Fürth - Gerald Asamoah dürfte der prominenteste neue Spieler der 2. Bundesliga sein. Der Vizeweltmeister von 2002 und 43-fache deutsche Nationalspieler verstärkt seit der Winterpause die SpVgg Greuther Fürth. Der 33-Jährige wechselte vor allem ins Frankenland, weil er den Fürther Trainer Mike Büskens aus gemeinsamen Schalker Tagen bestens kennt und er vom Konzept und der Perspektive in Fürth überzeugt ist. bundesliga.de sprach mit ihm.

bundesliga.de: Herr Asamoah, wie sehr freuen Sie sich darauf, in rund zwei Wochen wieder aktiv im Profifußball mitmischen zu können?

Gerald Asamoah:(lacht) Erst mal abwarten, ob mich der Trainer aufstellt. Im Ernst, ich bin sehr froh, wieder dabei zu sein und Teil einer ambitionierten jungen Mannschaft zu sein. Jetzt geht es ins Trainingslager, wo wir vier Spiele bestreiten und ich wieder Spielpraxis sammeln kann. Ich werde keine Ansprüche stellen. Und wenn ich im ersten Pflichtspiel für zehn Minuten eingewechselt werde, dann werde ich alles geben.

bundesliga.de: Wie schwer war das vergangenen halbe Jahr, in dem Sie vereinslos waren?

Asamoah: Ich habe es schon ein bisschen vermisst, am Wochenende aufzulaufen. Ich hatte viel Zeit, um mir Fußballspiele der ersten und zweiten Liga im Fernsehen anzusehen. Und ich habe die Zeit mit der Familie genossen. Diesen Luxus hatte ich in den letzten Jahren selten.

bundesliga.de: Wie haben Sie sich fit gehalten?

Asamoah: Ich bin täglich gelaufen und habe mit einem Personal-Trainer trainiert. Außerdem habe ich beim fünftklassigen VfB Hüls mittrainiert. Auch wenn ich nicht gespielt habe, war ich doch Teil der Mannschaft. Mit einem Freund habe ich regelmäßig einmal in der Woche Squash gespielt.

bundesliga.de: Gab es Momente, in denen Sie nicht mehr an die Fortsetzung Ihrer Profikarriere geglaubt haben? Wie sind Sie damit umgegangen?

Asamoah: Nein, ich hatte keine Zweifel. Nach der Zeit bei St. Pauli wollte ich ins Ausland wechseln. Aber die Angebote haben mich nicht überzeugt. Ich habe abgewartet, weil ich nur aus Überzeugung eine neue Aufgabe angehen wollte.

bundesliga.de: Wie kam der Kontakt zur SpVgg Greuther Fürth zustande?

Asamoah: Trainer Mike Büskens hat mich kurz vor Weihnachten angerufen, da war ich mit meiner Familie in Ghana. Dann haben wir uns persönlich getroffen und die Gespräche intensiviert.

bundesliga.de: Welche Rolle spielte Fürths Trainer Mike Büskens, den Sie aus gemeinsamen Schalker Zeiten kennen, bei Ihrer Entscheidung?

Asamoah: Ich kenne Mike Büskens schon lange, er war mein Mitspieler und später mein Trainer auf Schalke. Er hat mir sein Konzept und seine Ideen vorgestellt. Das hat mich überzeugt. Hier kann man etwas bewegen und dabei will ich mithelfen.

bundesliga.de: Was hat Ihnen Mike Büskens gesagt, was er von Ihnen erwartet und welche Rolle er für Sie vorgesehen hat?

Asamoah: Also grundsätzlich bin ich hier, weil mit Kingsley Onuegbu ein Stürmer verletzungsbedingt ausfällt. Und ich bin nicht hier, um Ansprüche zu stellen. Ich habe sieben Monate nicht gespielt, brauche Spielpraxis. Diese Zeit will man mir geben. Ich will mit meinen Möglichkeiten und meiner Erfahrung dieser jungen Mannschaft helfen, die bisher eine überragende Saison spielt. Wenn ich ins Spiel komme, werde ich alles geben.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Asamoah: Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass die SpVgg am Saisonende aufsteigt!

bundesliga.de: Welchen Eindruck haben Sie von der SpVgg Greuther Fürth gewonnen?

Asamoah: Super! Hier herrscht ein sehr familiärer Umgang, es geht ein bisschen beschaulicher zu als beispielsweise auf Schalke. Das heißt aber auch, dass man in Ruhe arbeiten kann. Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht und mich sehr gut aufgenommen. Man spürt, dass sich alle dem großen Ziel verschrieben haben. Alle geben alles dafür. Das gilt für die Mannschaftskollegen, für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle...

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die sportlichen Perspektiven?

Asamoah: Nach dem Testspiel in Augsburg (Anm. d. Red. 2:0 für Fürth) habe ich den Reportern gesagt, dass diese Jungs gar nicht wissen, wie gut sie sind. Die Mannschaft steht völlig zurecht auf Platz zwei. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass am Saisonende das große Ziel erreicht wird und sich das Thema "Unaufsteigbar" erledigt.

bundesliga.de: Sie sprechen es an. Was spricht dafür, dass den "Unaufsteigbaren" in dieser Saison doch erstmals der Aufstieg in die Bundesliga gelingt?

Asamoah: Die SpVgg tritt mit einer unglaublichen mannschaftlichen Geschlossenheit auf. Wir haben beim letzten Test in der Pause komplett gewechselt und es war kein Bruch im Spiel zu erkennen. Spielerisch und läuferisch ist das klasse. Wir wissen, dass wir hart arbeiten müssen und in den nächsten 15 Spielen alles geben müssen. Dann können wir das "un" streichen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski