Seit 1988 spielt Benjamin Reichert für ein und denselben Verein: für den SC Rot-Weiß Oberhausen. Auf dem Weg vom Fußball-Knirps zum heutigen Kapitän von RWO in der 2. Bundesliga hat der 26-jährige Defensivspezialist viele Höhen und Tiefen des ehemaligen Bundesliga-Clubs erlebt.

Im Gespräch mit bundesliga.denennt Reichert die wesentlichen Gründe für den Oberhausener Aufschwung und erklärt, warum Oberhausen eine erstklassige Adresse für junge Spieler ist.

bundesliga.de:Herr Reichert, vor zweieinhalb Jahren hießen Oberhausens Gegner noch Straelen oder Wuppertal II. Und heute steht RWO dicht vor den Aufstiegsplätzen zur Bundesliga. Was sagen Sie zu dieser Entwicklung?

Benjamin Reichert: Das konnte wirklich keiner ahnen, dass wir heute so gut dastehen. Wir sind damals aus der Oberliga Nordrhein aufgestiegen und in dieser Zeit hat sich eine Mannschaft mit einem ganz starken Zusammenhalt gebildet. Zusammen mit unserer sehr guten sportlichen Führung war das entscheidend für den Durchmarsch.

bundesliga.de: Ihre sportliche Führung hat ein ganz einfaches Konzept: Sie holt die besten Spieler aus den zweiten Mannschaften von Schalke, Dortmund oder Bochum zu RWO.

Reichert: So einfach ist das natürlich nicht, hinter diesen Spielern sind auch andere Vereine her. Aber RWO hat inzwischen einen sehr guten Ruf bei jungen Spielern. Sie wissen, dass sie sich hier entwickeln können und dass sie hier Kredit haben. Nach einem schwächeren Spiel bekommen sie schnell wieder eine neue Chance. Junge Spieler brauchen Spielpraxis; die bekommen sie bei uns und sie fühlen sich wohl hier.

bundesliga.de: Ist es ein Vorteil, dass viele Spieler aus der näheren Umgebung kommen?

Reichert: Das ist sicher ein Vorteil, aber wir haben auch Spieler aus anderen Landesteilen. Wie Patrick Schönfeld, der aus Süddeutschland gekommen ist. Letztlich ist der Charakter des Spielers entscheidend. Unser Sportlicher Leiter Hans-Günter Bruns kennt natürlich alle Spieler aus der näheren Umgebung sehr gut, und das hat sich für uns immer ausgezahlt.

bundesliga.de: Ist der Zusammenhalt bei RWO wirklich so gut wie sein Ruf?

Reichert: Wer uns mal beim Training zusieht, wird das schnell erkennen und bestätigen. Wir haben viel Spaß zusammen und unternehmen auch nach dem Training sehr viel miteinander. Wir haben ganz sicher nicht die besten Einzelspieler, aber durch unsere Mannschaftsleistung machen wir das wett.

bundesliga.de: Wird im Umfeld von RWO schon von guten, alten Bundesliga-Zeiten erzählt?

Reichert: Nach dem Spiel kommt man schon mit älteren Fans ins Gespräch, die damals die Bundesliga-Zeiten miterlebt haben. Oder wenn man die Spieler der Traditionsmannschaft trifft. Aber für uns junge Spieler ist das weniger ein Thema.

bundesliga.de: Ist Ihnen RWO-Legende Lothar Kobluhn noch ein Begriff?

Reichert: Den Namen kennt jeder in Oberhausen.

Das Gespräch führte Stefan Kusche