Kaiserslautern - Seit dieser Saison ist Kevin Stöger eine feste Größe beim 1. FC Kaiserslautern. Der vom VfB Stuttgart an die Pfälzer ausgeliehene Österreicher stand in allen Punktspielen auf dem Platz und überzeugte im Mittelfeld.

Vor dem Topspiel gegen Darmstadt 98 spricht der 21-Jährige im Interview mit bundesliga.de über den hohen Stellenwert der 2. Bundesliga, die Ziele des FCK und den kommenden Gegner.

bundesliga.de: Kevin Stöger, der FCK steht nach 13 Spieltagen auf Platz 4 mit Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen, hat aber auch nur ein Punkt mehr geholt als der Achte Braunschweig (Tabelle). Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf der Pfälzer?

Kevin Stöger: Grundsätzlich können wir mit der bisherigen Saison schon zufrieden sein, vor allem mit der Art und Weise, wie wir uns präsentieren. Wir waren ja in nahezu jedem Spiel das dominante Team. Für den enormen spielerischen Aufwand, den wir betreiben, haben wir aber zu viele Punkte liegenlassen.

"An der spielerischen Qualität liegt es nicht"

bundesliga.de: Kaiserslautern hat zuletzt viermal hintereinander in der 2. Bundesliga unentschieden gespielt und tritt ein bisschen auf der Stelle. Was fehlt noch, um noch erfolgreicher zu sein?

Stöger: Wir erspielen uns in jedem Spiel klare Chancen, lassen aber zu viele davon liegen. Zudem müssen wir in manchen Spielen die knappe Führung am Ende cleverer über die Zeit bringen. Oder am besten noch ein Tor nachlegen, damit wir gar nicht erst bis zuletzt zittern müssen. An der spielerischen Qualität liegt es jedenfalls nicht.

bundesliga.de: Sie kamen im Sommer 2013 von der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart zum FCK. Wie groß war der Schritt von einem durchschnittlichen Drittligisten zu einem ambitionierten Verein der 2. Bundesliga? Was hat Sie am FCK gereizt?

Stöger: Ich habe ja beim VfB Stuttgart schon bei der Profimannschaft trainiert, insofern war es dann zumindest vom Training her nichts Neues. Ich habe mir hier in Kaiserslautern alles angeschaut und habe festgestellt, dass das Stadion, die Fans, das Umfeld und alles weitere schon erstligareif ist. Dazu hatte ich gute Gespräche mit Stefan Kuntz, der mir erklärt hat, wie der Verein hier tickt. Damit konnte ich mich identifizieren und musste nicht lange überlegen.

bundesliga.de: Neben Dominque Heintz sind Sie der einzige Lauterer, der alle Punktspiele bestritten hat. Hätten Sie damit gerechnet, in dieser Saison so schnell zu einer festen Größe zu werden? Wie ist das Feedback des Trainers?

Stöger: Ich hatte schon vor der Saison gute Gespräche mit Kosta Runjaic. Ich wusste, dass ich nach den guten Leistungen zum Ende der vergangenen Saison, als ich in den letzten Spielen meine Chance bekommen und genutzt habe, auch in dieser Saison das Vertrauen des Trainers habe, wenn ich täglich alles gebe und mich voll reinhänge. Ich freue mich natürlich über dieses Vertrauen und versuche, in jedem Spiel mit Leistung etwas zurückzugeben.

"Ich habe es überhaupt nicht eilig"

bundesliga.de: Inzwischen scheint auch die 2. Bundesliga für Österreicher interessant zu sein. Ein Hinterseer oder Özcan in Ingolstadt, die Düsseldorfer Liendl, Gartner oder Hoffer und einige mehr drücken dem Spiel ihrer Mannschaften ihren Stempel auf. Auch ein Meistertrainer wie Peter Stöger ging lieber nach Köln als mit Austria Wien Champions League zu spielen. Wie erklären Sie sich die Beliebtheit der 2. Bundesliga? Warum ist sie für so viele Protagonisten offenbar interessanter als ein Topclub in Österreich?

Stöger: Ich habe diesen Schritt gewagt, habe dabei gute Erfahrungen gemacht und würde es wieder machen. Aber letztlich muss das jeder für sich entscheiden. Die 2. Bundesliga in Deutschland ist sicherlich eine der stärksten zweiten Ligen Europas. Die Stadien sind toll, die Zuschauerzahlen sind hoch, das ist sicherlich für Fußballer attraktiv. Wobei das nicht bedeuten soll, dass nicht auch der Fußball in Österreich attraktiv ist.

bundesliga.de: Inwieweit werden Ihre Leistungen beim FCK in der Heimat registriert? Gab es schon Kontakt zu Marcel Koller, dem Trainer der Nationalmannschaft Österreichs?

Stöger: Ich bin ja gerade erst aus der U21-Nationalmannchaft raus und konzentriere mich jetzt erst einmal auf die Aufgabe hier beim FCK. Mit Marcel Koller gab es noch keinen Kontakt, aber ich habe es hier auch überhaupt nicht eilig. Ich bin ja erst 21, ich habe noch alle Zeit der Welt.

bundesliga.de: Am Freitagabend trifft der FCK im Topspiel auf den einen Platz höher notierten SV Darmstadt 98, den Sie noch aus Ihrer Zeit in Stuttgart kennen. Wie stark schätzen Sie den Gegner ein? Wie ist der Schlüssel zum Sieg?

Stöger: Darmstadt hat eine gute Qualität, sie haben eine eingeschworene Truppe, in der jeder für jeden alles gibt. Das ist wie bei uns, daher weiß ich das so etwas viel ausmachen kann. Aber wir müssen auf uns schauen, müssen hochkonzentriert sein und unsere Qualität auf dem Platz abrufen. Wir wissen, was wir können, zudem haben wir unsere Fans am Betze im Rücken. Daher gehen wir mit dem nötigen Selbstbewusstsein in die Partie.

bundesliga.de: Der FCK schrammte in den letzten beiden Jahren knapp am Aufstieg in die Bundesliga vorbei. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass es diesmal klappen wird?

Stöger: Wir denken aktuell wirklich nur von Spiel zu Spiel. Natürlich ist die Bundesliga für jeden Spieler das Ziel, aber hier wurde von Seiten des Vereins kein Druck aufgebaut. Wir wollen Woche für Woche unsere Qualität abrufen, und dann werden wir ja sehen, wohin es führt.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski