Bochum -  Das einzige West-Derby der 2. Liga steigt am Donnerstag und ist zugleich das Spitzenspiel des 7. Spieltags: Der VfL Bochum empfängt Fortuna Düsseldorf.

Für Peter Neururer stehen die Vorzeichen für einen weiteren Sieg gut – nur sein Glückbringer macht dem VfL-Trainer langsam Sorgen, wie er im Interview mit bundesliga.de verrät.

bundesliga.de: Peter Neururer, wir müssen vor dem Derby gegen Düsseldorf über Ihre Frisur sprechen. Ihre Haare sollen noch deutlich länger werden als zurzeit?

Peter Neururer: (lacht) Ach, die Haare…! Ich habe tatsächlich eine Marotte, seit ich im Profi-Fußball zu tun habe: Ich gehe nur nach Niederlagen zum Friseur. Daher sind die Haare im Moment schon verdammt lang. Sieht nicht sonderlich toll aus, zumal ich eigentlich Naturlocken habe und die Haare an den Enden jetzt schon immer glätten muss Aber ich hoffe, sie wachsen noch eine ganze Weile weiter.

bundesliga.de: Geht der VfL Bochum als Favorit in das Spiel gegen die Fortuna?

"Wir werden von den Gegnern anders angesehen"

Neururer: Wenn wir unser Spiel durchziehen, muss Düsseldorf schon einen richtig guten Tag erwischen, um gegen uns zu gewinnen. Aber auch wir brauchen einen guten Tag, um alles wie geplant umzusetzen. Generell merkt man, dass sich mit unserem Erfolg der letzten Spiele auch im Bewusstsein der Gegner einiges verändert. Weil wir Tabellenführer sind, und das auch noch ungeschlagen, werden wir von den Gegnern anders angesehen und anders bespielt. Wir sind kein Abstiegskandidat mehr, den man einfach weghaut. Ich bin gespannt, wie Düsseldorf als absolute Top-Mannschaft das Spiel angeht.

bundesliga.de: Muss der VfL vor allem auf die schnellen Konter der Fortuna achten?

Neururer: Fortuna verfügt im Kader über unglaubliche Schnelligkeit und Geschwindigkeit. Wir müssen zwar unser eigenes Spiel durchdrücken, aber auch dafür sorgen, dass wir Düsseldorf keine Tiefe geben. Sonst wird es richtig gefährlich. Darüber hinaus wollen wir natürlich wie gewohnt nach vorne spielen. Und dann müssen wir im Abschluss konsequenter sein als zuletzt in Frankfurt.

bundesliga.de: Was komisch klingt, wenn man sich den 5:1-Sieg des VfL in Erinnerung ruft.

Neururer: Klingt komisch, ist aber so. In Frankfurt haben wir in der zweiten Halbzeit alles getroffen, was man treffen kann. Aber in der ersten Hälfte haben wir sehr unkonzentriert und fahrig gespielt. Und gegen Düsseldorf werden wir keine Vielzahl an Chancen bekommen. Also müssen wir damit viel konsequenter umgehen.

bundesliga.de: Dass der VfL jetzt als Spitzenreiter ins West-Derby geht, hätten vor der Saison wohl nicht viele Menschen erwartet. Haben Sie Ihrer Mannschaft so eine Leistung zugetraut?

Neururer: Nach sechs Spieltagen sind noch keine Geschichten geschrieben worden. Dass diese Mannschaft allerdings gegen jeden in der Liga gewinnen kann, war mir von Beginn an klar. Aber wie groß die Häufigkeit wird, auch gegen fast jede Mannschaft dieser Liga verlieren zu können, diese Frage wurde noch nicht beantwortet. Noch sind wir ungeschlagen. Aber wir müssen auch immer daran denken, wo wir herkommen und was wir in den letzten Jahren gespielt haben.

bundesliga.de: Was meinen Sie damit konkret?

Neururer: Es geht darum, welche Möglichkeiten wir hier beim VfL haben. Die sind im Vergleich zu den anderen Vereinen weit unter dem Schnitt der 2. Liga. Wir haben ein Umfeld, das erstligareif ist. Auch die Trainingsmöglichkeiten und vor allem das Stadion – alles erstligareif. Aber wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten wie ein durchschnittlicher Zweitligist. Wir konnten in diesem Sommer wie auch schon im letzten für keine Neuverpflichtung eine Ablösesumme zahlen. Daher gilt immer: Ball flach halten und ruhig bleiben!

Qualitätszugewinn in unserem Kader

bundesliga.de: Die Neuverpflichtungen dieses Sommers sind aber voll eingeschlagen. Und der VfL konnte mit Weis, Cacutalua und Forssell nach dem Saisonstart sogar noch einmal nachlegen.

Neururer: Wir haben in dieser Saison ganz klar einen Qualitätszugewinn in unserem Kader. Deswegen spielen wir anders - und deswegen ist auch der Tabellenplatz ein anderer. Und mit der jetzigen Breite des Kaders können wir in der Mannschaft einen positiven Druck aufbauen. Aber auch das sind Momentaufnahmen. Nehmen wir Malcolm Cacutalua - im Moment spielt er stark und hilft uns sehr. Aber wie wird es in ein paar Wochen aussehen, wenn er gezwungen ist, eine gewisse Leistung immer abzurufen? Er ist erst 19 Jahre alt und unterliegt natürlich noch Leistungsschwankungen.

bundesliga.de: Ein anderer Spieler ist schon 32 Jahre alt und vielleicht der wichtigste Teil der VfL-Offensive - auch wenn Stanislav Sestak rein nach Treffern im Schatten von Torjäger Simon Terodde steht.

Neururer: Was Sestak macht - sensationell! Er führt die Offensive, ihn kannst du immer anspielen. Stani hat einen Blick für den Mitspieler, hat einen starken Abschluss, ist immer noch schnell – er hat einfach alles, was du als Stürmer brauchst. Er ist von der Qualität her ganz klar ein Erstligaspieler mit außergewöhnlichen fußballerischen Fähigkeiten, dazu ein toller Teamplayer. Zum Glück für uns ist er in ein Alter gekommen, in dem wir ihm sagen konnten: Komm wieder zurück zum VfL!

bundesliga.de: Haben sich Sestak und die Mannschaft gegen Düsseldorf endlich mal wieder ein ausverkauftes Stadion verdient?

Neururer: So etwas muss man sich erspielen, das kann man nicht herbeireden. Dazu gehören Ergebnisse, vor allem im eigenen Stadion. Da haben wir in dieser Saison bislang nur das Pokalspiel gegen Stuttgart gewonnen. Aber vor allem unsere Leistung auswärts war dazu angetan, für ein volles Haus zu sorgen. Diese Mannschaft hat es sicher verdient, noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

bundesliga.de: Bei den Fans nehmen die ersten Aufstiegsträume langsam Kontur an. Wie halten Sie es eigentlich mit dem A-Wort? Die Fans dürfen darüber sprechen - aber sonst keiner?

Neururer: Warum denn nicht? Mittelfristig haben wir hier alle das gleiche Ziel: Zurück in die Bundesliga! Der VfL Bochum muss aufsteigen in die 1. Liga, sonst kannst du dich auf Dauer zwischen Dortmund und Schalke nicht behaupten. Aber wann der Zeitpunkt für einen Aufstieg realistisch ist, das ist eine ganz andere Geschichte. Nur eines ist klar: Weitere fünf Jahre in der 2. Liga wollen und dürfen wir hier in Bochum nicht erleben.

 

Das Gespräch führte Dietmar Nolte