Nürnberg - In der abgelaufenen Saison holte der 1. FC Nürnberg mehr Punkte als der letztjährige Zweitligameister, im Saisonfinish sind alle Spieler an Bord, selbst Keeper Raphael Schäfer, der bislang alle Relegationsspiele gewann. Kein Wunder also, dass der FCN optimistisch in die beiden Relegationsduelle gegen Eintracht Frankfurt am Donnerstag und am Montag (jeweils um 20.30 Uhr) geht.

René Weiler hat bei der Pressekonferenz des FCN nicht viel gesagt, was in Frankfurt für Aufsehen sorgen könnte. Selbst die Tatsache, dass die Hessen zum Relegationsgegner wurden, weil sie kurz vor Schluss gegen Werder Bremen ein Gegentor bekommen haben (zum Spielbericht), wollte der Nürnberger Trainer nicht als Vorteil für seine Nürnberger einstufen: "Als Sportler lernen wir, Rückschläge schnell abzuhaken." Nur eine Schwäche hat er bei den Hessen erkannt: "Frankfurt zählt jetzt nicht zu den offensivstärksten Mannschaften der Bundesliga, aber auch da sind sie unter dem neuen Trainer besser geworden."

Einige Spieler geschont

Damit der 1. FC Nürnberg auch im Vollbesitz seiner Kräfte in die beiden wichtigsten Spiele des Jahres geht, hatte Weiler schon am Sonntag, beim 1:0-Sieg in Paderborn ein paar Spielern eine Pause verordnet. Guido Burgstaller, Zoltan Stieber und Georg Margreitter wurden geschont, Hanno Behrens fehlte gelbgesperrt. Sie alle dürften in Frankfurt wieder einsatzbereit sein, lediglich hinter Sebastian Kerk steht ein Fragezeichen, wie Riesentalent Patrick Erras könnte er ausfallen.

Ansonsten spielt der Club auch im Tor in Bestbesetzung, wo Raphael Schäfer nach seiner Achillessehnenverletzung gerade noch rechtzeitig wieder fit wurde. "Es ist wichtig, dass er wieder dabei ist. Rapha dirigiert und pusht die Kollegen", sagt Weiler. "Frankfurt ist der Favorit, der Druck ist für den Bundesligisten aber immer höher", sagt derweil der 37-jährige Schäfer, der mit dem Club alle vier Relegationsspiele gewann, in denen er im Tor stand. 2009 schlugen die Franken den favorisierten Erstligisten Cottbus genauso ungefährdet wie ein Jahr später den damaligen Zweitligisten FC Augsburg.

Ein Punkt mehr als der Vorjahresmeister

Dass der FCN mit Selbstbewusstsein in die beiden Partien gegen die Hessen geht, liegt allerdings vor allem an der herausragenden Rückrunde der Franken. Die 65 Punkte, die man erreichte, langen normalerweise für den direkten Aufstieg. In der vergangenen Saison stieg der FC Ingolstadt mit einem Zähler weniger als Zweitligameister auf. Und das, obwohl Nürnberg noch nach mehr als einem Drittel der Saison eher nach unten als nach oben schauen musste. Noch am Ende des 14. Spieltages belegte der Club Rang zehn, spielte unsicher, unstrukturiert und vor allem in der Defensive fehleranfällig. Doch dann startete das Team von René Weiler eine Siegesserie und bezwang mit dem SC Freiburg und RB Leipzig selbst die beiden vermeintlichen Übermannschaften der 2. Bundesliga.

Seit der Verpflichtung von Michael Meeske (Finanzen) und Andreas Bornemann (Sportvorstand) ist zudem Ruhe in Nürnberg eingekehrt. Der Club ist das beste Team der Rückrunde – mit 38 Zählern aus 17 Spielen und der fantastischen Bilanz von 35 zu 15 Toren, an denen die beiden Stürmer Guido Burgstaller (13 Treffer) und Niclas Füllkrug (14) großen Anteil haben. "Die Saison über haben wir Selbstvertrauen getankt", sagt selbst der zurückhaltende Weiler. "Jetzt versuchen wir ihr das i-Tüpfelchen aufzusetzen." 5.000 Fans werden von Nürnberg nach Hessen fahren, viele davon in einem ellenlangen Bus- und Autokonvoi.

Aus Nürnberg berichtet Christoph Ruf