigen Zeitpunkt hochzuhalten, sagt der Trainer.

Konzept: Breiter Kader

In Darmstadt ersetzte Torwart-Talent Marius Müller erneut den verletzten Tobias Sippel als Nummer 1. Im Sturm herrscht ein wenig Flaute beim Team vom Betzenberg. Mehr als sechs Tore (Hofmann, Ring) hat kein FCK-Spieler in dieser Saison erzielt. Ob vielleicht die Treffsicherheit eines Rouwen Hennings (15 Tore) beim KSC ein Vorteil für die Badener im Aufstiegsrennen sein könnte?

Runjaic sagt: "Wir haben uns bislang ganz gut ohne Top-Torjäger durchgeschlagen. Das Konzept mit einem breiten Kader, bei dem sich die erzielten Tore auf viele Spieler verteilen, funktioniere auch. Und dennoch nimmt Runjaic seine Profis weiter in die Pflicht auch was die Torgefahr angeht. Der spielstarke Mittelfeldspieler Kerem Demirbay beispielsweise hat erst einen Treffer erzielt.

Der Aufstieg muss her

Runjaic forderte von Demirbay mehr Effizienz im Abschluss, das hat in Darmstadt gut geklappt: Kerem Demirbay brachte den FCK zunächst in Führung. Der 21-Jährige ist fest entschlossen, er sagt: "Wir wollen uns im Endspurt das Erarbeitete nicht so leicht wegnehmen lassen." Um beim viermaligen Deutschen Meister "uffm Betze" ins Museum zu kommen, muss für diese Mannschaft und diesen Trainer der Aufstieg her. 

Tobias Schächter