München - Acht Spiele ungeschlagen, Tabellenplatz 6 mit nur fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Der Trend beim TSV 1860 München geht klar nach oben. Nach dem "Dreier" gegen Aachen ist man in München bester Dinge. Wo aber liegen aber die Gründe für den derzeitigen Lauf der "Löwen"? bundesliga.de betreibt Ursachenforschung.

Für Cheftrainer Reiner Maurer liegt das Erfolgsgeheimnis in der Einstellung seiner Mannschaft: "Die Mannschaft ist vom Charakter her sehr gefestigt. Selbst nach dem Rückstand gegen die Alemannia ging ein Ruck durchs Team, wir haben immer an uns geglaubt." Tatsächlich legte 1860 gegen Aachen die wohl beste Hälfte der bisherigen Saison hin.

Lebensversicherung Lauth

Ein weiterer Faktor ist Torjäger Benjamin Lauth - der ehemalige Nationalspieler liegt mittlerweile schon auf Platz 2 der Torjägerliste. Lauth wiederum sieht Maurer als Grund für seine Topform; der sensible Angreifer muss das Vertrauen von Trainer und Umfeld spüren. "Wichtig ist, dass der Trainer weiß, wie ich bin, und dass er weiß, mich richtig zu behandeln."

Auch in der Mannschaft weiß man, was man am 29 Jahre alten Stürmer hat. Kapitän Daniel Bierofka war voll des Lobes über Lauth, der gegen Aachen wieder da war, als man ihn brauchte: "Nach der Pause hatten beide Mannschaften keine richtige Torchance mehr. Wie aus dem Nichts heraus ist Benny plötzlich da, macht das 2:1. Ich freue mich, dass wir einen Spieler von seiner Qualität in unseren Reihen haben."

Achtung, Euphorie bei 1860!

"Wir sind jetzt wieder Sechster. Wir sind vorne dabei und haben auch die Klasse, uns weiter nach vorne zu orientieren", sagte Maurer. Es gebe sogar "ein bisschen Euphorie" bei 1860 - trotz der zwei Punkte Abzug. Mit ihnen wäre der Verein sogar schon in direkter Schlagdistanz zu den drittplatzierten Duisburgern.

Beim Stichwort Euphorie müssten in München die Warnsignale blinken. Die "Blauen" sind berüchtigt dafür, gute Ausgangssituationen in der Tabelle allzu leicht zu verspielen und am Ende den Blick sogar noch nach unten richten zu müssen. Jedes Mal, wenn 1860 seit dem Bundesliga-Abstieg am 11. Spieltag 17 Punkte oder mehr auf dem Konto hatte, ging es bergab. Die "Löwen" erreichten in diesen Spielzeiten dann durchschnittlich nur Rang 12 und 40,3 Punkte.

1860 hat die Qualität für ganz oben - Wie lange hält Maurers Serie diesmal?

Dass die "Löwen" aber in jeder Saison die Qualität dazu hatten, jeden Gegner zu schlagen, bewiesen sie ebenso. Wies ihr Punktekonto am 11. Spieltag nämlich 16 Punkte oder weniger auf, setzten sie jeweils zur furiosen Aufholjagd an und erreichten am Ende trotz des Fehlstarts im Durchschnitt 51 Punkte und Rang 6.

Die Qualität war also immer vorhanden - fehlte also nur der richtige Mann am Ruder? Allen "Löwen"-Fans ist die Rückrunde der ersten Zweitligasaison nach dem Abstieg in bester Erinnerung. 16 Spiele in Folge blieb der TSV 2004/05 ungeschlagen und verpasste den Aufstieg nur denkbar knapp (Platz 4).

Der Trainer, der diese Serie in nur 19 Spielen aufgestellt hatte, war kein anderer als Reiner Maurer. Diesmal hat er 34 Spiele Zeit. Maurer, der den "Löwen" anscheinend die Konstanz beigebracht hat, kann seinen Rekord verbessern - oder sogar derjenige sein, der 1860 wieder ins Oberhaus führt. Dann wird er sicher nicht nur für eine schöne Serie in Erinnerung bleiben.

Christoph Gschoßmann