Fürth - Wochenlang stand die SpVgg Greuther Fürth auf Platz 1 der Tabelle der 2. Bundesliga. Doch nach der 1:3-Heimniederlage gegen Eintracht Braunschweig rutschte die Elf von Mike Büskens auf Platz 3 ab.

Wie die Mannschaft mit dem ersten Rückschlag seit dem 1. Spieltag umgeht, verriet Kapitän Thomas Kleine im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Thomas Kleine, nach elf Spielen ohne Niederlage hat es die SpVgg wieder erwischt. Wie bitter war die Pleite gegen Braunschweig?

Thomas Kleine: Wir sind schon etwas enttäuscht über die Niederlage gegen die Eintracht. Wir wollten uns die Tabellenspitze wieder zurückholen. Wir hatten auch mehr Ballbesitz, aber die Braunschweiger haben es auch gut gemacht, unsere Fehler konsequent ausgenutzt und letztlich verdient gewonnen.

bundesliga.de: Die Tabellenkonstellation an der Spitze der 2. Bundesliga ist sehr eng. Da kann sich eine Niederlage schnell negativ auswirken.

Kleine: Das stimmt. Es ist sehr spannend und geht an der Tabellenspitze sehr ausgeglichen zu. Die Mannschaften liegen alle eng beieinander. Wir hatten eine tolle Serie hingelegt und fast alle Spiele gewonnen. Und nach einer Niederlage rutschen wir trotzdem auf Platz 3 ab. Wir dürfen uns nun keine weiteren Ausrutscher erlauben und müssen nun versuchen, uns bei St. Pauli die Punkte zurückzuholen.

bundesliga.de: Sie sprechen das Spitzenspiel am kommenden Samstag an. Bei einer Niederlage in Hamburg würde Fürth aus den Top 3 herausfallen. Wie wichtig und richtungsweisend ist die Partie gegen St. Pauli?

Kleine: Das wird ein sehr wichtiges Spiel für uns, das wir gewinnen wollen. Denn wir wollen den Kontakt zu den beiden führenden Vereinen nicht abreißen lassen. Aber wir haben auf der anderen Seite auch erst den 14. Spieltag. Da ist noch lange nichts entschieden.

bundesliga.de: Tut sich die SpVgg auswärts vielleicht sogar etwas leichter als daheim? Schließlich ist Fürth auf fremden Plätzen noch ungeschlagen, während es daheim bereits zwei Niederlagen gab.

Kleine: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben auch zuhause schon viele gute Spiele absolviert. Aber wir haben es in dieser Saison auswärts auch bisher richtig gut gemacht. Wir waren zwar manchmal in Schwierigkeiten, haben aber wenig zugelassen. Zuletzt haben wir in Cottbus ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir standen kompakt und waren sehr effektiv im Abschluss. So wollen wir auch in Hamburg auftreten. Ich hoffe, dass es uns entgegen kommen wird, dass St. Pauli als eine spielstarke Mannschaft angreifen wird und wir dadurch mehr Räume haben werden als gegen Braunschweig.

bundesliga.de: Wer sind die härtesten Konkurrenten der SpVgg im Aufstiegsrennen in dieser Saison?

Kleine: Die beiden Teams, die oben stehen. Fortuna Düsseldorf spielt eine Riesensaison und setzt seine starke Rückrunde nahtlos fort. Und Eintracht Frankfurt besitzt eine Mannschaft, die fast noch besser besetzt ist als in der vergangenen Bundesliga-Saison. In dieser Saison braucht man wahrscheinlich auch mehr Punkte um aufzusteigen, als in der letzten.

bundesliga.de: Wie erleben Sie Ihren Trainer Mike Büskens, der ja angeblich bei einigen Bundesligisten gehandelt wurde?

Kleine: Wir haben schon mitbekommen, dass unser Trainer bei Bundesligisten im Gespräch war. Aber er will in Fürth die Mission Aufstieg erfüllen. Er ist ein sehr guter Trainer und in der Mannschaft voll akzeptiert. Ihm kommt sicher auch zugute, dass er noch vor kurzem selbst gespielt hat. Ich selbst habe noch gegen ihn gespielt. Er findet die richtige Mischung und kann auch ein "harter Hund" sein. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm. Wir kommunizieren regelmäßig miteinander.

bundesliga.de: Hat die SpVgg in diesem Jahr das Zeug zum Aufstieg? Der Verein gilt ja in Deutschland ein bisschen als "unaufsteigbar".

Kleine: Der Aufstieg ist auf jeden Fall machbar. Wenn man nach 13 Spieltagen oben steht, ist das kein Zufall mehr. In der letzten Saison wurden wir Vierter. Diesmal wollen wir unter die ersten Drei kommen und nach den vielen Anläufen in den letzten sechs Jahren endlich aufsteigen. Ich würde mit meinen dann 34 Jahren auch noch einmal gerne in der Bundesliga spielen.

bundesliga.de: Wie erleben Sie die Wahrnehmung des Vereins in Deutschland, aber auch in der Region?

Kleine: Wir werden vielleicht allgemein in Deutschland ein bisschen belächelt. Aber wir haben eine sehr gute Mannschaft und haben schon im letzten Jahr eine starke Runde gespielt und als Vierter mit über 60 Punkten nur knapp den Aufstieg verpasst. Diese Mannschaft ist zusammengeblieben und wurde sogar noch verstärkt. Wir sind jetzt in der Breite stärker aufgestellt. Und unsere Erfolge werden wahrgenommen. Es gibt keinen Grund mehr, uns zu belächeln. Die Euphorie um den Verein ist sicher nicht mit anderen Städten zu vergleichen. Aber wenn wir in Fürth an einem Montagabend über 10.000 Zuschauer im Stadion haben, ist das für unsere Verhältnisse schon enorm. Hier glauben alle an den Aufstieg.

bundesliga.de: vor Weihnachten steht dann noch im Pokal das Derby beim klassenhöheren 1. FC Nürnberg auf dem Programm. Wie zufrieden sind Sie mit dem Los?

Kleine: Im Pokal waren noch so viele Bundesligisten vertreten, da war es klar, dass wir einen erwischen. Das wird sicherlich kein einfaches Spiel. Aber wir freuen uns auf die Partie bei unserem Nachbarn. Wir brauchen uns nicht in Nürnberg zu verstecken und können mit breiter Brust auftreten. Und wir wollen sicherlich auch eine Runde weiterkommen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski