Karlsruhe - Mit gesundem Selbstvertrauen fährt der Karlsruher SC zum Relegationsspiel nach Hamburg. Sorgen bereitet alleine das Sprunggelenk von Rouwen Hennings. Denn für den Zweitliga – Torschützenkönig gibt es kaum eine Alternative

Für Jens Todt ist diese Woche wohl die aufregendste, seit der Karlsruher Sportdirektor im Badischen anheuerte. Die 6.000 Tickets für das Spiel in Hamburg waren in wenigen Stunden weg. Am Mittwoch, beim Beginn des freien Verkaufs, bildeten sich auch im Umland in den frühen Morgenstunden Menschen-Schlangen vor den Theaterkassen und Tabakläden, ehe um kurz nach 12 Uhr auch das letzte Ticket fürs Rückspiel am kommenden Montag vergriffen war. "Die Begeisterung in der Stadt ist mit Händen zu greifen und beflügelt uns ungemein“, sagt Todt. "Es hat sich etwas gelöst..“

"Mit einer Mischung aus Herz und Kopf"

Gelöst wirkte auch Markus Kauczinski, als er am Mittwoch noch einmal zum neuesten Stand vor dem Hinspiel in Hamburg Stellung nahm. "Natürlich hat der HSV die besseren Einzelspieler“, sagte der gebürtige Gelsenkirchener, der seit 2001 als Trainer im Wildpark arbeitet. "Aber wir haben etwas zu gewinnen, während der HSV etwas zu verlieren hat.“ Mit einer "Mischung aus Herz und Kopf“ wolle man beim HSV bestehen. „"Es ist ein gutes Gefühl, dass Land und Leute hinter uns stehen.“

Sind das nun zu selbstbewusste Worte? Mancher Beobachter in Hamburg soll ja schon die Äußerungen der KSC-Spieler am Sonntag recht forsch gefunden haben? Zumindest sind sie aufrichtig, denn tatsächlich meinen sie beim KSC, dass sie bei allem Respekt vor dem Gegner durchaus nicht chancenlos nach Hamburg fahren. Insofern war Rechtsverteidiger Enrico Valentini auch voll auf der offiziellen Linie, als er am Sonntag in der Interviewzone betonte, man habe gegenüber dem HSV zumindest einen Vorteil: "Die kommen aus einer schlechten, wir aus einer guten Saison.“

"Da muss man vorsichtiger sein"

Weniger gut kam hingegen vereinsintern das Statement von Philipp Max an. Der Verteidiger hatte im Überschwang der Gefühle ein wenig zu großspurig seine Vorfreude herausposaunt. Es sei "an der Zeit, dass wir diese Uhr jetzt mal abstellen“, hatte er an die Adresse der "Dino"-Hamburger gesagt, in deren Stadion bekanntlich die Zeit seit der Bundesliga-Gründung gemessen wird. "Es ist keine gute Idee, im Überschwang der Gefühle so etwas zu sagen“, erwidert Jens Todt. "Wenn Adrenalin und Testosteron bis unter die Schädeldecke sprudeln, muss man vorsichtiger sein.“

Todt hat dann noch mal das wiederholt, was sie in Karlsruhe seit Tagen sagen. Dass der HSV Favorit ist und dass Bruno Labbadia den Dino stabilisiert habe. „Außerdem ist der HSV über Standards sehr gefährlich. Da sind sie schwer zu verteidigen.“

Hennings auf der Kippe

Die Respektbezeugungen in Richtung HSV sind nicht geheuchelt. Doch eigentlich haben sie dieses Jahr ein ganz gutes Gefühl. Der KSC hat in dieser Spielzeit 26 Gegentore bekommen – genauso wenig wie die Defensiv-Perfektionisten aus Darmstadt und sechs weniger als der souveräne Aufsteiger Ingolstadt. Das ist vor allem das Resultat eines ausgeklügelten Defensivkonzeptes, dem sich alle im Team unterzuordnen haben. Dabei ist der KSC durchaus eine offensiv agierende Mannschaft, die neben Ingolstadt und Lautern zu den spielstärksten Mannschaften der Liga zählte.

Im Angriff gibt es zu Rouwen Hennings kaum eine Alternative. Dass der 27-Jährige seit dem 2:0-Sieg gegen 1860 München an einer Einblutung am Sprunggelenk laboriert, ist deshalb eine schlechte Nachricht für die Badener. Sollte der in der Jugend des HSV ausgebildete Zweitligatorschützenkönig (17 Treffer) ausfallen, müsste Kauczinski improvisieren. Verteidiger Daniel Gordon hat sich rechtzeitig fitgemeldet und wird wohl in der Startformation stehen.

Von Christoph Ruf