Köln - Eintracht Braunschweig ist mit zwei Siegen in den ersten beiden Spielen sehr erfolgreich in die neue Saison gestartet. In beiden Partien traf Neuzugang Julius Biada, der einer der Shootingstars der kommenden Spielzeit werden könnte. Der 23-jährige offensive Mittelfeldspieler spricht im Interview mit bundesliga.de über seinen Start und seine Perspektiven in Braunschweig.

bundesliga.de: Julius Biada, Sie sind im Sommer vom Drittligisten Fortuna Köln zu Eintracht Braunschweig gewechselt und haben nun in den ersten beiden Meisterschaftsspielen zwei Tore in zwei Spielen gemacht. Sieht nach einem Fall von "Läuft bei Ihnen" aus.

Julius Biada: Es hätte schlechter anfangen können. Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dem Start der Mannschaft, aber auch meinem persönlichen Start. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft direkt so helfen konnte und hoffe, dass ich das fortsetzen kann.

bundesliga.de: Sie haben mit Darmstadt 98 vor zwei Jahren schon einmal in der 2. Bundesliga gespielt. Dann sind Sie zurück in die 3. Liga gegangen und haben zwei starke Saisons bei Fortuna Köln gespielt. Hat sich dieser Umweg für Sie gelohnt? Was fehlte Ihnen noch vor zwei Jahren?

Biada: Ich habe damals in Darmstadt in einer Mannschaft gespielt, die aus ihrer Zeit in der 3. Liga bereits eingespielt war, auch in der 2. Bundesliga gut aufgestellt war und einfach durchmarschiert ist. Der Trainer hatte nicht viele Gründe, die Mannschaft zu verändern. Er hat auf Altbewährtes gesetzt. Die Spieler 14 bis 20 hatten wenig Chancen. Für mich hat sich der Umweg über die 3. Liga auf jeden Fall gelohnt. Ich konnte bei Fortuna Köln Selbstvertrauen tanken und Spielpraxis sammeln. So ist eins zum anderen gekommen, und ich bin froh, dass ich noch einmal die Chance bekommen habe und sie jetzt in einem anderen Maße nutzen kann.

bundesliga.de: Wie gut gerüstet gehen Sie in diese 2. Bundesliga? Haben Sie Ihre Topform bereits erreicht?

Biada: Ich bin ganz gut in Form, habe aber sicherlich auch noch Luft nach oben. Man entwickelt sich von Spiel zu Spiel. Die Verteidiger sind besser in der 2. Bundesliga, man muss mehr aufbieten. Doch ich denke, dass wir grundsätzlich als Mannschaft in einer guten Verfassung sind und ich persönlich auch. Aber die Saison ist noch lange.

bundesliga.de: Was hat für Braunschweig gesprochen, warum haben Sie sich für die Eintracht entschieden?

Biada: Ich hatte viele Angebote und Interessenten. Ausschalaggebend war, dass die Gespräche mit den Verantwortlichen auf einer Ebene liefen, wie ich das noch nicht hatte. In den wichtigen Positionen herrscht bei der Eintracht Kontinuität. Die handelnden Personen sind schon lange im Verein und sitzen nicht auf einem "heißen Stuhl". Man hat in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass junge Spieler ihre Chance bekommen und auch genutzt haben. Es gab auch Angebote aus der Nähe meiner Heimat, die interessant waren. Familie und Freunde wären nicht weit weg gewesen, aber ich habe mich dazu entschieden, etwas zu wagen und weiter wegzugehen. Bisher bin ich damit auch sehr gut gefahren.

"Die Unterstützung ist riesengroß"

© imago / Christian Schroedter

bundesliga.de: Inwieweit haben Sie schon mitbekommen, dass die Eintracht ein besonderer Verein mit einer außergewöhnlichen Fankultur ist?

Biada: Man lebt hier als Braunschweiger fast ausschließlich für den Verein. Die Heimspiele sind immer sehr gut besucht, die Unterstützung ist riesengroß. Beim Auswärtsspiel in St. Pauli waren 2.500 Fans dabei. Das ist sicher nicht alltäglich. Die Wertschätzung und Anerkennung der Menschen ist groß, das genießt man natürlich und versucht, durch Leistung wieder etwas zurückzugeben.

bundesliga.de: War für Sie als gebürtiger Kölner der 1. FC Köln nie ein Thema?

Biada: Der FC spielt im Leben eines Kölners immer eine Rolle (lacht). Aber bis dato hat sich das nicht für mich ergeben. So ist das halt manchmal. Man kann nicht immer den leichtesten Weg gehen. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Ich bin jetzt froh, dass ich bei der Eintracht meine Chance bekommen habe. Ich habe mit dem Verein und der Mannschaft viel vor.

bundesliga.de: Die Eintracht hat die ersten beiden Spiele gewonnen, der Auftakt ist gelungen. Wie stark schätzen Sie die Mannschaft ein? Was ist drin in dieser Saison?

Biada: Die Ziele haben wir schon öfter kommuniziert. Wir wollen uns unter den Top 25 in Deutschland etablieren. Wir wollen auch in der 2. Bundesliga eine gute Rolle spielen und unsere Platzierung aus dem vergangenen Jahr verbessern. Wenn man jetzt den Start anschaut, sieht man, dass wir eine gute Truppe haben, die heiß auf die Saison ist. In der vergangenen Spielzeit haben einige Spieler vielleicht noch ein bisschen Lehrgeld gezahlt, aber jetzt sind sie einen Schritt weiter. Wir wissen, wie der Hase läuft. Wir haben viele junge Wilde, aber die werden gut geführt von Mitspielern, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Wir haben eine gute Mischung. Unsere Mentalität ist, dass wir immer Gas geben und alles reinhauen. Das ist in dieser starken 2. Bundesliga auch notwendig. Der Start war gut, jetzt spielen wir im DFB-Pokal die 1. Runde und wollen auch diese Aufgabe meistern. Und dann freuen wir uns auf den 1. FC Nürnberg. Das wird ein weiterer Gradmesser. Wir sind guter Dinge und hoffen, dass wir möglichst lange und erfolgreich oben mitspielen können.

bundesliga.de: Im Pokal kommt es zu einem schnellen Wiedersehen mit den Würzburger Kickers, gegen die Sie am 1. Spieltag schon gewonnen haben. Aber auswärts dürfte das eine andere Hausnummer werden?

Biada: Ich kenne Würzburg noch aus der 3. Liga. Es ist nicht einfach, dort zu spielen. Wahrscheinlich sind wir wegen des Auftaktsieges leicht favorisiert sein. Aber das muss man etwas relativieren. Würzburg ist eine gute, im positiven Sinne "eklige" Mannschaft. Es ist unangenehm gegen sie zu spielen. Im Pokal werden Fehler direkt bestraft. Aber wir sind Eintracht Braunschweig und wollen die nächste Runde erreichen. Dafür werden wir alles geben. Wenn wir unsere Leistung abrufen, haben wir sehr gute Chancen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski