Hamburg - Nieselregen, drei Grad und windig – richtiges Hamburger Schietwetter, doch St. Paulis Neuzugang Julian Koch stört das derzeit wenig, auch wenn er sich schon auf wärmere Temperaturen ab Montag im türkischen Trainingslager freut. Der 24-jährige Leihspieler vom 1. FSV Mainz 05, den Ewald Lienen als seinen Wunschspieler bezeichnete, ist einfach froh, wieder gebraucht zu werden. Das war lange Zeit nicht mehr so.

Der in Schwerte geborene defensive Allrounder spielte zunächst erfolgreich in der A-Jugend von Borussia Dortmund. Nach dem Aufstieg der BVB-Reserve 2009 in die 3. Liga debütierte Koch für die Schwarz-Gelben. Schnell geriet er durch gute Leistungen in den Fokus der ersten Mannschaft, wo er am 6. März 2010 beim 3:0-Heimsieg über Borussia Mönchengladbach erstmals Bundesliga-Luft schnuppern durfte. In der 85. Minute ersetzte er den jetzigen Weltmeister Kevin Großkreutz.

Kreuzbandriss zur Unzeit

Dann begann die lange Leidenszeit von Julian Koch. Seit 2009 warfen ihn zahlreiche schwerwiegende Verletzungen (Handbruch, Schulterverletzung, Meniskuseinriss) immer wieder zurück. Negativer Höhepunkt seiner Krankengeschichte war der erlittende Außenbandriss sowie Anriss des vorderen Kreuzbandes 2011 im Trikot des damaligen Zweitligisten MSV Duisburg. Der BVB verlängerte zu Beginn der Saison 2010/11 zunächst seinen Vertrag und lieh den gebürtigen Schwerter dann zu den Zebras aus. Dort war Koch Teil der erfolgreichen Duisburger Mannschaft, die das DFB-Pokalendspiel gegen den FC Schalke 04 erreichte (0:5). Zurück in Dortmund fiel er aufgrund einer Knie-OP dann die gesamte Saison aus.

Ungewisse Zukunft – Plan B: Studium

In dieser quälend langen Zeit ohne Fußball machte sich Koch Gedanken um seine Zukunft. "Als Fußballspieler will man immer nur spielen und sich nicht mit anderen Dingen auseinandersetzen, doch ich wollte einen Plan B in der Tasche haben, falls es mit dem Profifußball nicht mehr klappt", so Koch. Der damalige U21-Nationalspieler erkundigte sich über mögliche Studiengänge an der Uni Dortmund und weiß jetzt, was er nach der Karriere machen möchte. "Ich will ein Sport-Studium aufnehmen und dann auch meinen Trainerschein machen", erklärt Koch.

Doch die Gedanken ans Karriereende sind zur Zeit sehr weit weg. "Ich habe beim FC St. Pauli die beste Möglichkeit gesehen, wieder zu spielen. Auf die Atmosphäre am Millerntor freue ich mich schon." Den großen Konkurrenzkampf auf der Position des defensiven Mittelfeld-Spielers scheut er nicht. "Ich habe jetzt vier Wochen Zeit mich in den Fokus zu spielen. Bei einem neuen Trainer fangen alle irgendwie bei Null an."

Sonne tanken und auf die Reeperbahn

Großes Manko beim 24-Jährigen ist die mangelnde Spielpraxis. In der Hinrunde wurde er in Mainz nur einmal eingewechselt, beim 2:0 gegen Borussia Dortmund am 4. Spieltag. Kurz vor Weihnachten kam er noch auf einen Einsatz beim Drittliga-Team der Mainzer. Trotzdem fühlt sich Koch topfit. "Klar, habe ich in den vergangenen Monaten wenig gespielt, aber ich habe bei einem Bundesligisten voll mittrainiert. Trainer Lienen hat mir gleich klargemacht, dass ich mir keinen großen Druck machen soll."

Jetzt steht für den Blondschopf erst einmal das Trainingslager in Belek bevor. "Ein bisschen Sonne tanken, kann nicht schaden", flachst Koch. Nach der Rückkehr aus der Türkei kann sich der Neuzugang dann neben dem Fußball auch auf eine neue Wohnung freuen. "Ich suche im Moment noch und möchte nicht allzu lange im Hotel wohnen." Wenn er sich dann bald in seiner neuen Heimat eingelebt hat, freut sich Koch auf einen Besuch auf der Reeperbahn, "da war ich nämlich bis jetzt noch nie."

Alexander Barklage