Köln - Halbzeit in der Saisonvorbereitung. Seit drei Wochen schuften die Profis des VfB Stuttgart für die neue Spielzeit, die in etwas mehr als drei Wochen mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli startet. Neu beim Bundesliga-Absteiger ist Jean Zimmer, der aus Kaiserslautern kam. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 22-Jährige über die Stimmung in Stuttgart, seine eigenen Erwartungen und den Druck, von allen gejagt zu werden.

bundesliga.de: Jean Zimmer, in gut drei Wochen startet die 2. Bundesliga in die neue Saison. Wie läuft die Saisonvorbereitung bis jetzt?

Jean Zimmer: Ich glaube, dass wir von Tag zu Tag und von Woche zu Woche Schritte nach vorne machen. Das sieht man auch, wenn man sich unsere Spiele schaut. Wir sind auf einem guten Weg und wissen, wo wir noch eine Schippe drauf legen müssen. Daran arbeiten wir.

bundesliga.de: Wo liegt im Moment der Schwerpunkt im Training?

Zimmer: Im spielerischen Bereich. Wir werden wahrscheinlich gegen sehr viele tief stehende Gegner spielen und dann Lösungen finden müssen.

bundesliga.de: Wie erleben Sie als Neuzugang die Stimmung in Stuttgart nach dem Abstieg? Spüren Sie eine Aufbruchstimmung nach dem Motto "Jetzt erst recht" oder herrscht Skepsis vor?

Zimmer: Ich spüre eine Jetzt-erst-recht-Stimmung. Die Zahl der VfB-Mitglieder ist so hoch wie noch nie zuvor. Auch im Team und im Umfeld stehen alle hinter der Mannschaft und dem Verein.

"Ich bin sehr zufrieden mit dem Wechsel"

bundesliga.de: Für Sie ist der Wechsel nicht optimal gelaufen. Sie haben bei Ihrer Unterschrift sicher geglaubt, zu einem Bundesligisten zu kommen. Wie gehen Sie jetzt mit der Situation um?

Zimmer: Die grundsätzliche Idee war sicher eine andere. Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem Wechsel. Ich hätte ihn auch vollzogen, wenn ich vorher gewusst hätte, dass es so kommt.

bundesliga.de: Spielt es für Sie eine Rolle, dass die handelnden Personen, die Sie damals verpflichtet haben, nicht mehr da sind?

Zimmer: Nein. Ich muss ja trotzdem beweisen, was ich auf dem Feld kann. Da spielt es keine Rolle, wer die Verantwortlichen sind.

bundesliga.de: Im Fachblatt "Kicker" werden Sie als Abwehrspieler eingereiht, beim FCK haben Sie aber auch oft im Mittelfeld gespielt. Wie plant Trainer Jos Luhukay mit Ihnen?

Zimmer: Ich bin sehr flexibel, was eine Position rechts oder links oder vorne oder hinten angeht. Ich habe auch keine Lieblingsposition. Ich habe mit dem Trainer gesprochen. Er weiß, dass ich dort spielen will, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann. Das war schon beim 1. FC Kaiserslautern so und wird auch beim VfB so sein. Ich habe keine feste Position. Grundsätzlich spiele ich eher defensiver, ich habe auch nicht so viele Tore gemacht. Also passt auch Abwehrspieler.

bundesliga.de: Sie haben immerhin fünf Tore in den letzten beiden Spielzeiten erzielt. Das ist für ein Defensivspieler ja kein schlechter Wert.

Zimmer: Damit kann man sicher leben, es wäre aber auch noch mehr drin gewesen.

"Wir wollen aufsteigen - am besten als Meister"

bundesliga.de: Das Kapitel 1. FC Kaiserslautern ist nun abgeschlossen. Was bleibt davon, was nehmen Sie mit?

Zimmer: Ich bin in der Umgebung aufgewachsen, habe zwölf Jahre für den FCK gespielt. Das alles gehört zu mir. Wir haben mit Ausnahme der letzten Saison um den Aufstieg gespielt. Ich konnte schon die Erfahrung machen, was es heißt, oben mitzumischen und zu versuchen, jedes Spiel zu gewinnen. Jeder Gegner gibt gegen den großen 1. FC Kaiserslautern bzw. nun den großen VfB Stuttgart immer 110 Prozent. Ich glaube zu wissen, was auf uns in der kommenden Saison zukommt.

bundesliga.de: Die FCK-Talentschmiede war in den letzten Jahren sehr erfolgreich und hat viele Profis hervor gebracht. Vor Ihnen haben auch Spieler wie Willi Orban oder Dominique Heintz den Verein verlassen und spielen jetzt in der Bundesliga. Sind das Vorbilder für Sie?

Zimmer: In erster Linie sind die Beiden Freunde von mir. Dazu kommt noch der Marius Müller. Über die U21 habe ich eine größere Clique, zu der auch Freiburgs Christian Günter zählt. Wir stehen in Kontakt. Was sie erreicht haben, werde ich auch erreichen.

bundesliga.de: Der VfB Stuttgart geht als großer Favorit in die Saison. Wie groß ist der Druck, was haben Sie sich selbst vorgenommen?

Zimmer: Es ist ja kein Geheimnis, dass wir aufsteigen wollen - am besten als Meister. Das mag Druck sein, aber ich denke, dass andere Mannschaften viel mehr Druck haben. Ich sehe es als positiven Druck an.

bundesliga.de: Das Auftaktprogramm hat es mit den Spielen gegen St. Pauli und bei Fortuna Düsseldorf gleich in sich. Da wissen Sie direkt, was Sie ab sofort erwartet.

Zimmer: Genau. Hinzu kommt, dass wir sofort mit einem Montag- und Freitagspiel anfangen. Das ist nicht schlecht für uns. Du bist sofort drin, spielst gegen zwei gute Mannschaften und weißt, was auf dich zukommt. Das passt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski